Schachfigur
Standpunkt

Das Rotationsprinzip hilft den zerstrittenen Bischöfen nicht weiter

Sollte der DBK-Vorsitz durch ein Turnusverfahren statt Wahl bestimmt werden? Joachim Frank hält davon nichts. Zwar sei die Bischofskonferenz so zerstritten wie selten zuvor. Es brauche deshalb aber nicht weniger Führung – sondern eine andere.

Von Joachim Frank |  Bonn - 03.03.2020

Auf solch eine Idee sind nicht mal die basisdemokratisch beseelten Grünen gekommen: Die Parteisprecher (Vorsitzende durften sie in den Anfängen natürlich partout nicht heißen) sollten gar nicht erst gewählt werden, weil Mehrheiten Macht verleihen. Vielmehr solle der Posten einfach reihum von einem Landes-Sprecher an den nächsten weitergegeben. Das Rotationsprinzip in Vollendung. Ungefähr darauf läuft die Idee von Bischof Rudolf Voderholzer (Regensburg) hinaus, den Vorsitz der Bischofskonferenz künftig für jeweils drei Jahre von einem Erzbischof an den anderen weiterzureichen.

Die Diagnose, die hinter diesem Vorschlag steht, ist richtig: Die Bischofskonferenz ist zerstritten wie selten zuvor. Selbst in der Krise um die Schwangerenkonfliktberatung waren die Risse nicht so dramatisch, die Verletzungen so tief wie heute.

Aber Voderholzers Therapie ist falsch: Gerade in einer so kritischen Situation kommt dem Vorsitzenden (den Titel wollte ihm selbst Voderholzer belassen) besondere Bedeutung zu – und umso wichtiger ist, dass er mit breiter Zustimmung seiner Mitbrüder agieren kann. Die Suche nach einer Basis der Repräsentation sollte man nicht als "Politisierung" abtun, sondern als Bemühen um Legitimation und um breiten Konsens – gerne unter Führung des Heiligen Geistes, aber nicht ohne Sinn und Gespür für unumgängliche Konflikte. Zwar kennt die katholische Kirche eine ganze Reihe wichtiger Ämter, deren Legitimation aus einer anderen Quelle fließt als aus dem demokratischen Prinzip der Mehrheit. Dass aber bei der Weihe (um ein Beispiel zu nennen) die für ein Amt erforderlichen Fähigkeiten nicht automatisch – gleichsam "ex opere operato" – mitverliehen werden, das wird schlechterdings niemand bestreiten.

Nach dem Verzicht von Kardinal Reinhard Marx auf eine zweite Amtszeit ist nicht weniger Führung gefragt, aber vielleicht eine andere. Müßig, sich noch länger über Fragen zu Marx' Kommunikations- und Leitungsstil zu verbreiten. Am Tag der Wahl seines Nachfolgers geht der Blick nach vorn – und fällt unweigerlich auf den Synodalen Weg. Niemand muss ihn mögen, aber gehen müssen ihn Bischöfe und Laien – ohne irreführende Euphorie, aber auch ohne abschätzige Kleingeisterei. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat dazu Beachtenswertes gesagt: "Über manche laute, lieblose und erschreckend maßlose Kritik an unserem Weg kann ich nur den Kopf schütteln." Und: "Man kann konträre Positionen aussprechen, ohne den Respekt voreinander und vor dem Glauben des anderen zu verlieren."

Angesichts der starken Fliehkräfte in divergierende Richtungen braucht der neue Vorsitzende vor allem eine Qualität, die aus den Reden Jesu bestens vertraut ist: Er muss ein "guter Hirte" sein – und zwar weniger im Selbstbild als in der Außenwahrnehmung. Darüber aber entscheidet gewiss kein vorbestimmter Turnus, kein Amtszyklus. Darüber entscheiden die, die es betrifft. Und solange die Gläubigen nicht direkt gefragt werden, sind das die am Grab des heiligen Willigis zu Mainz versammelten deutschen Bischöfe.

Von Joachim Frank

Der Autor

Joachim Frank ist Chefkorrespondent des "Kölner Stadt-Anzeiger" und der "Mitteldeutschen Zeitung". Außerdem ist er Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP). Die GKP verleiht mit der Deutschen Bischofskonferenz und dem Katholischen Medienverband alljährlich den Katholischen Medienpreis.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.