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Standpunkt

Der "synodale Weg" schürt Erwartungen, die nicht erfüllbar sind

Durch die inhaltliche Ausrichtung des "synodalen Wegs" wurden Erwartungen geschürt, die nicht erfüllbar sind, kommentiert Benjamin Leven. Seiner Ansicht nach hätte sich die Kirche in Deutschland besser ein Beispiel an Australien nehmen sollen.

Von Benjamin Leven |  Bonn - 03.12.2019

Benjamin Leven

Mit seiner Zustimmung zur Satzung des "synodalen Wegs" hat sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) Ende November de facto von der selbst gesetzten Bedingung verabschiedet, an dem Projekt nur teilnehmen zu wollen, wenn an dessen Ende verbindliche Beschlüsse stehen. Aufgrund der Kritik aus Rom und aus den eigenen Reihen hat die Bischofskonferenz unter der Führung von Kardinal Reinhard Marx fast alles aus dem Regelwerk gestrichen, was im Sinne einer kirchenrechtlichen Verbindlichkeit hätte verstanden werden können.

Das ist nur folgerichtig, denn die Deutschen möchten über Fragen diskutieren, von denen man in Rom meint, dass sie nur weltkirchlich entschieden werden können – oder, dass über sie schon abschließend entschieden worden ist. Die Alternative wäre gewesen, sich auf die Themen zu konzentrieren, für die man nach den derzeitigen Regeln tatsächlich zuständig ist. Das kirchliche Gesetzbuch sieht die Möglichkeit vor, auf dem Gebiet einer Bischofskonferenz ein sogenanntes Plenarkonzil abzuhalten, das konkrete Leitungs- und Gesetzgebungsgewalt besitzt. Papst Franziskus hat erst im vergangenen Jahr der katholischen Kirche in Australien die Genehmigung gegeben, als Reaktion auf die Missbrauchskrise ein solches Konzil abzuhalten. Am Ende dieses Konzils werden Gesetze stehen, die für die australische Kirche kirchenrechtlich verbindlich sind. Es geht also.

In Deutschland hat man sich anders entschieden. So wurden Erwartungen geschürt, die nicht erfüllbar sind. Denn ist es wirklich realistisch, zu glauben, ausgerechnet von Deutschland könne ein revolutionärer Funke ausgehen, der zu einem weltkirchlichen Paradigmenwechsel führt? Zudem gibt es ja auch hierzulande Katholiken, die einen solchen Paradigmenwechsel gar nicht wollen. So besteht die Gefahr, dass der "synodale Weg" bloß die existierenden Spaltungen weiter vertieft. Und da man lieber über Grundsätzliches als über Praktisches diskutieren will, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die konkreten Auswirkungen am Ende recht überschaubar sein werden.

Von Benjamin Leven

Der Autor

Benjamin Leven ist Redakteur der "Herder Korrespondenz".

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