Papst Franziskus in der Synodenaula während der Jugendsynode.
Treffen sei schon zu weit fortgeschritten

Kein Stimmrecht für Frauen bei Amazonas-Synode

Zuletzt häuften sich die Forderungen nach einem Stimmrecht für Frauen bei Bischofsynoden. Bei der aktuellen Amazonas-Synode wird daraus wohl noch nichts. Doch einige Teilnehmer möchten sicherstellen, dass beim nächsten Mal Frauen mitabstimmen dürfen.

Vatikanstadt - 12.10.2019

Ein Stimmrecht für Frauen wird es bei der laufenden Amazonas-Synode im Vatikan nach Einschätzung von Teilnehmern nicht mehr geben. Sie beriefen sich auf eine Aussage von Generalrelator Kardinal Claudio Hummes, das aktuelle Treffen sei wohl schon zu weit fortgeschritten. Die als Expertin geladene Ordensfrau Birgit Weiler sagte aber am Freitag, man wolle sicherstellen, dass bei der nächsten Bischofssynode Frauen mit abstimmen können. Ihr zufolge hatte eine Gruppe von Bischöfen und Ordensfrauen das Anliegen an Hummes herangetragen, damit dieser es an den Papst weitergebe.

Unter den mehr als 280 Teilnehmern der am Sonntag eröffneten Sondersynode für Amazonien sind 35 Frauen, davon 20 Ordensmitglieder:vier externe Expertinnen, 29 Hörerinnen sowie zwei weitere geladene Gäste. Die Frage nach einem Stimmrecht für Frauen war bereits bei der Jugendsynode im Oktober 2018 aufgekommen. Damals durften Ordensbrüder, die Nichtpriester waren, mit abstimmen, nicht aber Ordensfrauen. Auch bei der aktuellen Synode ist ein Ordensbruder stimmberechtigt. Vor allem die internationale Initiative "Voices of Faith" (Stimmen des Glaubens) macht sich dafür stark, dass Frauen bei Bischofssynoden stimmberechtigt werden. Zuletzt schloss sich auch Irene Gassmann, Priorin des Schweizer Benediktinerinnenklosters Fahr, dieser Forderung an.

Kardinal Claudio Hummes

Der brasilianische Kardinal Claudio Hummes hat offenbar signalisiert, dass es bei der laufenden Amazonas-Synode noch kein Stimmrecht für Frauen geben wird.

Neben den eigentlichen Mitgliedern einer Synode, Bischöfen und Ordensmännern, gibt es weitere Experten und sogenannte Auditoren (Hörer); zu diesen gehören auch Ordensfrauen, andere Frauen sowie männliche Nichtkleriker. Zudem nehmen geladene Gäste, etwa Vertreter anderer Konfessionen, an der Synode teil.

Weiler äußerte sich bei einer Pressekonferenz am Freitag sehr zufrieden über das "offene Gesprächsklima". Frauen würden vollkommen akzeptiert; es gebe "keine klerikale Attitüde". "Wir können sagen, was uns als Frauen bewegt, aber auch ärgert. Wir können gemeinsam hören, was der Geist uns sagen will", so die aus Duisburg stammende und in Peru tätige Ordensfrau von der Gemeinschaft Missionsärztlicher Schwestern.

Weiler: Frauen leisten Hauptlast in der Seelsorge

Auch etliche Bischöfe forderten um der Glaubwürdigkeit der Kirche willen mehr Frauen in Entscheidungspositionen, sagte Weiler. Schon jetzt werde nicht nur in Amazonien die Hauptlast der pastoralen Arbeit von Frauen geleistet. Daher seien sie auch bei Entscheidungen zur Seelsorge einzubeziehen.

Seit vergangenem Sonntag beraten im Vatikan Bischöfe und andere Kirchenvertreter über seelsorgliche Herausforderungen des Amazonasgebiets. Unter anderem geht es dabei um Fragen wie eine Priesterweihe verheirateter Männer, die Übertragung von Leitungsaufgaben an Laien und neue Ämter für Frauen. Die Synode läuft bis zum 27. Oktober. (mal/KNA)