Diaspora-Aktion startet am Sonntag

Bonifatiuswerk: Neues Selbstvertrauen als Antwort auf die Kirchenkrise

Aktualisiert am 02.11.2019  –  Lesedauer: 
Boni-Bus
Bild: © Bonifatiuswerk

Mainz/Bonn ‐ In Skandinavien, im Baltikum, aber auch in den meisten Teilen Ostdeutschlands sind Katholiken in der Minderheit. Das Bonifatiuswerk unterstützt sie seit 170 Jahren - und auch mit der aktuellen Diaspora-Aktion.

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Echt, authentisch und begeistert - Katholiken, die hinter ihrem Glauben stehen und ihn ausstrahlen, können andere mit ihrer Sympathie für Gott und die Kirche anstecken. Auf sie setzt die diesjährige Diaspora-Aktion des Bonifatiuswerks der Katholiken. Sie steht unter dem Leitwort "Werde Glaubensstifter" und wird am kommenden Sonntag im Mainzer Dom eröffnet. Die bundesweite Kollekte erfolgt in allen Sonntagsmessen am 3. Novemberwochenende.

Würdenträger mit ungeschicktem Aufreten

Missbrauchsskandal, langweilige Gottesdienste, Würdenträger mit ungeschicktem Auftreten - wenn man über die Kirche und ihr Personal schimpfen möchte, gibt es derzeit Argumente genug. Dass es in der katholischen Kirche auch anders geht und es viele ermutigende Menschen und Initiativen gibt, das möchte das Bonifatiuswerk mit seiner aktuellen Aktion verdeutlichen. Das Hilfswerk möchte Christen motivieren, anderen Menschen durch das eigene Glaubenszeugnis und durch tätige Nächstenliebe mit gutem Beispiel voranzugehen.

Linktipp: Bonifatiuswerk: 170 Jahre Hilfe für Katholiken in der Diaspora

Westdevisen und geschmuggelte Videorekorder: Ohne das Bonifatiuswerk wäre katholisches Gemeindeleben in der DDR schwer möglich gewesen. Das Werk setzt sich bis heute für Diasporakatholiken in Deutschland, Skandinavien und dem Baltikum ein. Doch sinkende Gläubigenzahlen stellen die spendenfinanzierte Glaubenshilfe vor Herausforderungen.

"Wir wünschen uns eine Kirche, in der die Menschen spüren, dass der Glaube für sie persönlich und für die verbindende Gemeinschaft ein Segen ist", betont Heinz Paus, Präsident des Bonifatiuswerkes, im Vorfeld. Das funktioniere aber nur, wenn der Glaube "von Menschen bezeugt wird, die authentisch leben, was sie glauben: durch ihr Reden, Handeln und Beten". Diese Menschen zu entdecken und sie zu ermutigen, neue missionarische Initiativen anzugehen – um auch Menschen anzusprechen, denen der Glaube fremd ist – sei das zentrale Ziel.

Von der aktuellen Kirchenkrise sollten sich Katholiken nicht entmutigen lassen, findet der Generalsekretär des Hilfswerks Georg Austen. "Vielmehr müssen wir schnellstmöglich unser Schneckenhaus verlassen." Christen hätten den Auftrag, sich "aktiv einzumischen". Austen wünscht sich "neues Selbstvertrauen, um öffentlich für unseren Glauben einzustehen". Er appelliert dabei auch, "ungewohnte Orte und Menschen außerhalb gewohnter Strukturen" zu besuchen. Laut Austen gibt es gerade in Diaspora-Gebieten - in denen Katholiken in der Minderheit leben - viele engagierte Menschen und beeindruckende Projekte.

Um das konkret und öffentlich zu machen, würdigt das Hilfswerk dieses Engagement mit einer eigenen Auszeichnung, dem "Bonifatiuspreis für missionarisches Handeln in Deutschland". Er wird bereits zum sechsten Mal vergeben; 220 Menschen aus allen 27 Erzdiözesen und Diözesen haben sich 2019 darum beworben.

Bild: ©Bonifatiuswerk

Georg Austen.

Überhaupt hat das Bonifatiuswerk in den 170 Jahren seines Bestehens viel getan, um die in der "Zerstreuung" - Diaspora - lebenden Katholiken zu unterstützen. Seit 1949 seien mehr als 11.500 Kirchen, Kapellen, Gemeindehäuser oder Kindergärten in den Förderregionen in Deutschland, in Nordeuropa, in Estland und Lettland unterstützt worden, rechnet Austen vor. Mithilfe des Hilfswerks hätten allein über 2.000 kriegszerstörte Kirchen wiederaufgebaut werden können.

Boni-Bus als Markenzeichen

Heute, in Zeiten schwindender Kirchenbindung, liegen die Herausforderungen woanders. Deshalb engagiert sich das Bonifatiuswerk - nicht nur mit der aktuellen Aktion - auch hierzulande verstärkt, um Menschen den Glauben wieder näherzubringen. 600 rapsgelbe "Boni-Busse", die in deutschen Diasporaregionen unterwegs sind, gehören inzwischen zum Markenzeichen des Hilfswerks. Die Kleintransporter helfen Katholiken beim Überwinden weiter Wege zum Kommunionunterricht, zur katholischen Schule oder zum Seniorentreff. Jedes Jahr sollen rund 40 weitere Fahrzeuge dazukommen. Diese Unterstützung, den Glauben leben zu können, erfordert finanzielle Mittel. Um diese und andere Aufgaben stemmen zu können, gibt es die bundesweite Kollekte am 17. November.

Von Angelika Prauß (KNA)