Medien: Vatikan bestätigt Willen zu neuem Abkommen mit China
Kardinal Parolin äußert sich erstmals offiziell zur Erneuerung

Medien: Vatikan bestätigt Willen zu neuem Abkommen mit China

Nun scheint es offiziell zu sein: Der Vatikan wird sein umstrittenes Abkommen mit China über Bischofsernennungen erneuern. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin soll dies laut Medienberichten bestätigt haben.

Rom - 14.09.2020

Der Vatikan und China beabsichtigten beide, das vorläufige Abkommen zur Ernennung von Bischöfen zu verlängern. Das sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin laut Medienberichten am Montag am Rande einer Pressekonferenz mit Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte in Rom. Parolin bestätigte, dass die am 22. September 2018 unterzeichnete Vereinbarung Anfang Oktober abläuft.

Damit äußerte sich der Vatikan erstmals offiziell zu einer möglichen Erneuerung des umstrittenen Abkommens. Vergangene Woche bereits hatte in Peking der Sprecher des Außenministeriums auf die Frage eines Journalisten geantwortet: "Dank der konzertierten Bemühungen beider Seiten konnte das Interimsabkommen über die Ernennung von Bischöfen zwischen China und dem Vatikan seit seiner Unterzeichnung vor rund zwei Jahren erfolgreich umgesetzt werden." Man wolle es erneuern.

In dem Abkommen, dessen Text bislang nicht öffentlich gemacht wurde, vereinbarten der Heilige Stuhl und die Volksrepublik einen Modus zur Ernennung von Bischöfen und Errichtung von Diözesen. Demzufolge werden die Kandidaten von der chinesischen Religionsbehörde ausgesucht und vom Papst ernannt.

Kardinal Zen: "Verrat" der Katholiken in China

Die Ernennung von Bischöfen durch den Papst ist eines der wesentlichen Strukturmerkmale der katholischen Kirche. Die Regierung in Peking hingegen sieht solche Entscheidungen als rein innerchinesische Angelegenheit und verbittet sich jede ausländische Einmischung. Der frühere Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen, kritisierte die Vereinbarung mehrfach als "Verrat" der Katholiken in China. Andere Experten urteilten differenzierter; angesichts der Situation in der Volksrepublik habe der Vatikan kaum eine andere Chance. Die chinesische Parteizeitung "Global Times" berichtete bereits Anfang August, der Vatikan wolle das vorläufige Abkommen mit der Volksrepublik erneuern.

Schätzungen zufolge sind 9 bis 10 Millionen der knapp 1,4 Milliarden Einwohner der Volksrepublik China Katholiken. Eine große Besonderheit des chinesischen Katholizismus ist die Teilung in zwei Gruppierungen: Neben einer regimenahen und staatlich zugelassenen "Patriotischen Vereinigung" gibt es die sogenannte Untergrundkirche in erklärter Gemeinschaft mit dem Papst. Seit 1951 unterhalten der Vatikan und China keine offiziellen diplomatischen Beziehungen mehr. In den vergangenen Jahrzehnten war es wegen vom chinesischen Staat beeinflussten Bischofsernennungen und der Verfolgung der papsttreuen Untergrundkirche immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem kommunistischen Land gekommen. Das vorläufige Abkommen gilt daher als historischer Meilenstein der chinesisch-vatikanischen Beziehungen. (tmg/KNA)

UPDATE: Kardinal Parolin: China-Abkommen soll vorläufig bleiben

Sollte das Abkommen des Vatikan mit China über die Ernennung von Bischöfen bis Anfang Oktober erneuert werden, hätte dies nach Aussage von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin wieder nur vorläufigen Charakter. "Wir beabsichtigen, dieses Abkommen mit der Formel 'ad experimentum' zu verlängern", so Parolin in einem Interview mit der Zeitung "Il Messaggero" (Dienstag). Damit wolle man "wie bisher den weiteren Weg zur Einheit der Kirche in China evaluieren".

Angesprochen auf die Kritik an dem Ende September 2018 geschlossenen Abkommen räumte Parolin ein, dass es wenig Verbesserungen im Verhältnis der Kirche zum kommunistischen Staat gegeben habe. "In diesen zwei Jahren hat es Probleme gegeben", so der Kardinal, "aber es wurde eine wichtige Richtung eingeschlagen, die es wert ist, verfolgt zu werden." Ein "Diskurs zur Zusammenarbeit" habe immer seinen Wert, "auch in Bezug auf ein großes Land wie China". (KNA)