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Standpunkt

Wie die Kirche retten? Zurück zu den Wurzeln!

Wie die Kirchenbänke wieder vollkriegen, wie die Menschen für den katholischen Glauben neu begeistern? Andreas Püttmann ist überzeugt: Man muss die Kirche weder zum Museum machen noch neu erfinden – und hat dazu eigene Erfahrungen gemacht.

Von Andreas Püttmann |  Bonn - 12.03.2020

Eine Antwort im Interview mit Pater Josef Schulte von Sankt Ludwig in Berlin hat mich besonders "angesprungen". Auf den erfreulichen Zulauf zu seiner Sonntagsmesse um Zwölf angesprochen, sagte er: "Ich beschränke mich auf das genuin Biblische, rede über existenzielle Fragen. Das heißt, ich verhandele am Sonntag nicht das, was besser in den Zeitungen steht. Mir geht es darum, den Sinn des Lebens zu vermitteln." In einem Moment unserer Kirche, in dem kritische Beobachter ihr einen "Totalschaden" zuschreiben und eine Gottesfinsternis sich auszubreiten scheint, sind diese drei Sätze sicher ein guter Wegweiser.

Sie erinnern mich an den Priestertag des Bistums Görlitz im letzten Jahr. Die Befunde der MHG-Studie erschütterten, die Kirchenaustrittszahlen schnellten hoch. In der Messe zu Beginn fragte Bischof Wolfgang Ipolt, an was wir uns eigentlich halten könnten in einer beschämten, verunsicherten Kirche. Ein Teil seiner Antwort prägte sich mir ein: treu und andächtig das Kirchenjahr begehen; die Lesungen des Tages auf sich wirken lassen, die Tagesheiligen ehren, die Sakramente empfangen, sich einschwingen in den uralten Rhythmus der Buß- und Festzeiten der weltweiten Kirche – und mit den eigenen Gaben Gutes tun.

"Back to the basics" könnte man die Devisen von Pater Josef und Bischof Wolfgang zusammenfassen. Man muss die Kirche dafür weder zum Museum machen noch neu erfinden. Ein gewisser Gestaltwandel und eine demütige Lernbereitschaft gehören ebenso zu ihrer Pilgerschaft durch die Geschichte wie der Respekt vor der Tradition als dem Glaubenszeugnis früherer Christengenerationen, das man nicht mal eben abräumt wie eine Weihnachtsdeko, wenn es an der Zeit ist.

Ich versuche "genuin Biblisches" und "existenzielle Fragen" aus den Tageslesungen zumindest sonntags bei Twitter einzuspeisen, indem ich das dort auch vertretene Schott-Messbuch retweete, einen Bibelvers daraus hervorhebe und kurz kommentiere. Schwierig in nur 280 Zeichen, aber meistens geht's. Bei meiner pluralen "Twittergemeinde" wird das sicher von mehr "säkularen" Menschen gelesen als von überzeugten Christen. Dafür ist die Resonanz aber gar nicht schlecht. Auch viele Kirchenskeptiker spüren wohl: Im Kern ist das Christentum gute Botschaft, heute vielleicht sogar rettend gegen grassierenden Egoismus, Ängste, Rassismus und Hass. So kann neue Offenheit wachsen. Der Puls unserer Kirchen in Deutschland mag sich derzeit schwach anfühlen. Ihre Mission bleibt groß.

Von Andreas Püttmann

Der Autor

Andreas Püttmann ist Politikwissenschaftler und freier Publizist in Bonn.

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