Ein Richter
Nach dutzendfachen Übergriffen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt

Ex-Priester Preynat legt Berufung gegen Missbrauchsurteil ein

Dutzende Kinder missbraucht – und einen Großteil dieser Taten vor Gericht zugegeben: Der aus dem Klerikerstand entlassene Bernard Preynat will die gegen ihn verhängte Haftstrafe von fünf Jahren dennoch nicht akzeptieren.

Paris - 19.03.2020

In Frankreich hat der ehemalige Priester Bernard Preynat Berufung gegen ein Urteil wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger eingelegt. Das bestätigte sein Anwalt Frederic Doyez gegenüber der französischen Zeitung "La Croix" (Donnerstag). Der 75-Jährige war am Montag von einem Gericht in Lyon zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte mindestens acht Jahre Haft gefordert.

Dem ehemaligen Seelsorger wird vorgeworfen, in den 80er und 90er Jahren Dutzende Kinder sexuell missbraucht zu haben. Die Verhandlungstage in dem Prozess hatten bereits Mitte Januar stattgefunden und für großes öffentliches Aufsehen gesorgt. Preynat gab während des Prozesses einen Großteil seiner Taten zu und bat die Opfer um Verzeihung. Die katholische Kirche hatte ihn wegen der Taten bereits im Juli aus dem Klerikerstand entlassen.

Im Zusammenhang mit dem Fall Preynat hatte sich in den vergangenen Monaten auch der langjährige Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin (69), vor der französischen Justiz verantworten müssen. Ende Januar wurde er in einer Berufungsverhandlung in zweiter Instanz vom Vorwurf der Nichtanzeige sexueller Übergriffe freigesprochen. Sein Amt als Erzbischof legte Barbarin trotz des Freispruchs in die Hände des Papstes, um ein neues Kapitel für die Erzdiözese Lyon zu ermöglichen, die er seit 2002 geleitet hatte. Am 6. März nahm der Papst das Rücktrittsangebot Barbarins an. (KNA)