Frankreich: Pädophilem Ex-Kleriker Preynat drohen acht Jahre Haft
Auch Kardinal steht vor Gericht

Frankreich: Pädophilem Ex-Kleriker Preynat drohen acht Jahre Haft

Er sei kein Mann der Kirche, sondern ein Mann außerhalb der Gemeinschaft, pädophil, pervers – mit diesen Worten begründete die Staatsanwältin ihren Antrag. Durch den Fall des laisierten Priesters Preynat wird auch ein Kardinal schwer belastet.

Lyon - 18.01.2020

Im Missbrauchsprozess um den französischen laisierten Kleriker Bernard Preynat hat der Staatsanwalt eine achtjährige Haftstrafe gefordert. Der Fall sorgt auch deshalb für Schlagzeilen, weil sich Kardinal Philippe Barbarin, Erzbischof von Lyon, wegen Nichtanzeige Preynats vor der französischen Justiz verantworten muss. "Vor sich haben Sie nicht einen Mann der Kirche, sondern einen Mann außerhalb der Gemeinschaft, pädophil, pervers", sagte Staatsanwalt Dominique Sauves laut Medienberichten am Freitag während seines Plädoyers in Lyon. Dies sei ein "erschütternder" und "beängstigender" Fall, der eine "entschiedene strafrechtliche Antwort" verlange. Das Urteil in dem Prozess wird am 16. März verkündet.

Der ehemalige Seelsorger der Pfadfinder in Sainte-Foy-les-Lyon gab während des Prozesses zu, zahlreiche Jungen in den 80er- und 90er-Jahren sexuell missbraucht zu haben. Er habe lange gebraucht, um zu erkennen, wie verwerflich seine Taten gewesen seien, sagte er im Prozess. Er habe zwar gewusst, dass er Verbotenes tat. "Aber ich dachte überhaupt nicht an die Folgen für die Opfer", räumte der Angeklagte ein. "Es ist nicht leicht, jemandem zu sagen: Ich bin ein Pädophiler", so der frühere Geistliche. Ein französisches Kirchengericht hatte ihn bereits im Juli aus dem Klerikerstand entlassen.

Der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, bei einem Gottesdienst im Jahr 2016.

Der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, bei einem Gottesdienst im Jahr 2016.

Im Fall des 69-jährigen Barbarin spricht ein Berufungsgericht am 30. Januar das Urteil. Im März 2019 hatten die Richter den Kardinal zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil er Preynat nicht bei der französischen Justiz angezeigt hatte, obwohl er von den Übergriffen erfahren habe. Der Kardinal legte Berufung ein, bot Papst Franziskus jedoch seinen Rücktritt an.

Franziskus lehnte ab. Angesichts der Schwierigkeiten, die das Erzbistum Lyon im Moment durchlebe, habe der Papst dem Erzbischof die Entscheidung selbst überlassen, hieß es damals. Barbarin selbst erklärte, Franziskus habe gewusst, dass bei einer eingelegten Berufung gegen ein Urteil wieder die Unschuldsvermutung für den Angeklagten gelte. Er selbst entschied sich daraufhin dafür, sich "für eine gewisse Zeit zurückzuziehen". Im Juni 2019 ernannte der Papst dann den früheren Bischof von Evry-Corbeille-Essonnes, Michel Dubost, zum Apostolischen Administrator des Erzbistums Lyon.

Im November vergangenen Jahres berichteten mehrere französische Zeitungen auch über Missbrauchsvorwürfe gegen Babarin selbst. Zwischen 2006 und 2012 solle er einen ehemaligen Seminaristen sexuell belästigt haben, heißt es im Nachrichtenmagazin "L'Obs". (gho/KNA)

Linktipp: Nach Vertuschung: Jetzt auch Missbrauchsvorwürfe gegen Barbarin

Weil er Missbrauchsfälle nicht angezeigt hatte, war der Lyoner Kardinal Philippe Barbarin zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Nun gibt es Vorwürfe gegen ihn, die über Vertuschung hinausgehen.