Marianne Schlosser bei einer Tagung
Schlosser geht auf Distanz

Frauen-Forum beim "synodalen Weg": Theologin hört auf

Die preisgekrönte Theologin Marianne Schlosser wird beim Frauen-Forum des "synodalen Wegs" nicht weiter mitarbeiten. Sie kann sich mit dem vorbereitenden Bericht nicht identifizieren – und findet die Diskussionen des Gremiums nicht angemessen.

Wien - 21.09.2019

Die Wiener Theologin Marianne Schlosser (59) steht für eine weitere Mitwirkung im Frauen-Forum des "synodalen Wegs" unter den gegebenen Voraussetzungen nicht zur Verfügung. Sie könne sich mit dem inzwischen veröffentlichten Bericht der Vorbereitungsgruppe nicht identifizieren, sagte Schlosser am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Wien. Eine Diskussion in der angestrebten Form sei nicht angemessen, um theologische Grundsatzfragen zu klären und zu vertiefen. Sie sei als Expertin in die Vorbereitungsgruppe eingeladen worden, habe aber an den beiden kurzfristig anberaumten Arbeitstreffen wegen anderweitiger Verpflichtungen nicht teilnehmen können.

Die Professorin fügte hinzu, sie habe ihre Bedenken aber den Vorsitzenden der Arbeitsgruppe schriftlich erläutert. Nach ihrer Wahrnehmung gibt es in der Frauen-Frage eine "interessengeleitete Fixierung auf das Weihesakrament". Diese sei aber weder theologisch und geschichtlich noch pastoral und geistlich gerechtfertigt. Das Lehramt der katholischen Kirche habe verbindlich festgelegt, dass die Kirche keine Vollmacht habe, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen. Die Diskussion darüber sei "schon so lange geführt worden", alle Argumente seien ausgetauscht und lägen auf dem Tisch.

Da es sich "nicht um eine disziplinäre Frage" handle, könne das Thema "auch nicht in einem synodalen Forum in gemischter Besetzung", also zwischen Bischöfen und Laien, verhandelt werden. Die Theologin äußerte die Befürchtung einer voranschreitenden Polarisierung der Kirche in Deutschland, gerade aufgrund der gegenwärtig "aufgeheizten Stimmung". Diese sei einer Klärung nicht förderlich.

Schlosser (59) stammt aus dem bayerischen Donauwörth und studierte in München. Seit 2004 lehrt die habilitierte Dogmatikerin an der Universität Wien Theologie der Spiritualität. 2014 berief Papst Franziskus sie in die Internationale Theologenkommission, zwei Jahre später in die Studienkommission zum Diakonat der Frau. Seit Herbst 2016 ist sie Beraterin der Glaubenskommission der deutschen Bischöfe. Im November erhielt sie als zweite Frau den mit 50.000 Euro dotierten Preis der vatikanischen "Stiftung Joseph Ratzinger-Benedikt XVI." für ihre Forschungen zur frühkirchlichen und mittelalterlichen Theologie.

Unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals wollen die deutschen katholischen Bischöfe mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) im Dezember einen "verbindlichen synodalen Weg" zur Erneuerung der Kirche starten. Themen sind Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen. Vor einer Woche hatten die Vorbereitungskommissionen ihre Abschlussberichte veröffentlicht. Der Vatikan kritisierte, dass die Inhalte nur weltkirchlich entschieden werden könnten. Zudem wandte er sich gegen die Gleichberechtigung von Bischöfen und Laien bei den Abstimmungen. (KNA)