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Verzicht auf Gottesdienste? Kritisiert wird die Kirche sowieso

Die Entscheidungslast den Kirchen zugeschoben: Mit der "Bitte", an Ostern auf Präsenzgottesdienste zu verzichten, habe es sich die Politik einfach gemacht, kommentiert Matthias Altmann. Ohnehin sieht das Ganze für ihn nach purem Aktionismus aus.

Von Matthias Altmann |  Bonn - 24.03.2021

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Wie bereits im Vorjahr sollen die Kirchen an den Kar- und Ostertagen auf Präsenzgottesdienste verzichten und nur virtuell feiern: Waren öffentliche Gottesdienste zu Ostern 2020 tatsächlich verboten, ist es nun eine "Bitte", die Bundeskanzlerin und Länderchefs nach dem Beschluss, den Corona-Lockdown über die Osterfeiertage zu verschärfen, an die Kirche richteten. Mit dieser Nicht-Entscheidung sind Bund und Länder fein raus. Denn die Last liegt ab jetzt bei den Kirchen – und die können es eigentlich nur falsch machen. Egal, ob sie nun wirklich verzichten oder nicht: Kritisiert werden sie sowieso.

Und jetzt? Keine Frage, die pandemische Lage hat sich in den vergangenen Wochen noch einmal extrem verschlechtert. Hätte man einen Hang zum Zynismus, könnte man sogar sagen, die Ostergottesdienste wurden vergangenes Jahr bei viel niedrigeren Infektionszahlen abgesagt – und die Kirchen haben das weitestgehend klaglos mitgemacht. Doch damals war die Pandemie gerade erst frisch über die Welt hereingebrochen, über das Virus und seine Verbreitungswege war noch nicht allzu viel bekannt. Aus diesen Gründen ist das damalige Verbot öffentlicher Gottesdienste auch aus heutiger Sicht nachvollziehbar und sinnvoll. Die Kirchen waren sich ihrer Verantwortung bewusst und trugen die staatlichen Entscheidungen mit. Selbst der Vatikan hatte katholische Bischöfe und Priester angehalten, die Gottesdienste ohne Anwesenheit von Gläubigen zu feiern.

Allerdings hat sich die Ausgangssituation im Vergleich zum Vorjahr geändert. Inzwischen haben die Kirchen reichlich Erfahrung im Umgang mit Corona – und begegnen der Pandemie mit Mitteln, die sich bewährt haben. Bislang konnten dank strenger Hygienekonzepte weder ein evangelischer noch ein katholischer Gottesdienst als Infektionsherd ausgemacht werden, die Gläubigen sind zumeist verständnisvoll und verhalten sich demensprechend vorsichtig.

Ähnliche Appelle an die Kirchen wie jetzt gab es schon zu Weihnachten. Hätte sich die Politik vor Monaten schon auf eine langfristige Strategie zur Bekämpfung der Pandemie geeinigt, statt sich von einem Gipfeltreffen zum nächsten zu hangeln, bräuchte es vermutlich keine derartigen Debatten kurz vor den christlichen Hochfesten. So wirkt die Bitte der Regierung, an Ostern auf Präsenzgottesdienste zu verzichten, knapp zwei Wochen vor den Feiertagen wie purer Aktionismus. Und nach den ersten Wortmeldungen prominenter Vertreter ist es äußerst fraglich, ob die Kirchen ihr tatsächlich nachkommen.

Von Matthias Altmann

Der Autor

Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.

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Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider.