Erzbischof Ludwig Schick
Bamberger Oberhirte erinnert an Zustimmungspflicht von Ausschüssen

Erzbischof Schick gegen Entschädigungen aus Kirchensteuermitteln

Mit welchen Geldern sollen Missbrauchsopfer von kirchlichen Mitarbeitern entschädigt werden? Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hatte für Kirchensteuermittel plädiert. Sein Amtsbruder aus Bamberg, Erzbischof Ludwig Schick, widerspricht ihm jetzt.

Bamberg - 17.11.2019

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat sich gegen die Verwendung von Kirchensteuermitteln für Entschädigungszahlungen an Missbrauchsopfer ausgesprochen. "Ich bin der Auffassung, dass wir nicht die Kirchensteuer einbeziehen sollten", sagte Schick am Samstag in Bamberg vor der Herbstvollversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern. Dies sei auch gar nicht so einfach, da er als Bischof ohne Zustimmung des Diözesansteuerausschusses nicht über diese Mittel verfügen könne. Die Entschädigungen müssten aus anderen Geldern geleistet werden.

Damit reagierte Schick auf die kirchliche Debatte über Modalitäten und Höhe von Entschädigungsleistungen für Missbrauchsopfer von Geistlichen. Zuletzt hatte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, betont, zur Finanzierung müssten auch Kirchensteuermittel eingesetzt werden. Die Kirchenmitglieder seien als Solidargemeinschaft in der Pflicht.

Der Bamberger Erzbischof sagte, bei den derzeit diskutierten Summen im sechsstelligen Bereich brauche es andere Standards bei der Plausibilitätsprüfung: "Da muss schon ein Nachweis sein." Bisher seien Anerkennungsleistungen, die bis zu einer Höhe von 5.000 Euro empfohlen wurden, schon bei einer niedrigeren Plausibilität gezahlt worden. Bei höherer Plausibilität sei schon jetzt mehr gezahlt worden, so Schick. Man sei bei der Frage der Entschädigung noch nicht am Ende der Diskussion. "Da muss noch Einiges geredet werden."

Offener Brief gegen Entschädigungen aus Kirchensteuermitteln

Zuvor hatte sich eine Gruppe von Katholiken mit einem Offenen Brief an die Bischöfe gegen die Finanzierung von Entschädigungsleistungen für Missbrauchsopfer aus Kirchensteuermitteln gewandt. Die Kirchenleitung habe nicht das Recht, die Kirchensteuer zur Finanzierung heranzuziehen, heißt es in dem auf der Internetseite www.kreuz-und-quer.de veröffentlichten Schreiben. "Das wäre ein Frontalangriff auf die Legitimität des geltenden Kirchensteuersystems."

Stattdessen müssten die Bischöfe selbst aktiv werden, fordern die 19 Erstunterzeichner des Appells. Beispielsweise sollten alle amtierenden und emeritierten Bischöfe einen Teil ihres Gehalts oder ihrer Pension in einen Entschädigungsfonds für kirchliche Missbrauchsopfer einzahlen.

"Wir vermissen bei unserer Kirchenleitung die Bereitschaft, ohne relativierende Floskeln Verantwortung für eigenes Versagen zu übernehmen", heißt es in dem Brief. In der katholischen Kirche habe ein "System struktureller Verantwortungslosigkeit die Verbrechen von Klerikern begünstigt", nun dürften die Folgen nicht auf "Unbeteiligte" abgewälzt werden. Die Erstunterzeichner riefen Katholiken bundesweit auf, sich ihrem Appell anzuschließen. (rom/KNA)