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Standpunkt

Papstkummer über Deutschland

Abtpräses Jeremias Schröder sieht eine zunehmende Distanz zwischen Vatikan und Deutschland. Das zeigten nicht nur Franziskus' jüngste Äußerungen zum Synodalen Weg. Auch die Antwort auf eine Petition deutschsprachiger Ordensleute sei eine schnippische Abfuhr.

Von Jeremias Schröder OSB |  Bonn - 08.12.2020

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Die Äußerungen von Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 25.11. waren ja hier schon Thema. Schon schade, dass dem Papst ausgerechnet Deutschland einfällt, wenn er sich spontan einen Kummer von der Seele reden will!

In der Audienz deutete er an, dass Entscheidungen auf Grund von Mehrheit ein Problem sind. Dieses Problem mit bürgerlichen Mitspracheformen wirft vielleicht auch ein Licht auf einen anderen Vorgang. Letztes Jahr schrieben 38 deutschsprachige Ordensobere der Benediktiner direkt an den Papst, um ihr Unbehagen über neue Normen für die Ausbildung von Nonnen darzulegen: die Regeln sind schwer anwendbar und auch ungerecht, denn sie behandeln die Nonnen strenger als Mönche. Der Papst überließ die Antwort dem gleichen Kurienmann, der schon die ursprüngliche Verordnung herausgebracht hatte. Und der ließ die Oberen inzwischen wissen, dass sie den Sinn des Regelwerks wohl nicht verstanden hätten; und dass sie die Gleichbehandlung ja herbeiführen könnten, indem die Männerklöster sich freiwillig an die strengeren Normen hielten. Eine schnippische Abfuhr.

Vielleicht mag der Papst solche Petitionsschreiben nicht. Es hapert aber auch am gegenseitigen Verstehen. Frauenthemen werden hier offensiver angesprochen als im Vatikan. Einiges, was hierzulande als Errungenschaft gilt – kirchliche Steuerfinanzierung, soziale Marktwirtschaft, technokratische Effizienz – wird in Rom eher kritisch beäugt.

Eine atmosphärische Eintrübung zwischen Deutschland und dem Papst ist nicht das Ende der Welt, solange vernünftige Bischöfe ernannt werden. Auch die spanischen Katholiken müssen seit einigen Jahren mit skeptischen Papstäußerungen zurechtkommen. Diejenigen Deutschen, die von Amts wegen mit dem Vatikan zu tun haben, werden als Brückenbauer gebraucht, die am gegenseitigen Verständnis arbeiten, damit aus dem Kummer kein Schmerz wird.

Von Jeremias Schröder OSB

Der Autor

Jeremias Schröder OSB ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.

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