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Bischof Timmerevers' Äußerungen zur Queer-Pastoral kamen überraschend

Die Äußerungen von Bischof Timmerevers zur Queer-Pastoral ließen Ludwig Ring-Eifel aufhorchen. Damit knüpfe der Oberhirte an ein Schreiben des Papstes an. Er findet: Daran könne sich der Synodale Weg ein Beispiel nehmen – ohne mit der kirchlichen Lehre zu brechen.

Von Ludwig Ring-Eifel |  Bonn - 30.09.2020

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Wie oft war in diesen Monaten zu lesen, die Corona-Krise verändere auch die Kirche! Nun kommt aus Sachsen eine Nachricht, die aufhorchen lässt – und die wohl auch ein Ergebnis der Corona-Pause des dortigen katholischen Bischofs ist. Denn die Entschleunigung des kirchlichen Funktionärslebens und die Entschlackung der Sitzungs-Kultur eröffnet Freiräume zum Nachdenken und – wenn man sie sinnvoll nutzt  – zu mehr seelsorgerischen Begegnungen im Format eins zu eins.

Bischof Heinrich Timmerevers sagte: "Ich will mir mehr Zeit für Einzelbegegnungen und Gespräche nehmen. Ich nehme wahr, dass die Menschen sich sehr nach Seelsorgern sehnen, die sich Zeit nehmen und sich ihnen zuwenden." Ein Ergebnis dieser Begegnungen scheint seine Öffnung für die "Gruppe schwul-lesbischer-transsexueller Christen" zu sein, die er angekündigt und mit der Ernennung von zwei Seelsorgern eigens für diese Gläubigen institutionalisiert hat. (Vor Jahrzehnten hat Bischof Franz Kamphaus Ähnliches in Frankfurt getan und Gottesdienste für Schwule und Lesben ermöglicht, aber darüber sprach man damals nicht öffentlich.)

Dass Timmerevers seine neue Queer-Pastoral offen ankündigt, wäre undenkbar ohne das Papstschreiben "Amoris laetitia" von 2016, das eine Offenheit der Gemeinden für Menschen in "irregulären Situationen" fordert. Seinerzeit war das meist mit Blick auf Geschiedene gedeutet worden, die wieder geheiratet haben. Doch der Bischof von Dresden-Meißen hat erkannt, dass der Text zu mehr taugt. Damals schrieb der Papst: "Man muss jedem Einzelnen helfen, seinen eigenen Weg zu finden, an der kirchlichen Gemeinschaft teilzuhaben (…). Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums! Ich beziehe mich (…) auf alle, in welcher Situation auch immer sie sich befinden."

Wer hinter diesen Worten eine Änderung der kirchlichen Sexualmoral vermutet, irrt freilich. Denn weiter schreibt der Papst: "Selbstverständlich kann jemand, wenn er eine objektive Sünde zur Schau stellt, als sei sie Teil des christlichen Ideals, oder wenn er etwas durchsetzen will, was sich von der Lehre der Kirche unterscheidet, nicht den Anspruch erheben, Katechese zu halten oder zu predigen." Vielleicht könnte nach Timmerevers‘ Beispiel auch der Synodale Weg, wenn er sich an "Amoris laetitia" orientiert, beim Thema Sexualität weitere pastorale Lösungen finden, die ohne Bruch mit der kirchlichen Lehre möglich sind.

Von Ludwig Ring-Eifel

Der Autor

Ludwig Ring-Eifel ist Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

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