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Standpunkt

Wie Pseudo-Fragen die Amazonas-Synode in Verruf bringen sollen

Gudrun Sailer erstaunt manche Berichterstattung über die Amazonas-Synode. Gewisse Fragen von immer denselben Journalisten seien nur auf Spaltung aus, kommentiert sie. Das habe nichts damit zu tun, was tatsächlich bei den Beratungen passiert.

Von Gudrun Sailer |  Bonn - 22.10.2019

redakteurin gudrun sailer

An der Amazonas-Synode, die in ihrer dritten und letzten Woche ist, erstaunt mich eines am meisten: die Diskrepanz zwischen dem Geist der Geschwisterlichkeit bei der Synode und dem Geist der Spaltung in einer bestimmten Art von Berichterstattung drumherum. Fast täglich finden bei der Synode Pressebriefings statt. Auf dem Podium sind drei bis vier Gäste aus der Synode, meist aus Amazonien, zwei Leute aus der vatikanischen Öffentlichkeitsarbeit und ein italienischer Jesuit, Giacomo Costa, der Farbe in die Aufzählung der Inhalte bringt und sich auf die Kunst versteht, etwas so zu sagen, dass es genau an der Grenze dessen entlangspaziert, was gesagt werden darf.

Nun sind aber bestimmte Fragen, die diesem Podium gestellt werden, kurz gesagt abstrus. Über Tage ging es um eine Holzstatuette, die Gäste aus dem Amazonas bei einer Auftaktveranstaltung zur Synode mit Papst Franziskus in den Vatikanischen Gärten dabei hatten. Dargestellt ist eine unbekleidete, schwangere Indigene. Was ist damit gemeint?, wollten einige Journalisten täglich aufs Neue wissen (Vorwurf: Häresie). Eine zweite insistent vorgetragene Frage betraf mögliche Fälle von Kindsmord durch entlegene Indigenenstämme (Vorwurf: moralisches Versagen kirchlicher Indigenenfreunde). Eine dritte bezog sich auf Spenden der amerikanischen Ford-Stiftung, die nach Darstellung der Fragenden "für Abtreibung" ist, an das kirchliche Amazonien-Netzwerk REPAM, das die Synode mit vorbereiten half (Vorwurf: Der Vatikan lässt sich von Kinderschlächtern bezahlen).

Ich sage nicht, dass Fragen bei Pressekonferenzen nicht lästig sein dürfen. Noch weniger bin ich der Meinung, bestimmte Fragesteller (es sind immer dieselben) sollten einfach übergangen werden, wenn sie die Hand heben. Pressefreiheit ist ein hohes Gut. Und lästige Fragen sind oft große, wichtige, zentrale Fragen.

Hier ist leider das Gegenteil der Fall. Die genannten Fragen sind aus meiner Sicht Pseudo-Fragen. Sie sind nicht auf Antwort aus. Sie dienen allein dazu, Spaltung zu säen, die Synode medial an die Wand zu fahren und den Papst und sein Reformvorhaben für die katholische Kirche in Verruf zu bringen. Es sind Fragen, die nicht hineinführen in die Synode, sondern von ihr weg. Sie ignorieren die Anliegen der Bischofsversammlung und um Indigene und Bedürftige in Amazonien geht es ihnen ganz sicher nicht.

Dieser Wille zur Spaltung ist geradezu das Gegenteil dessen, was bei der Synode selbst vonstatten geht. Die Atmosphäre ist wirklich die eines gemeinsamen Suchens. In der Aula und in den Sprachzirkeln prallen auch mal Meinungen aufeinander. Das ist gut. Wo aufrichtig, frei und ohne Hintergedanken gestritten wird, kann am Ende ein Konsens wachsen über die "neuen Wege", die es einzuschlagen gilt.

Von Gudrun Sailer

Die Autorin

Gudrun Sailer ist Redakteurin bei "Vatican News".

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