Ein Diakon spendet einem Brautpaar bei der Trauung in der Kirche Sankt Maria und Clemens in Bonn den Segen.
Buch über Segnungen für Paare, die nicht kirchlich heiraten können oder wollen

Autoren: Können Partnerschaften nicht auf das Ehe-Sakrament begrenzen

Was passiert, wenn Paare ihre Beziehung unter den Segen Gottes stellen wollen, eine kirchliche Trauung aber nicht möglich ist? Ein Buch stellt Abläufe für Segnungsfeiern zusammen, die in der Praxis so gefeiert werden. Im katholisch.de-Interview sprechen zwei der Autoren über ihre Beobachtungen.

Von Christoph Brüwer |  Bonn/Würzburg - 07.01.2021

Nicht für alle Paare ist eine katholische Trauung möglich oder erwünscht, etwa für Beziehungen zwischen homosexuellen Menschen, Paare, bei denen ein Partner zivil geschieden lebt und vorher kirchlich verheiratet war, oder solche, die sich (noch) nicht für das Sakrament entschieden haben. Die Arbeitsgemeinschaft "Paare.Riten.Kirche" hat unterschiedliche liturgische Beispiele für Segnungsfeiern gesammelt, analysiert und als Buch veröffentlicht. Im Interview sprechen die Autoren David Walbelder von der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung (AkF) und Lucia Lang-Rachor, Leiterin der Abteilung Erwachsenpastoral im Bistum Würzburg, über ihre Deutungen und ein bischöfliches Vorwort.

Frage: Was war der Grund dafür, dass Sie das Buch geschrieben haben?

Walbelder: Wir machen die Erfahrung, dass sehr viele Paare, die nicht kirchlich heiraten dürfen oder wollen, sich an die pastoralen Mitarbeitenden vor Ort wenden und nach einem Segen fragen. Wir haben daher die Arbeitsgemeinschaft "Paare.Riten.Kirche" gegründet und wollten sammeln, was es bereits zu dem Thema gibt. Wir wussten, dass es an vielen Orten Menschen gibt, die pastoral und liturgisch klug mit den Anfragen, die sie erhalten, umgehen – aber es fehlte das Überblickswissen, was wo schon stattfindet. Die Sammlung haben wir zuerst nur intern genutzt, dann kam aber irgendwann die Idee: Dieses Wissen muss eigentlich möglichst vielen zur Verfügung stehen.

Lang-Rachor: Das Thema Segensfeiern für Paare ist schon seit längerer Zeit sehr virulent und es ist an der Zeit, dass wir endlich gemeinsam tätig werden und weiterkommen, weil es nicht mehr geht, Partnerschaften nur auf eine sakramentale Eheschließung zu begrenzen. Wir haben gesehen: Wenn wir mit den zuständigen Entscheidungsträgern in der Kirche in Kontakt treten wollen, dann müssen wir denen etwas Konkretes vorlegen.

Frage: In den vergangenen Monaten sind schon andere Bücher mit Entwürfen und Vorschlägen für Segnungsfeiern für homosexuelle Paare erschienen. Warum war es überhaupt notwendig, dass Sie noch ein Buch geschrieben haben?

Walbelder: Die bisherigen Veröffentlichungen liefern viele Entwürfe und theologische Begründungen und Reflexionen. Sie diskutieren die wissenschaftliche und lehramtliche Basis. Wir legen zu diesem Diskurs ein weiteres Puzzleteil: das Überblickswissen, welche Segnungen in der Praxis bereits stattfinden. Uns geht es nicht darum, ein Modell zu entwickeln, das wir für besonders richtig und gut halten. Der Grund für dieses Buch in einem Satz: Wenn diskutiert wird, was in dieser Frage sein soll oder darf, ist es hilfreich auch zu beobachten, wie es gerade ist.

Lucia Lang-Rachor und David Walbelder
Bild: © Privat

Lucia Lang-Rachor und David Walbelder haben gemeinsam am Buch "Paare.Riten.Kirche" gearbeitet. "Der Grund für dieses Buch in einem Satz: Wenn diskutiert wird, was in dieser Frage sein soll oder darf, ist es hilfreich auch zu beobachten, wie es gerade ist", sagt Walbelder.

Frage: Ein Priester oder Diakon kann Ihr Buch also nicht zur Hand nehmen, wenn er ein homosexuelles oder wiederverheiratet geschiedenes Paar segnen möchte und eine Vorlage dafür sucht?

Lang-Rachor: Wir können weder etwas dafür noch dagegen machen, dass das jemand tut. Das ist aber eigentlich nicht der Sinn des Buches, sondern die Zusammenstellung, was es alles gibt, und die Analyse dieser Feiern aufgrund unserer Erfahrungen. Man kann nämlich erkennen, dass die Segensfeiern beispielsweise sehr persönlich und für die jeweils eigen Situation gestaltet werden, gerade wenn sie nicht einer vorgegebenen liturgischen, sakramentalen Form entsprechen.

Frage: Welche Rückmeldung haben Sie bei der Sammlung der Modelle von pastoralen Mitarbeitern bekommen?

Lang-Rachor: Es gibt Menschen, die sagen: "Wir sind kompetent und machen das einfach", aber auch welche, die unsicher und zurückhaltend sind. Es gibt eine ganze Bandbreite zwischen großer Unsicherheit und manchmal auch etwas zu großem Selbstbewusstsein. 

Walbelder: Und genau dort nehme ich auch eine Veränderung wahr. Ausnahmslos alle haben ihr Einverständnis gegeben, dass die Beispiele publiziert werden dürfen. Das wäre vor zehn und wahrscheinlich auch vor fünf Jahren so noch nicht möglich gewesen. Einige haben uns auch gesagt: Mit diesem Modell habe ich schon mal Probleme bekommen. Jetzt können sie mit einem bischöflichen Vorwort veröffentlicht werden – alle Modelle, bis auf eines, auch mit den Klarnamen der Urheber.

Frage: Was bedeutet Ihnen das Vorwort des Essener Weihbischofs Ludger Schepers? Approbiert das die veröffentlichten Modelle?

Walbelder: Zunächst einmal zeigt es, dass das Thema ernstgenommen wird und wichtig ist. Weihbischof Schepers sagt bewusst, es ist ihm ein Anliegen, die Menschen in ihrer königlichen, prophetischen und priesterlichen Würde zu stärken und neugierig zu machen, wie Leben gelingen kann. Damit bezieht er sich explizit auf die Paare, nimmt aber auch die Priester, Diakone und pastoralen Mitarbeiter in den Blick. Dass dieses Anliegen eine kirchliche Anbindung erfährt, bedeutet auf jeden Fall etwas. Dadurch wird aber nichts approbiert oder zu einem bestimmten Beispiel Ja oder Nein gesagt.

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Frage: In Ihrem Buch geht es nicht nur um homosexuelle Paare, sondern auch um Paare, die geschieden sind und einen Segen für ihre neue Beziehung wollen oder Paare, die sich noch nicht für eine kirchliche Trauung entschieden haben. Warum haben Sie diese Gruppen zusammengefasst?

Walbelder: Menschen gehen eine Paarbeziehung ein und möchten die unter den Segen Gottes stellen. Dabei gibt es eine Gruppe, die das mit einer kirchlichen Trauung tun kann. Die, die das nicht dürfen oder wollen, tauchen häufig bei uns auf. Wir sind für alle Menschen da, die in Paarbeziehungen leben. Deswegen war es uns wichtig, alle Situationen im Buch zu berücksichtigen.

Frage: Sie haben diese Vorlagen, die bei Ihnen eingegangen sind, miteinander verglichen und analysiert. Was haben Sie dabei beobachtet?

Walbelder: Mir ist die Tendenz zu klassischen Formen besonders aufgefallen. Man könnte ja die Hypothese aufstellen: Wenn es für meine Situation kein Formular, keine fixe Form gibt und ich mit großer Kreativität und Freiheit agieren kann, nutze ich diesen Freiraum auch. Bei kirchlichen Trauungen müssen die Kolleginnen und Kollegen häufig Anfragen von Paaren ablehnen, die besonders kreative Formen, beispielsweise in einem Heißluftballon wünschen. Bei den von uns gesammelten Segnungsfeiern wäre das möglich. Über zwei Drittel der Beispiele sind aber so gedacht, dass sie in einer Kirche stattfinden sollen. Rund 90 Prozent der Beiträge sehen einen Wortgottesdienst oder eine Eucharistiefeier vor beziehungsweise verwenden deren Kernelemente, also eine klassische katholische Liturgie mit einem "pastoralen Profi", der diese leitet.

Frage: Inwiefern kann man das deuten?

Lang-Rachor: Man könnte jetzt denken, dass den Leuten nichts anderes einfällt. Das glaube ich aber nicht. Ich glaube eher, dass unsere katholischen Rituale eine gewisse Stringenz haben und nicht so altbacken sind, wie wir manchmal denken. Das könnte auch anregend für andere Rituale sein, bei denen wir uns oft nicht trauen, etwas abzuändern, damit sie auch weiterhin zeitgemäß sind. Die Paare haben in der Kirche offenbar Menschen gefunden, die trotz einer Ablehnung an bestimmten Stellen etwa wegen der Homosexualität oder Scheidung sagen: Wir feiern zusammen und wir stellen diese Beziehung unter den Segen Gottes. Die Menschen, die bei diesen Feiern gesegnet wurden, haben die Erfahrung gemacht: Es gibt in der Kirche eine Offenheit für jede Lebenssituation und ich kann um eine Segensfeier bitten, die jemand leitet, der mir persönlich als Seelsorger etwas mit auf den Weg geben kann. Es beruhigt mich, dass man in dieser Kirche immer noch solche positiven Erfahrungen machen kann.

Von Christoph Brüwer

Buchtipp:

Stefan Diefenbach, Lucia Lang-Rachor, David Walbelder, Barbara Wolf (Hg.): Paare.Riten.Kirche. Wenn eine katholische Trauung nicht möglich ist: liturgische Beispiele, gesammelt und kommentiert, Bonifatius-Verlag, Paderborn 2020.