Reinhard Hauke ist seit Oktober 2005 Weihbischof im Bistum Erfurt.
Bild: © KNA
Coronavirus habe "neue Barrieren" entstehen lassen

Deutsche Bischöfe: Auf Belange behinderter Menschen in Pandemie achten

Für Menschen mit Behinderung ist die Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung. Die deutschen Bischöfe rufen dazu auf, sie nicht aus den Augen zu verlieren – und fordern "Fantasie und Mut, Miteinander und Menschlichkeit zu ermöglichen".

Bonn/Bamberg - 02.12.2020

Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am Donnerstag machen die deutschen Bischöfe auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie aufmerksam. In einem Grußwort bezeichnet der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke das Jahr 2020 als in besonderer Weise herausfordernd. "Dort, wo wir Barrieren schon für abgebaut hielten, hat ein Virus neue Barrieren für Menschen mit Behinderung entstehen lassen: Familien, Freunde und alle, die sich um Menschen mit Behinderungen sorgen, können nur eingeschränkt miteinander in Kontakt treten."

Vielerorts hätten Menschen weiterhin Angst um ihre Gesundheit, um die Arbeit und um das Leben, so der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für die Seelsorge für Menschen mit Behinderungen. "Und auch zum diesjährigen Weihnachtsfest werden wir uns nicht so nahe sein können, wie wir es uns wünschen."

In dieser Zeit könne die weihnachtliche Botschaft Hoffnung schenken, so Weihbischof Hauke. Zugleich dankte er den Fachkräfte, Helferinnen und Helfern, die weiterhin schwierige Wege auf sich nähmen, um Menschen in Krankheit und Not beizustehen.

Schick: Ein blinder Mensch kann nicht auf Abstand achten

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sieht Menschen mit Behinderung während der Corona-Pandemie in einer besonders heiklen Situation. "Sie gehören zu den besonders vulnerablen Gruppen und können ohne Kontakte zu anderen Menschen nicht leben", sagte Schick am Mittwoch. Zwar seien die Verhaltensregeln für alle Menschen hart, aber wie solle etwa ein Blinder auf die 1,5 Meter Abstand achten, so Schick.

Zudem könnten viele Frauen und Männer mit Behinderung allein nur schwerlich oder überhaupt nicht die Wohnung verlassen, weil sie auf Alltagsassistenzen angewiesen seien, die aktuell viele Leute kaum leisten könnten oder wollten, so der Erzbischof weiter. Zu Recht stehe der Schutz von Risikogruppen vor Infektion im Vordergrund. Dies berge aber die Gefahr, dass Menschen mit Behinderung abgeschottet und vergessen würden.

Es brauche Fantasie und Mut, Miteinander und Menschlichkeit zu ermöglichen und gleichzeitig alle Hygienevorschriften einzuhalten. "Außerdem möchte ich gerade unsere Mitmenschen mit Behinderung dazu ermutigen, trotz aller Hindernisse nicht zu resignieren und auch selbst für ein soziales und solidarisches Miteinander einzutreten", sagte Schick.

Zudem rief der Erzbischof dazu auf, Behinderte nicht als homogene Gruppe wahrzunehmen. Deswegen unterstütze er das Bundesteilhabegesetz (BTHG). Dies solle erreichen, dass für jeden Menschen mit Behinderung ein individueller Hilfeplan erstellt werde, orientiert an dessen jeweiligen Bedürfnissen. "Zu den Bedürfnissen unserer Mitmenschen gehört mehr als eine abgesenkte Bordsteinkante", betonte Schick. (mal/KNA)