Oberstes Gericht hebt vorhergehendes Urteil auf

Netflix-Satire über schwulen Jesus darf doch wieder gezeigt werden

Aktualisiert am 10.01.2020  –  Lesedauer: 

Brasilia ‐ Eine Filmkomödie sei nicht in der Lage, "die christlichen Werte zu schwächen, deren Existenz mehr als 2.000 Jahre zurückreicht": Die heftig umstrittene Netflix-Satire über einen schwulen Jesus darf nach einem neuen Urteil weiter gezeigt werden.

  • Teilen:

Kehrtwende im Streit um eine Netflix-Satire mit einem homosexuellen Jesus: Das Oberste Gericht von Brasilien hat die Verbreitung des heftig umstrittenen Films nun doch erlaubt. Es kassierte damit die Entscheidung einer unteren Instanz in Rio de Janeiro, die am Mittwoch die Verbreitung des Films vorläufig untersagt hatte.

Nicht in der Lage, "die christlichen Werte zu schwächen"

Wie brasilianische Medien am Freitag berichteten, erklärte der zuständige Richter Antonio Dias Toffoli, eine Filmkomödie sei nicht in der Lage, "die christlichen Werte zu schwächen, deren Existenz mehr als 2.000 Jahre zurückreicht". Die katholische Vereinigung Centro Dom Bosco hatte die Klage gegen die Serie eingereicht.

Der Film mit dem Titel "Die Erste Versuchung Christi" einer brasilianischen Produktionsfirma war am 3. Dezember veröffentlicht und hatte scharfen Protest bei konservativen Politikern und christlichen Kirchen hervorgerufen. Sie zeigt, wie Jesus nach 40 Tagen Fasten in der Wüste mit seinem Freund Orlando nach Hause kommt, wo Joseph und Maria eine Party zu seinem 30. Geburtstag geplant haben. Zu Weihnachten wurde der Sitz der Produktionsfirma in Rio mit Molotovcocktails beworfen.

Der texanische Bischof von Tyler, Joseph Strickland, hatte auf Twitter Kritik geäußert: "Habe gerade Netflix abbestellt. Hatte eh keine Zeit, es zu nutzen - aber Gotteslästerer verdienen nicht einen Penny Unterstützung." Auch der Bischof von Palmares in Brasilien, Henrique Soares da Costa, übte scharfe Kritik an dem Film. Er sei "ein Schlag ins Gesicht aller Christen", schrieb der Bischof auf Facebook. Er rief die Gläubigen dazu auf, ihre Netflix-Abos zu kündigen. Zudem fand eine Online-Petition gegen den Film mehr als zwei Millionen Unterstützer. (tmg/KNA)