Gestatten? Mein geliebter Sohn!
Schwester Regina Greefrath über das Sonntagsevangelium

Gestatten? Mein geliebter Sohn!

Der erste Eindruck zählt: Dafür kleiden wir uns sorgfältig, polieren unseren Lebenslauf und präsentieren uns von unserer besten Seite. Ausgerechnet der Sohn Gottes aber legt keinen beeindruckenden ersten Auftritt hin. Schwester Regina Greefrath geht der so ganz anderen Vorstellung Jesu nach.

Von Sr. Regina Greefrath CSA |  Essen - 11.01.2020

Impuls von Schwester Regina Greefrath

"Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe." Mit diesen sparsamen Worten stellt Gott seinen Sohn Jesus bei dessen Taufe der Öffentlichkeit vor. Über Jesu Kindheit erfahren wir – wie auch bei den anderen Evangelisten – nur sehr wenig.

Wir wissen von Matthäus, dass Josef aus dem Geschlecht Davids stammt und dass Jesus ein Kind des Heiligen Geistes ist, dessen Geburt schon Jesaja angekündigt hatte. Wir wissen, dass die Sterndeuter die Größe des kleinen Kindes erkannt hatten und dass Herodes es töten lassen wollte, weil er um seine Macht fürchtete. Wir wissen, dass Josef mit Maria und Jesus nach Ägypten geflohen war, um Herodes zu entkommen und dass Herodes daraufhin alle Kleinkinder ermorden ließ, um das eine Kind zu töten. Wir wissen, dass Jesus später in Nazaret aufwuchs und dass Johannes der Täufer ihn vorstellte als einen, der stärker ist als er selbst.

"Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe." Dies sagt uns recht wenig über das, was Jesus eigentlich ausmacht. Wenn wir jemanden kennenlernen, stellen wir uns in der Regel mit unserer Herkunft, unserem Beruf, unseren Hobbies vor. Ein Arbeitgeber schaut sich vor einem Bewerbungsgespräch die Lebensläufe der Bewerber an und überprüft Ausbildung, Qualifikation und Referenzen. Der Sohn ist nervös, wenn er seinen Eltern zum ersten Mal die Freundin vorstellt. Denn der erste Eindruck zählt. You never get a second chance to make a first impression!

Gott handelt bei der Erstvorstellung seines Sohnes so ganz anders als wir es nach unseren menschlichen Maßstäben gewohnt sind.

In der "Karrierebibel" finden sich Tipps für das richtige Vorgehen, wenn man sich seinem Gegenüber vorstellen möchte. Drei Dinge sollte man demnach tunlichst vermeiden:

Erstens: Endlose Monologe – sie langweilen den Gegenüber und machen ihn stumm. Gott fasst sich sehr kurz. Er stellt Jesus lediglich als seinen geliebten Sohn vor, an dem er Freude hat. Zweitens: Selbstbeweihräucherung – zu viel Eigenlob macht unsympathisch. Gott prahlt nicht mit seinem Sohn. Er schweigt über Jesu Weisheit, über seine Fähigkeit, Wunder zu vollbringen und Menschen für seine Botschaft zu begeistern. Er macht keine Aussagen über die Sendung Jesu. Drittens: Vorgespieltes Interesse am Gegenüber – das wird schnell durchschaut. Gott hat echtes Interesse an den Menschen. Sonst wäre er nicht in Jesus Mensch geworden, um die Menschen zu erlösen.

Genau wie zu Jesus sagt Gott auch zu jedem Christen bei der Taufe: "Du bist mein geliebtes Kind!" Diese Zusage steht am Anfang unseres Glaubensweges – ganz ohne Ermahnungen oder Erwartungen. Diese Zusage Gottes sollten wir uns immer wieder zu Herzen nehmen und aus ihr leben.

Von Sr. Regina Greefrath CSA

Evangelium nach Matthäus (Mt 3,13-17)

Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir?

Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf.

Und siehe, da öffnete sich der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.

Die Autorin

Schwester Regina Greefrath CSA gehört dem Orden der Augustiner-Chorfrauen an. Sie unterrichtet am klostereigenen Gymnasium die Fächer katholische Religion und Spanisch und engagiert sich in der AG Berufungspastoral der Orden (AGBO).

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.