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Standpunkt

2019 war nicht so schlecht wie gedacht!

Alle guten Vorsätze und Hoffnungen für 2019 haben sich nicht erfüllt? Ganz so einfach ist es nicht, findet Claudia Nothelle. Sie empfiehlt Differenzierung und einen Perspektivwechsel – auch mit Blick auf die Kirche.

Von Claudia Nothelle |  Bonn - 31.12.2019

Prof. Dr. Claudia Nothelle lehrt Fernsehjournalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Goodbye 2019. Was hatten wir für Hoffnungen in Dich gesetzt. Alles sollte anders, sollte besser werden. Fridays for future steckte im wahrsten Sinne des Wortes in den Kinderschuhen. Ein Superwahljahr sollte Erfolge für die Demokratie bringen. Und die Kirche suchte nach einem Ausweg aus der Krise. Der "synodale Weg" war noch nicht in Sicht. Aber alles sollte besser werden.

Jetzt wäre Platz für den üblichen Stoßseufzer. Was ist nur daraus geworden. Die Kinder beschimpfen ihre Großeltern. Die Demokratie macht es uns nicht einfach. Und der "synodale Weg" hat viele Kritikerinnen und Kritiker, bevor wir überhaupt starten. Und dann können wir ähnliche Vorsätze für das neue Jahr aufschreiben. The same procedure as every year. Und wir ahnen, was wir heute in einem Jahr zusammentragen könnten.

Goodbye 2019. Was hatten wir für Hoffnungen in Dich gesetzt. Und was ist daraus geworden? Kein gesellschaftliches, kein unternehmerisches, kein persönliches Handeln mehr, ohne die Klimafrage im Blick zu haben. Den komplizierten Wahlergebnissen zum Trotz: Die Demokratie lässt sich nicht klein kriegen. Und Laien und Bischöfe machen sich gemeinsam auf einen Weg, der sicher kein Spaziergang wird.

Nein, es geht nicht um die rosarote Brille. Auch nicht um Zwangsoptimismus. Was wichtig ist: Menschen, Ereignisse und Zusammenhänge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Also genau dahin zu schauen, wo etwas schiefläuft – und das auch klar und deutlich zu benennen. Aber auch wahrzunehmen, wo etwas aufbricht und sich bewegt. Und daraus – wenn möglich - Hoffnung zu schöpfen.

Kein neues Jahr ist das unbeschriebene Blatt, das der leere Kalender so gern vorgaukelt. Eigentlich wissen wir längst, was auf der Agenda steht. Klima. Demokratie. Kirche. Die Themen ändern sich nicht so schnell, das sind alles eher Aufgaben für einen Marathon. Und dennoch: Silvester bietet die Chance zumindest für einen Perspektivwechsel. Kraft tanken. Vertrauen und Zuversicht für all die Wege, die vor uns liegen. Vertrauen, dass wir "von guten Mächten wunderbar geborgen" sind, dass Er die Wege mit uns geht. Und dann: Welcome 2020. Was setzen wir für Hoffnungen in Dich.

Von Claudia Nothelle

Die Autorin

Prof. Dr. Claudia Nothelle lehrt Fernsehjournalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal, ist Aufsichtsratsvorsitzende des ifp (Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses) und Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.