Umstrittenes Denkmal: Petrusbrüder um Schadensbegrenzung bemüht
Von AfD-Politiker mitfinanzierter Gedenkstein für deutsche Soldaten in Polen

Umstrittenes Denkmal: Petrusbrüder um Schadensbegrenzung bemüht

Seit Wochenbeginn sorgt ein neuer Gedenkstein im polnischen Botym, auf dem auch deutschen paramilitärischen Einheiten der NS-Zeit gedacht wird, für Diskussionen. Aus kirchlicher Sicht pikant: Das Denkmal wurde von einem Priester der Petrusbruderschaft gesegnet. Gegenüber katholisch.de hat die Gemeinschaft nun Stellung bezogen.

Von Steffen Zimmermann |  Berlin - 20.11.2019

Die Nachricht, die zu Wochenbeginn aus dem polnischen Bytom nach Deutschland gelangt ist, kann wohl getrost als "Stein des Anstoßes" bezeichnet werden: Durch Postings in sozialen Netzwerken und darauf aufbauende Medienberichte wurde am Montag bekannt, dass der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Protschka in Bytom (ehemals: Beuthen) ein Denkmal für gefallene deutsche Soldaten der beiden Weltkriege finanziert hat, das am Volkstrauertag auf einem Friedhof der schlesischen Stadt eingeweiht wurde.

Angesichts der von Deutschen an Polen verübten Verbrechen im Zweiten Weltkrieg ist das Denkmal mindestens pikant, wenn nicht sogar eine bewusste Provokation. Kritisiert wird der Gedenkstein aber vor allem aus zwei Gründen: Zum einen wird auf dem Denkmal auch deutschen "Selbstschutz- und Freikorpskämpfern" gedacht, die laut dem Historiker Jens-Christian Wagner im Zweiten Weltkrieg "Zehntausende Polen und Juden ermordet" haben. Zum anderen ist es die ebenfalls auf dem Stein aufgelistete Gruppe der finanziellen Unterstützer, die heftige Kritik ausgelöst hat. Denn neben Protschka haben unter anderem auch der Berliner Verband der AfD-Jugendorganisation "Junge Alternative" sowie die vom bayerischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte und beobachtete Burschenschaft "Markomannia Wien zu Deggendorf" das Denkmal mitfinanziert.

NPD-Jugendorganisation ursprünglich ebenfalls als Förderer genannt

Ursprünglich, das legen im Internet kursierende Fotos nahe, wurde unter den Förderern des Denkmals auch die NPD-Jugendorganisation "Junge Nationalisten" aufgeführt. Wie Recherchen anderer Medien ergeben haben, wurde die Gruppierung jedoch noch vor der offiziellen Einweihung des Steins wieder entfernt – auf wessen Initiative ist unklar.

Auch aus katholischer Perspektive ist der Vorgang problematisch. Denn an der Einweihung des Steins nahm auch ein Priester teil. Wie der "Bund der Jugend der Deutschen Minderheit" (BJDM) in Beuthen, der zunächst als Initiator des Denkmals genannt wurde, in einem inzwischen gelöschten Beitrag auf Facebook geschrieben hatte, handelte es sich dabei um den deutschen Pater Dietmar Aust, der Mitglied der Priesterbruderschaft St. Petrus ist und in Deutschland lebt. Aust habe das Denkmal gesegnet und gemeinsam mit den anderen Gästen für die auf dem Gedenkstein verewigten Opfer gebetet, so der BJDM, der auch ein Foto von der Segnung veröffentlichte.

Auf Anfrage von katholisch.de bestätigte die Bruderschaft am Mittwoch, dass Aust in Beuthen war und den Gedenkstein gesegnet hat. "Pater Aust war auf Einladung des Deutschen Freundschaftskreises im Bezirk Schlesien in Beuthen zu Gast", so Markus Reiner, Pressereferent der Bruderschaft. Aust habe zudem familiäre Verbindungen in die Stadt, unter anderem sei sein Großvater dort begraben. Wie es am Volkstrauertag üblich sei, sei der Pater vor Ort gebeten worden, den Gedenkstein zu segnen. "Er hat sich vorher vergewissert, dass die Einweihung des Denkmals keine Veranstaltung ist, die in irgendeiner Verbindung mit der AfD steht", so Reiner. Dies habe man ihm zugesichert. Zwar stehe die AfD indirekt mit dem Abgeordneten Protschka und ihrer Jugendorganisation auf dem Denkmal – "aber nur als Sponsor, was Pater Aust ebenso nicht bewusst war", so Reiner.

Auf die Frage, wie Aust zu dem Gedenken an die von Historiker Wagner als rechtsextrem eingestuften "Selbstschutz- und Freikorpskämpfer" stehe, antwortete Reiner: "Die historischen Hintergründe und die Gräueltaten der Gruppe sind ihm nicht bekannt gewesen." Überhaupt sei Aust der "gesamte problematische Zusammenhang" des Denkmals und der Einweihung vor Ort nicht bewusst gewesen. Reiner fügte hinzu: "Es ist Pater Aust wichtig, dass keine Verbindung von ihm zur rechten Szene hergestellt wird." Deshalb habe er vor der Einweihung auch bewusst nachgefragt, ob es bezüglich des Gedenksteins entsprechende Verbindungen gäbe.

Reiner bestätigte zugleich jedoch gegenüber katholisch.de, dass Aust in den 1990er Jahren "Kontakte" in die rechtsextreme Szene hatte, die er damals aus seelsorglicher Motivation geknüpft habe. Heute gebe er selbst zu, dass er die Mittel dabei unklug gewählt habe. Von seinen Kontakten in die Szene habe er sich inzwischen "ganz klar" distanziert und er bedaure diese Vergangenheit. Für die Petrusbrüder seien diese Geschichten von vor über 20 Jahren "erledigt", so Reiner.

Gedenkstein von polnischen Rechtsextremen beschmiert

Der Gedenkstein selbst ist inzwischen Opfer von Vandalismus geworden. Mutmaßlich polnische Rechtsextreme haben mit weißer und roter Farbe auf den Stein "Deutsche raus!" geschrieben. Der BJDM wiederum distanzierte sich in einer Pressemitteilung von dem Denkmal. Die Idee dazu sei von einem einzelnen Mitglied des Bundes "im Alleingang" initiiert worden und nicht mit dem Vorstand abgesprochen worden. Aus der Angelegenheit würden "mit Sicherheit" Konsequenzen gezogen.

Der AfD-Abgeordnete Protschka erklärte gegenüber dem Berliner "Tagesspiegel", ihm sei nicht bewusst gewesen, dass möglicherweise auch der NPD-Nachwuchs für das Denkmal gespendet habe. "Ich will nichts mit den Vollidioten zu tun haben", so Protschka wörtlich. Er habe die Errichtung des Gedenksteins nur unterstützt, weil sein Urgroßvater "immer noch vermisst" werde. Historiker Wagner, der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten ist, hat laut eigener Auskunft inzwischen Anzeige gegen die Initiatoren und Sponsoren des Denkmals erstattet und den Staatsschutz eingeschaltet.

Von Steffen Zimmermann