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Standpunkt

In der Synodalität Papst Franziskus beim Wort nehmen

Hat Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz dem Synodalen Weg den Todesstoß versetzt? So simpel ist es nicht, kommentiert Joachim Frank. Schließlich lasse sich mit großen Prämissen allein nicht nur kein Staat, sondern auch keine Kirche machen.

Von Joachim Frank |  Bonn - 27.11.2020

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Da hat er's dem "Synodalen Weg" aber mal so richtig gegeben! Manche meinen gar, Papst Franziskus habe dem Reformprozess in Deutschland den Todesstoß versetzt, als er in seiner wöchentlichen Generalaudienz "mit großer Traurigkeit" über Gemeinschaften klagte, die guten Willens den falschen Weg einschlügen und dächten, sie könnten die Kirche so gestalten, als wäre sie eine politische Partei.

Man konnte das Feixen förmlich mitlesen, mit dem Vertreter der reformunwilligen Minderheit auf dem Synodalen Weg diese Zitate des Papstes unter den Synodalen kursieren ließen. Aber halt! Minderheit? Mehrheit? Die einen so, die anderen so? War es nicht genau dieses Denken "wie in einer Firma", wogegen sich der Papst am Mittwoch gewandt hatte?

Man muss Franziskus beim Wort nehmen, um festzustellen, dass es so simpel, wie es klingt, nun auch wieder nicht ist. Wo würde die Kirche landen, wenn es nicht mehr auf Mehrheiten ankäme? Als erstes könnte Franziskus die nächste Bischofssynode im Oktober 2022 absagen. Weil über "eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation und Mission" (so das Thema) ja nicht abgestimmt werden könnte. Das nächste Konklave mit der Wahl des neuen Papstes fiele auch flach.

Mit Gebet und Predigt, Nächstenliebe und der heiligen Messe als den vier Grundkoordinaten des kirchlichen Lebens allein ist halt nicht nur kein Staat zu machen, sondern auch keine Kirche. Es sei denn, der Weg der Kirche in die Zukunft würde ausgewürfelt. Kirchen-Bingo mit freundlicher Unterstützung des Heiligen Geistes.

Wenn man den Papst mit seinem geistlichen Koordinatensystem ernst nimmt, dann bildet es den Rahmen oder die Matrix, innerhalb derer gemeinsam über die Zukunft der Kirche nachgedacht, gestritten und am Ende auch entschieden wird. Weht in einer vermeintlich geistlosen Synodalversammlung womöglich doch der Heilige Geist, wenn dort jemand aufsteht, von Diskriminierungserfahrungen als Transgender in der Kirche berichtet und damit die Zuhörenden aufrüttelt? Ist ein solcher Moment nicht geisterfüllter, als wenn ein Kardinal und etliche Bischöfe theologisch uninspirierte Das-war-schon-immer-so-das-hat’s-noch-nie-gegeben-Vermerke aus der Aktentasche ziehen und zu Protokoll geben?

Man mag es dem Papst nachsehen, dass er sich im Vatikan mit all seinen Parteiungen, Seilschaften, Grüppchen und Fraktionen vom "Marktplatz" absetzen will, von der Politik und der Gesellschaft da draußen. Es ist der alte Reflex, die Kirche als heiles Gegenbild zu malen, als ein ort- und zeitloses Elysium. Doch die Kirche Jesu Christi ist keine solche Utopie. Sie will auf Erden gelebt und gestaltet werden.

Von Joachim Frank

Der Autor

Joachim Frank ist Chefkorrespondent des "Kölner Stadt-Anzeiger" und der "Mitteldeutschen Zeitung". Außerdem ist er Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP). Die GKP verleiht mit der Deutschen Bischofskonferenz und dem Katholischen Medienverband alljährlich den Katholischen Medienpreis.

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