Die Sternsinger wandern durch den Schnee zum nächsten Dorf.
Kindermissionswerk feiert 175. Geburtstag

"Die Sternsinger": Wie eine 13-Jährige Kindern in Not helfen wollte

Heute steht das Dreikönigssingen für das Kindermissionswerk "Die Sternsinger". Aber die Anfänge gehen wesentlich weiter zurück: Das Mädchen Auguste von Sartorius gründete 1846 einen Verein, um Kinder in Not zu unterstützen.

Von Rainer Nolte (KNA) |  Aachen - 02.02.2021

Die Gründung des Kinderhilfswerk "Oeuvre de la Sainte Enfance" (deutsch: Werk der heiligen Kindheit) war die Initialzündung für ein Mädchen aus Aachen. Auguste war gerade einmal 13 Jahre alt, als sie 1843 von der Initiative des französischen Bischofs Charles-Auguste-Marie-Joseph de Forbin-Janson aus Nancy hörte. Drei Jahre später, am 2. Februar 1846, tat es Auguste von Sartorius dem Bischof gleich und gründete den deutschen "Verein der heiligen Kindheit", den Vorgänger des Kindermissionswerks "Die Sternsinger".

Auch heute, 175 Jahre danach, gibt es noch die Unterstützung für Mädchen und Jungen in aller Welt unter dem Leitgedanken "Kinder helfen Kindern!". "Die großartige Geschichte unserer Gründerin Auguste zeigt: Kinder haben die Kraft, die Welt zum Guten zu verändern - gestern und heute", sagt der Präsident des Kindermissionswerks, Dirk Bingener, zum Jubiläumsjahr 2021.

Vom "Verein der heiligen Kindheit" zu den "Sternsingern"

Auguste hatte damals von der Not der Kinder in China erfahren. Privilegiert als Tochter des in Aachen praktizierenden Arztes Georg von Sartorius und ihrer Mutter Therese, die im Frauenbundvorstand eine Entbindungsstation für arme Wöchnerinnen leitete, wollte das Mädchen helfen. Zunächst war sie auf sich gestellt, fand aber schnell Unterstützung im Aachener Klerus. Der Priester Wilhelm Sartorius - nur zufällig ein Namensvetter - lenkte als Präsident die Geschicke des Vereins. Auguste führte im Hintergrund die Geschäfte, bis sie mit 25 Jahren ihr Ordensleben begann. Sie wurde später Generaloberin der Gesellschaft der Ordensfrauen vom Heiligsten Herzen Jesu und starb mit 65 Jahren in Paris.

1860 war ihr "Verein der heiligen Kindheit", oft auch "Kindheit-Jesu-Verein" genannt, in allen deutschen Bistümern verbreitet. 1922 erhob Papst Pius IX. den Verein zum Päpstlichen Werk mit dem Namen "Päpstliches Missionswerk der Kinder in Deutschland". Erst seit 1998 trägt das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" im Namen.

Sternsingen unter Corona-Bedingungen

Der Sternsinger Hannes (11) schreibt den Segenspruch "20 C+M+B 21" mit Kreide über ein Portal am Aachener Dom. Wegen der Coronavirus-Pandemie fand das Sternsingen in diesem Jahr überwiegend digital statt.

Denn das Markenzeichen des Hilfswerks wurden die Kinder, die jedes Jahr rund um das Dreikönigsfest am 6. Januar als Heilige Drei Könige verkleidet die Botschaft von Jesu Geburt zu den Menschen bringen und Spenden für Gleichaltrige in aller Welt sammeln. Im Januar 1959 fand offiziell die erste Dreikönigssingen-Aktion statt; zwei Jahre später wurde sie gemeinsam mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) durchgeführt. Die Tradition des Dreikönigssingens reicht jedoch bis in das Mittelalter zurück.

Meist schreiben oder kleben die kleinen Könige an Haustüren den mit der jeweiligen Jahreszahl verbundenen Segenswunsch "C + M + B". Die Abkürzung steht für "Christus mansionem benedicat" (deutsch: Christus segne dieses Haus). Zugleich weisen die Buchstaben auf die Namen der drei Weisen aus dem Morgenland hin, die sich nach biblischem Bericht an einem neu aufgegangenen Stern orientierten und so nach Bethlehem zum neugeborenen Jesuskind kamen. Im Volksglauben werden sie Caspar, Melchior und Balthasar genannt.

Bundeskanzlerin gratuliert dem Kindermissionswerk

Das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" hat seit Beginn des Dreikönigssingens nach eigenen Angaben mehr als 71.000 Projekte für benachteiligte Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt. 2017 knackten die Sternsinger die eine Milliarden-Euro-Spenden-Marke. Neben der Unterstützung von Hilfsprojekten zählen demzufolge auch der Einsatz für die Rechte von Kindern weltweit sowie die Bildungsarbeit zu den Aufgaben des Missionswerks. Seit 2015 ist das Sternsingen auch Unesco-Kulturerbe: Die Tradition wurde von der deutschen Kommission in die Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

"Aus dem Engagement eines einzelnen Kindes ist die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder weltweit geworden. Hunderttausende Mädchen und Jungen tragen als Sternsinger die Idee von Auguste bis heute weiter", betont Bingener. Zum Jubiläum sei ein spezielles Logo gestaltet worden, und das Hilfswerk werde mit verschiedenen Aktivitäten auf sein 175-jähriges Bestehen aufmerksam machen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte in einer Videobotschaft: "Seit 175 Jahren bringen Sie Not leidenden Kindern auf der Welt Hoffnung und Hilfe. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Jubiläum!" Das Bundesfinanzministerium hat sogar eine Sonderbriefmarke rausgebracht.

An Augustes Geburtsort startete schon zu Jahresende 2020 das Jubiläum mit dem Aussendungsgottesdienst der 63. Dreikönigssingen-Aktion im Aachener Dom - auch wenn wegen Corona die Sammelaktion nicht wie immer stattfinden konnte. Aber kreativ wurde alles daran gesetzt, weltweit Kindern zu helfen, wie Auguste von Sartorius vor 175 Jahren eine Möglichkeit dafür gesucht hat.

Von Rainer Nolte (KNA)

Bischof Bätzing gratuliert Sternsingern

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, hat dem Kindermissionswerk "Die Sternsinger" zu seinem 175-jährigen Bestehen gratuliert. Seit 175 Jahren bringe das Hilfswerk Kinder aus Deutschland in Verbindung mit Kindern in aller Welt, vor allem benachteiligten, sagte Bätzing in einer Video-Grußbotschaft auf Facebook. "Was uns verbindet, ist das wunderbare Evangelium von Jesus Christus. Und wir wollen, dass alle Menschen es hören können, dass alle Menschen etwas von seiner befreienden Kraft erleben können", so der Limburger Bischof. "Es ist wunderbar, dass es sie gibt, die Kinder im Kindermissionswerk und alle, die ihnen helfen, diesen Dienst zu tun", fügte er hinzu. "Herzlichen Glückwunsch für 175 Jahre und Gottes Segen für viele, viele weitere, die noch kommen werden." (KNA)