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Standpunkt

Corona sollte unsere Kirche zusammenführen statt spalten

Statt in der Corona-Krise zusammenzuhalten, zeigten sich die Gräben in der Kirche derzeit deutlicher denn je, kritisiert Tobias Glenz. So notwendig wie die Absage aller öffentlichen Gottesdienste seien nun Kreativität und Einheit.

Von Tobias Glenz |  Bonn - 18.03.2020

Es ist traurig: Während in Zeiten der Corona-Krise eigentlich ein größtmöglicher Zusammenhalt geboten wäre, treten die Gräben in unserer Kirche noch einmal deutlicher zu Tage als ohnehin schon. Auf einschlägigen katholischen Internetplattformen ist nicht nur zu lesen, dass die Pandemie eine "Strafe Gottes" für den Glaubensabfall der Gesellschaft sei. Auch wird dort die Absage von Gottesdiensten und Schließung von Kirchen auf das Schärfste kritisiert. Die Argumentation geht dabei so weit, dass es "unmöglich" sei, sich durch die gottgegebene Eucharistie oder das nun vielerorts fehlende Weihwasser mit dem Virus zu infizieren.

Dass dem nicht so ist, sollte selbst dem gläubigsten Katholiken einleuchten. Immerhin hat Gott den Menschen nicht nur Sakramente und Sakramentalien an die Hand gegeben, sondern auch einen Verstand, um in Krisenzeiten die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Dass unsere Bistümer das öffentliche kirchliche Leben weitestgehend zurückfahren, ist zweifelsohne die richtige Entscheidung, um einer Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken. "Leicht gemacht" – wie von manchem Kritiker behauptet – haben sich das die Verantwortlichen auf Diözesanebene ganz gewiss nicht.

Die Kirche müsse jedoch noch mehr Antworten auf die Krise haben, als nur ihre Gottesdienste und Veranstaltungen abzusagen, lautet eine weitere Kritik. Doch das hat sie bereits: Umgehend schufen die Bistümer Möglichkeiten, um täglich Gottesdienste über die neuen und alten Medien von zu Hause aus mitzufeiern. Es organisieren sich über die verschiedenen Social-Media-Kanäle Gebets- und Andachtsgruppen, die gemeinsam ihren Glauben feiern. Hinzu kommen Aktionen von Katholiken mit starker Symbolkraft auch an die Nicht-Gläubigen: etwa wenn das Erzbistum Köln täglich die Glocken läutet oder ein Pfarrer seine Gläubigen aufruft, jeden Abend eine Kerze im Fenster zu entzünden.

Von einem mangelnden Engagement kirchlicherseits kann also keineswegs die Rede sein. Doch es braucht auch weiterhin kreative Ideen, wie Kirche in Zeiten der Pandemie gelebt werden kann. Sicher ist nämlich, dass uns die Krise auch in den kommenden Wochen und Monaten vor große Herausforderungen stellen wird – was unser höchstes Fest Ostern miteinschließt. Und dafür ist – allen Gräben in unserer Kirche zum Trotz – weniger polemische Kritik als vielmehr Einheit und Zusammenhalt vonnöten.

Von Tobias Glenz

Der Autor

Tobias Glenz ist Redakteur bei katholisch.de.

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