Schwerste Waldbrände seit Jahren

Lateinamerikas Bischöfe fordern Hilfe gegen Amazonas-Brände

Aktualisiert am 23.08.2019  –  Lesedauer: 

Bogota/Rio de Janeiro ‐ Am Amazonas wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Lateinamerikas Bischöfe rufen nun die Weltengemeinschaft auf, die Katastrophe zu stoppen. Brasiliens Präsident Bolsonaro hat derweil einen Rettungsplan aufgestellt – und das Ausland beleidigt.

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Der Lateinamerikanische Bischofsrat CELAM hat Brasilien und Bolivien sowie die internationale Gemeinschaft angesichts der Amazonas-Waldbrände zum Handeln aufgerufen. "Wir fordern die Regierungen der Amazonas-Länder, insbesondere Brasilien und Bolivien, die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft auf, ernsthafte Maßnahmen zum Schutz der Lunge dieser Erde zu ergreifen", heißt es in einer am Donnerstag (Ortszeit) verbreiteten CELAM-Erklärung.

Zudem brachten die Bischöfe ihre Solidarität mit den indigenen Völkern zum Ausdruck, die in den betroffenen Gebieten lebten. Solidarität und schnelle Hilfe der Weltgemeinschaft seien notwendig, um die Zerstörung zu stoppen. In Teilen des Regenwaldes von Brasilien und Bolivien wüten derzeit zahlreiche Brände. Die genauen Ursachen der Feuer sind noch unklar. Im laufenden Jahr wurden bereits rund 75.000 Brandherde im Amazonas-Gebiet gezählt, etwa 84 Prozent mehr als im Vorjahr; dies hat weltweite Besorgnis ausgelöst.

Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro plant offenbar den Einsatz der Streitkräfte gegen die Waldbrände am Amazonas. Zugleich verurteilte er die Initiative von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die Brände zum Thema auf dem anstehenden G7-Gipfel in Biarritz zu machen, als "koloniales Gehabe", wie Medien am Freitag berichten. Am Donnerstagabend (Ortszeit) hatte Bolsonaro mit seinem Kabinett über die Bekämpfung der Brände beraten. Laut Medienberichten wird Bolsonaro den Einsatz der Streitkräfte anordnen. Zudem sollen die Gouverneure der betroffenen Teilstaaten der Zentralregierung bei der Brandbekämpfung helfen.

Bild: ©Thomas Milz/KNA

Präsident Jair Bolsonaro.

Brasiliens Agrarlobby befürchtet angesichts der Waldbrände Sanktionen. So würden Handelspartner Brasiliens Umweltprobleme als Vorwand nehmen, um die Konkurrenz aus Südamerika vom Weltmarkt auszuschließen. Agrarverbände zeigen sich zudem unzufrieden mit dem aggressiven Ton, mit dem Präsident Bolsonaro auf Kritik aus dem Ausland reagiert. Man müsse den Handelspartnern die Situation erklären, anstatt auf Konfrontation zu gehen.

Macron sei ein "kompletter Idiot"

So übte Bolsonaro deutliche Kritik an Macron: Der Franzose mische sich in innerbrasilianische Angelegenheiten ein. Sein Sohn Eduardo Bolsonaro, der demnächst Brasiliens Botschafter in den USA werden soll, teilte in Sozialen Netzwerken einen Tweet, in dem Macron als "kompletter Idiot" bezeichnet wird. Brasiliens Außenminister Ernesto Araujo bezeichnete die weltweiten Aufrufe zur Rettung des Amazonas-Gebiet derweil als "Umwelt-Heuchelei". Angesichts der wachsenden Bedeutung seines Landes versuche das Ausland mit Fake-News-Kampagnen, Brasilien "klein zu halten", so der Diplomat. Araujo hatte mehrfach die Existenz des Klimawandels geleugnet. Dieser sei von Marxisten erfunden worden, um der Christenheit den Fleischkonsum zu verbieten und den Aufstieg Chinas zu fördern.

Am Mittwoch hatte Bolsonaro erklärt, dass er ausländische Nichtregierungsorganisationen (NGOs) hinter den aktuellen Waldbränden vermute. Die NGOs wollten "seinem Gefühl nach" auf diese Weise sein Image im Ausland beschädigen. Seine Regierung habe diesen Organisationen in den vergangenen Monaten den Geldhahn zugedreht, weshalb sie sich nun rächen wollten. Beweise dafür habe er aber keine, so Bolsonaro.

Das katholische Hilfswerk Adveniat macht die EU-Handelspolitik mitverantwortlich für die verheerenden Waldbrände. Eine Ursache für die Brände sei der Abschluss des Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten, wie der Brasilien-Referent des Lateinamerika-Hilfswerks, Klemens Paffhausen, am Freitag in Essen mitteilte. "Die versprochenen niedrigeren Zölle auf Importe von Rindfleisch und Soja aus Südamerika führen zu mehr Abholzung und mehr Anbauflächen", sagte er. Nach Angaben von Paffhausen gibt es zwei Ursachen für die enorme Zunahme von Waldbränden in der Region. "Großgrundbesitzer stecken den Wald gezielt in Brand und der Regenwald verdorrt seit Jahren", sagte er. Zudem seien 20 Prozent des Regenwaldes im Amazonasgebiet abgeholzt, weitere 40 Prozent geschädigt. "Entlang der Flüsse und Straßen fressen sich die gigantischen Sojaplantagen und Rinderweiden gnadenlos in den Regenwald", kritisierte der Brasilien-Referent. Der Verlust des wasserreichen Waldes führe seit Jahren zu immer längeren Trockenperioden. (tmg/KNA/epd)

23.8., 12:40 Uhr: Ergänzt um Stellungnahme von Adveniat.