An die Grenzen gehen
Schwester Veronica Krienen über das Sonntagsevangelium

An die Grenzen gehen

Oft reicht schon ein Moment des Innehaltens im Alltag, um uns an die eigenen Grenzen zu bringen. Dort wartet das Ich mitsamt seinen drängenden Fragen. Schwester Veronica Krienen hilft dann der Blick auf Jesus: Denn der kennt die richtige Strategie aus eigener Erfahrung.

Von Sr. Veronica Krienen OSB |  Köln - 29.02.2020

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Impuls von Schwester Veronica Krienen

An die Grenzen gehen ist in, manche laufen Marathon, andere pilgern hunderte Kilometer zu Fuß. Auch Jesus zeigt sich heute als Grenzgänger in einer Extremsituation.

Spannend ist, wohin die Wüstenübung ihn und uns innerlich führen kann. Wir bekommen es vielleicht nicht mit dem Teufel zu tun, aber mit uns selbst und wie Jesus mit seltsamen Gedanken und ganz neuen Fragen.

Bei uns "Normalos" können die auch schon auftauchen, wenn wir mal die Pause-Taste drücken, um uns neu zu sortieren, zum Beispiel in der Fastenzeit mit sieben Wochen ohne oder sieben Wochen mit, oder wenn wir nach einer intensiven Feier mit einem Kater in den Alltag zurückzufinden versuchen; wenn eine Veränderung zur Standortbestimmung zwingt, eine neue Arbeit, ein neuer Wohnort, ein Freund, der sich verabschiedet hat, oder auch wenn der Alltag allzu vorhersehbar geworden ist und immer mehr nervt.

All diese Situationen sehen zwar wenig spektakulär aus, aber innerlich können sie an Fragen und Themen heranführen, die sonst im gut laufenden Betrieb der Alltage nicht in den Vordergrund treten.

Ähnlich dem, was Jesus passiert ist, kann es da vorkommen, dass ich mich auf einmal schwach fühle, frustriert bin, das Gefühl habe, nicht genug zu bekommen, und sich die Frage stellt, wie ich es mir beschaffen kann. Oder ich fühle mich ziemlich weit weg von Gott, wünsche mir, er würde mir seine Gegenwart beweisen, er würde mich mal ganz handgreiflich auffangen und auf Händen tragen.

Manchmal nagt nicht der Zweifel an Gott, sondern an mir selbst: Bin ich eigentlich jemand oder völlig unwichtig, bin ich groß oder klein, werde ich gehört, habe ich Macht, Einfluss oder wie könnte ich ihn mir verschaffen?

Damit mich diese inneren Stimmen nicht aus der Spur tragen, und ich in solchen Lebensfragen eine gute Richtung behalte, ist ein Blick auf Jesus hilfreich.

Seine Strategie ist, sich auf die Grundlage seines Lebens zu besinnen und sich bewusst auf sein Lebensfundament zu stellen. Jesus vergewissert sich, was für ihn fraglos gilt, und von dort aus kann er den Versuchungen begegnen.

Jesu Standort ist fest in Gott gegründet, Jesus zeigt, wie es gehen kann, aus dem Vertrauen auf Gott zu leben.  In seiner Orientierung an Gottes Wort findet Jesus die Antwort auf die Frage nach Sinn und Wert seines Lebens. Von Gott her empfängt er seine Identität und vor ihm allein ist er bereit sich zu beugen. Das schützt ihn und uns an allen Grenzen, an die das Leben uns führt.

Von Sr. Veronica Krienen OSB

Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 4,1-11)

In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 

Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. 

Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. 

Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen. 

Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.

Die Autorin

Sr. Veronica Krienen OSB lebt als Benediktinerin in Köln. Die Psychologin arbeitet im Edith-Stein-Exerzitienhaus und in der Ausbildung des Ordensnachwuchses.

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