Kölner Generalvikar: Studie zu Missbrauch wird Namen nennen
Auch Kardinal Woelki werde vorab nicht über Inhalte unterrichtet

Kölner Generalvikar: Studie zu Missbrauch wird Namen nennen

Die Untersuchung nenne Namen von Erzbischöfen über Generalvikare bis zu Personalverantwortlichen: Schon bald wird die Missbrauchsstudie des Erzbistums Köln vorgestellt. Doch die Inhalte bleiben bis dahin geheim – auch vor höchster Stelle.

Köln/Bonn - 12.02.2020

Die Ergebnisse einer unabhängigen Untersuchung zu Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln sollen am 12. März veröffentlicht werden. Das sagte der Kölner Generalvikar Markus Hofmann der "Kölnischen Rundschau" und dem Bonner "General-Anzeiger" (Mittwoch). Vorab werde niemand über die Inhalte unterrichtet - auch Kardinal Rainer Maria Woelki nicht. "Das ist ganz strikt vereinbart, damit die Unabhängigkeit gewahrt und dokumentiert ist." Die Untersuchung werde Namen nennen "von den Erzbischöfen über die Generalvikare bis zu den Personalverantwortlichen".

Ende 2018 hatte das Erzbistum seine Akten aller bekannten Fälle von sexualisierter Gewalt für eine unabhängige Untersuchung zur Verfügung gestellt. Damit beauftragt ist eine Münchner Kanzlei. Ursprünglich sollten die Ergebnisse im Herbst 2019 bekannt gegeben werden. Die Aufarbeitung nahm laut Erzbistum mehr Zeit in Anspruch als gedacht.

Mögliche Forderungen nach Rücktritten nachvollziehbar

Hofmann erklärte, die Anwälte prüften unter anderem, ob gegen staatliches und kirchliches Recht verstoßen worden sei. Strafrechtlich relevante Fälle würden an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Wenn sich persönliche Schuld herausstelle, könne er mögliche Forderungen nach Rücktritten verstehen. "Aber wir müssen jeden einzelnen Fall genau analysieren." Differenziert bewerten müsse man Fälle, die zwar aus heutiger Sicht falsch behandelt worden seien, in denen aber nach damaliger Kenntnislage kein schuldhaftes Vorgehen vorgelegen habe.

Ende Januar hatte der ehemalige Personalchef des Erzbistums Köln, Robert Kümpel, früheren Verantwortlichen und sich selbst einen zu laxen Umgang mit Missbrauchstätern vorgeworfen. "Ich hätte mich stärker dafür einsetzen müssen, dass wir viel strikter und konsequenter gegen diese Täter vorgehen", sagte der ehemalige Domkapitular. Im Rückblick mache er sich heute diesen Vorwurf. "Ich denke, dass wir in vielen Punkten anders hätten handeln können", fügte Kümpel hinzu. Er war von 1984 bis 1996 Personalchef des Erzbistums, später Regens im Priesterseminar und zeitweise auch Ansprechpartner für Betroffene von sexuellem Missbrauch.

Im September 2018 hatten die deutschen Bischöfe die Ergebnisse einer bundesweiten Studie veröffentlicht. Ein beauftragtes Forscherteam hatte in den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 Hinweise auf insgesamt 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden. Für das Erzbistum Köln verzeichnete die Untersuchung 135 Betroffene und 87 Beschuldigte. Im Zuge dieser Veröffentlichung hatte Kardinal Woelki eine eigene Untersuchung angekündigt, die auch die Rolle der Personalverantwortlichen des Erzbistums klären soll. (tmg/KNA)