Schachfigur
Standpunkt

Der Synodale Weg braucht mehr als ein Diskutieren "auf Augenhöhe"

Wie lässt sich erreichen, dass der Synodale Weg fruchtbringend wird, fragt sich Gudrun Lux – und nicht zu einer Art Selbstbeschäftigung ohne Strahlkraft verkommt? Es brauche Mut, die Dinge nicht nur "anzudenken", kommentiert sie.

Von Gudrun Lux |  Bonn - 15.06.2020

Im Gespräch mit Freundinnen und Freunden, die den Synodalen Weg begleiten, teils wie ich als Mitglieder der Synodalversammlung, wird eine Sorge immer wieder deutlich: Dass das Ganze zu einer Art Selbstbeschäftigung ohne Strahlkraft verkommt. "Wir führen Scheingefechte", resümierte eine. Sind nicht alle Argumente ausgetauscht, teils seit Jahrzehnten? Ist es nicht so, dass die Debattenführerinnen und -führer kein Jota ihrer Position aufgeben werden?

Am Ende, mag man meinen, stehen Mehrheitsbeschlüsse, die aber der Minderheit entgegenkommen dürften, um eben mehrheitsfähig zu sein. Soll heißen: Damit die klaren Reformerinnen und Reformer auch die gemäßigten Reformer unter den Bischöfen (kein generisches Maskulinum übrigens, sondern immer noch ein spezifisches) mitnehmen, werden sie sich auf Kompromisse einlassen. Schauen wir uns das mal an einem Beispiel an:

Wird am Ende etwa die Bitte stehen, die Option zu prüfen, Frauen zu ständigen Diakoninnen zu weihen – aber bitte irgendwie als Extrading (als Weihe light, oder Weihe sui generis), damit da nicht etwa die Gefahr besteht, das mit der "echten" Weihe von Männern zu verwechseln und – horribile dictu – dem Weg zum Frauenpriestertum Tür und Tor zu öffnen? Dann wäre für den ein oder anderen vermutlich klar, dass die Synodalversammlung schismatisch ist. Für manche auf der anderen Seite des Spektrums wiederum wäre das als weichgespülte Kompromissformel kaum noch zu ertragen.

Was können wir dieser Dystopie entgegensetzen? Wie wird der Synodale Weg zu einem kraftvollen Zeichen? Wie kann der Synodale Weg im besten Sinne fruchtbringend sein? Wie kommen wir zu einem aufrichtigen Perspektivwechsel? 

Wir brauchen dafür auf jeden Fall eins: Mut, wirklich Dinge anzupacken und zu verändern, statt sie nur "anzudenken" und "auf Augenhöhe" zu diskutieren. Was also können wir tun, dass am Ende mehr steht als "Schön, dass wir darüber geredet haben"? Wie werden wir eine Kirche voller Strahlkraft, die sich für die Würde jedes einzelnen Menschen in seiner Gottesebenbildlichkeit einsetzt und die mit ihren Worten und Werken, mit ihrem eigenen Sein und Tun eben dafür einsteht? Trauen wir uns was! Oder mit Paulus (und Karl Rahner) gesprochen: Löscht den Geist nicht aus!

Von Gudrun Lux

Die Autorin

Gudrun Lux ist Stadträtin in München, Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und der Synodalversammlung des Synodalen Weges. Von dieser wurde sie in das Synodalforum "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" entsandt.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.