Marx: Keine zu schnellen Ergebnisse bei Synodalem Weg erwarten
Reformdebatte solle aber "nicht im Nirgendwo enden"

Marx: Keine zu schnellen Ergebnisse bei Synodalem Weg erwarten

Rund eine Woche vor der ersten Plenarsitzung des Synodalen Wegs hat Kardinal Reinhard Marx sich in einem Interview zum bevorstehenden Reformprozess geäußert. Er spricht darin unter anderem über das Thema Frauenbeteiligung und -weihe, die priesterliche Lebensform – und die Reformmöglichkeiten einer Teilkirche.

Bonn/München - 22.01.2020

Kardinal Reinhard Marx hat davor gewarnt, zu schnelle Ergebnisse beim Synodalen Weg zu erwarten. "Man kann nicht erwarten, dass wir in Deutschland in zwei Jahren alle Antworten auf theologische Fragen finden, die seit Generationen diskutiert werden", sagte er in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit den deutschen Bistumszeitungen. "Die Kirchengeschichte ist voll von Ereignissen, bei denen es am Ende keine Lösung gab, sondern erst in 20, 30 oder 100 Jahren." Der Synodale Weg wolle die Kirche nicht neu erfinden. "Aber wir haben das Notwendige und Mögliche zu erkennen und dann zu tun. Wir können nicht ausweichen und die Situation schönreden", so der Kardinal. "Der Synodale Weg soll nicht im Nirgendwo enden, sondern am Ende möglichst klare Ergebnisse oder Voten haben. Und wenn zwei Drittel der Bischöfe Dingen zustimmen, die bei uns in Deutschland geregelt werden können, werden diese das dann wohl auch umsetzen." Rom sei nicht die Weltkirche, die universale Kirche bestehe in und aus Teilkirchen.

Frauen müssten bei kirchlichen Entscheidungen wirkliche Mitverantwortung tragen, forderte Marx weiter. "Ich kann mir in Zukunft nicht vorstellen, dass bei einer Synode 200 Männer zusammensitzen und alleine über die Kirche beraten. Das ist nicht gut", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. "Warum soll nicht am Ende des Synodalen Weges ein Vorschlag stehen, dass Synoden auf Weltebene oder auch auf nationaler Ebene die Laien und besonders die Frauen stärker berücksichtigen, nicht nur als Berater, sondern auch mit einer Stimme?", fragte er. "Wollen wir in Zukunft Bischofskonferenzen, wo nie Frauen oder überhaupt Laien präsent sind? Wir wollen nicht im geschlossenen Kreis über die Zukunft der Kirche reden."

"Noch nicht das erreicht, was man erreichen müsste"

Gegen eine Weihe von Frauen spreche jedoch eine Aussage von Johannes Paul II. "Ich kann nicht erkennen, wie man ein so starkes lehramtliches Zeichen überwinden kann", sagte Marx. "Die Diskussion darüber halte ich aber für nicht beendet." Darüber hinaus rief er dazu auf, Entscheidungen in der Kirche transparenter zu machen, indem Macht geteilt und beispielsweise durch "Verwaltungsgerichtsbarkeit und Nachprüfbarkeit von Entscheidungen" kontrolliert werde. "Das ist alles im Ansatz im jetzigen Recht da. Aber da ist noch nicht das erreicht, was man erreichen müsste", betonte der Kardinal.

Bei der Frage nach der priesterlichen Lebensform hoffe er auf ein Klima, "in dem man offen überlegen kann, was wir gemeinsam tun können, damit die Gestalt des Priesters wieder neu leuchtet, die durch die Missbrauchstäter so beschädigt wurde". Dabei gehe es auch um die priesterliche Ehelosigkeit: "Der Zölibat ist aber – denke ich – nicht so gedacht, dass Priester alleine in großen Pfarrhäusern leben und sich aus dem Kühlschrank versorgen. Man muss diese Lebensform einbetten in ein soziales Miteinander, eine Lebenskultur entwickeln. Es geht um eine ganzheitliche Berufung und nicht nur um einen Verzicht auf Sexualität", sagte Marx weiter. "Es wäre sehr traurig, wenn es nur darum ginge, wann wir den Zölibat abschaffen. Ich will ihn jedenfalls nicht abschaffen!" Schon bei der Amazonas-Synode im Oktober sei aber darüber diskutiert worden, ob man über Ausnahmen vom Zölibat neue Wege zum priesterlichen Dienst eröffnen könne.

Die erste Plenarversammlung des Synodalen Wegs findet vom 30. Januar bis zum 2. Februar in Frankfurt am Main statt. Bischöfe, Priester und Laien diskutieren über Macht und Gewaltenteilung, Sexualität und Partnerschaft, Priesterliche Lebensformen und Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche. Der Reformprozess der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken ist auf zwei Jahre ausgelegt. (cbr)