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Standpunkt

Synodaler Weg: Diskutieren außerhalb der eigenen "Bubble"

Der Synodale Weg ist unbequem. Schon durch die Sitzordnung findet sich mancher in ungewohnter Nachbarschaft wieder. Genau das sei die Chance, den Weg zum Erfolg zu bringen, kommentiert Pia Dyckmans. Orientierung könne dabei auch ein bekannter Ordensgründer geben.

Von Pia Dyckmans |  Bonn - 04.02.2020

Als Zuschauerin des Synodalen Wegs aus der Ferne wirkt es so, als hätten ein paar Teilnehmer am Wochenende eine Art Kulturschock bekommen. 230 Mal katholische Kirche Deutschland mit all ihrer Varianz in einem Raum vereint — ein Realitätscheck für alle Beteiligten.

Ich will hier gar nicht von Lagern sprechen, ob jemand progressiv, gemäßigt oder konservativ ist. Ich will auch gar nicht davon sprechen, zu welchen Ergebnissen der Synodale Weg kommen muss, oder von all der Kritik und Hoffnung, die vorab oder währenddessen laut wurden. All das steht auf einem anderen Blatt. Ich möchte hier von Begegnung und Auseinandersetzung sprechen. Allein, dass manch einer aufgrund der Sitzordnung gefühlt nicht unter Seinesgleichen sitzt, sondern neben jemand Fremden und dass beide sich über zwei Jahre hinweg miteinander auseinandersetzen müssen, erscheint mir schon nach der ersten Sitzung als ein unfassbarer Gewinn und zwar für alle Beteiligten.

Ignatius von Loyola, Ordensgründer der Jesuiten, schrieb in seinen Vorbemerkungen im Exerzitienbuch, man müsse die Meinung des anderen retten. Nicht nur auf politischer Ebene ein Zitat, das aktueller nicht sein könnte, sondern gerade für den Synodalen Weg erscheint es mir sehr passend. Ignatius fordert für eine gelingende Kommunikation eine wohlwollende Haltung zueinander und eine Art Vertrauensvorschuss. Damit die Gesprächspartner sich auf einander einlassen und verstehen können, müsse man vorurteilsfrei sich anhören und vom Besten, "vom guten Sinn" ausgehen. Für den Synodalen Weg könnte das heißen, verschiedene Positionen und vor allem aber auch Argumente hören und erst einmal die Gründe zu hinterfragen, statt sie gleich als zu modern, zu weit von der Lehre entfernt oder zu konservativ abzutun.

Am Ende könnte man beim Anderen durchaus fruchtbare Elemente für die eigene Position entdecken und vielleicht sogar zu einer Art Konsens kommen. Doch dafür muss man sich auf den Anderen, auf das Unbekannte einlassen und sich auch außerhalb der eigenen "Bubble" inhaltlich austauschen. Vor meinem inneren Auge sehe ich ein "Valerie und der Priester"-Format, das nicht nur zwei Menschen bewegt, sondern vielleicht die Kirche in Deutschland.  

Von Pia Dyckmans

Die Autorin

Pia Dyckmans ist Presse- und Öffentlichkeitsreferentin der Jesuiten in Deutschland und Schweden.

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