Ein Flüchtling vor einer Berliner Kirche.
Wegen Prozesses gegen Benediktiner-Äbtissin Mechthild Thürmer

Jesuiten-Flüchtlingsdienst sieht Kirchenasyl in Gefahr

Weil sie Kirchenasyl gewährt hat, droht der Äbtissin Mechthild Thürmer eine Haftstrafe. Der Leiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes sieht in dem Prozess auch eine Gefahr für das Kirchenasyl selbst – und wünscht sich deutlichere Worte der Kirche.

Köln/Bonn - 04.08.2020

Der Leiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes, Pater Claus Pfuff, sieht durch den Prozess gegen die Benediktiner-Äbtissin Mechthild Thürmer das Kirchenasyl in Gefahr. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) habe 2015 in einer Vereinbarung gesagt, dass die Tradition des Kirchenasyls selbst nicht in Frage gestellt werden solle. "Was sind diese Vereinbarungen wert, die in den letzten Jahren ausgehöhlt wurden, die einfach auf verschiedene Weise immer wieder versucht wurden, abzuschaffen?", sagte Pfuff dem Kölner "Domradio" am Dienstag.  

In den vergangenen Jahren habe das BAMF versucht, Menschen im Kirchenasyl als untergetaucht zu deklarieren und dadurch das Asylverfahren auf 18 Monate zu erhöhen, so Pfuff. Wichtig sei nun zu klären, wie es um die Vereinbarungen zum Kirchenasyl stehe und die Rolle der Kirche mit ihrer Schutzfunktion gegenüber Menschen zu definieren, die ungerecht behandelt würden.  

Das Kirchenasyl habe für die Kirche eine lange Tradition und komme schon im Alten Testament vor. "Es hat immer wieder Orte gegeben, wo Verfolgte einfach Zuflucht gefunden haben. Man muss wissen: Auch Kirchenasyl wird nicht leichtfertig durchgeführt, sondern es geht hier um Härtefälle", sagte PfuffZiel sei es, "ein faires Asylverfahren und eine soziale Unterstützung zu bekommen"Der Jesuit betonte zudem, "dass der Umgang mit Asylverfahren in der EU ja auch sehr ungleich ist".

"Die Kirchen sind relativ ruhig"

Die Kirche habe in solchen Verfahren die Betroffenen mit einem rechtlichen Beistand begleitet und unterstützt. Trotzdem würde er eine lautere Stimme der Amtskirche begrüßen, so Pfuff. "Klar muss man sagen, die Kirchen sind relativ ruhig. Ich würde mir da auch deutliche Worte wünschen." Allerdings gehe es manchmal auch darum zu schauen, was das Beste für die Personen im Kirchenasyl ist.  

Mutter Mechthild, die Äbtissin von Kloster Kirchschletten im Erzbistum Bamberg, ist der Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt angeklagt. Ein Verhandlungstermin wurde mit Blick auf zwei weitere Ermittlungsverfahren Ende Juli kurzfristig abgesagt. Das Bamberger Amtsgericht hatte in einem Schreiben mitgeteilt, dass sie "im Falle einer entsprechenden dreifachen Verurteilung mit der Verhängung einer empfindlichen Freiheitsstrafe zu rechnen" habe. Deshalb legte das Gericht ihr nahe, mit Blick auf eine mögliche Aussetzung dieser Strafe zur Bewährung ihr Verhalten zu überdenken und die aktuelle Beherbergung einer Asylbewerberin aufzugeben. Die Äbtissin kündigte an, weiterhin am Kirchenasyl festhalten zu wollen. "Es geht um Menschenleben, um die Zukunft junger Menschen", sagte die Ordensfrau. Diese könne sie im konkreten Fall nicht opfern, nur weil sie selbst sich in einer juristischen Auseinandersetzung befinde. "Das ist doch kein Schachspiel." Auch Kurienkardinal Michael Czerny hatte das Verhalten der Ordensfrau gewürdigt. (cbr)