Aus einer Tür scheint ein heller Lichtstrahl
Alte und neue Erklärungsversuche für das Ostergeschehen

Verschwörungsmythen rund um Tod und Auferstehung Jesu

Die Auferstehung lässt sich nach christlichem Glauben nicht mit irdischen Kategorien verstehen. Seit jeher suchen Menschen nach Erklärungen für dieses von Gott gewirkte Geschehen. Deshalb haben sich viele Theorien und Verschwörungsmythen zu diesem Thema entwickelt. Katholisch.de gibt einen Überblick.

Von Roland Müller |  Bonn - 03.04.2021

In der Corona-Pandemie haben Verschwörungsmythen Hochkonjunktur. Denn in dieser herausfordernden Zeit sehnen sich viele Menschen nach einfachen Erklärungen. Doch Verschwörungserzählungen sind nicht nur ein Phänomen der Gegenwart – es gibt sie seit Jahrtausenden als Verbreitung von "Fake News", alternativen Fakten und vermeintlich sinnfälligeren Erklärungen von Tatsachen. Das zeigt sich auch beim Blick auf einen der zentralen Glaubensinhalte des Christentums: die Auferstehung Jesu Christi.

Bereits als kurz nach dem Tod des Gottessohnes seine Jünger die leibliche Auferweckung des Jesus von Nazareth verkündeten, wollten ihnen viele ihrer Zeitgenossen nicht glauben. Deshalb entwickelten sie und viele nachfolgende Generationen Theorien und Verschwörungsmythen darüber, was sich "wirklich" hinter dem transzendenten Ereignis der Auferstehung verborgen haben könnte. Einige dürfen durchaus ernstgenommen werden, andere gehören eindeutig ins Reich der Legenden. Katholisch.de hat die prominentesten dieser Erklärungsversuche zusammengestellt.

Jesus hat die Kreuzigung überlebt

Vor zwei Jahren hat der renommierte Historiker Johannes Fried ein Buch veröffentlicht, in dem er genau diese gewagte These vertritt: Jesus hat seine Hinrichtung überlebt. Der emeritierte Professor für Mittelalterliche Geschichte behauptet, Jesus Christus habe bei seiner Folterung eine Lungenverletzung erlitten, sei am Kreuz in eine Kohlendioxidnarkose gefallen und scheintot gewesen. Letztlich habe ihm der römische Soldat das Leben gerettet, indem er ihm laut neutestamentlichem Bericht mit einer Lanze in die Seite gestochen haben soll. Jesus sei also gar nicht gestorben, habe später das Bewusstsein wiedererlangt und sich nach einem inszenierten Begräbnis schließlich im Gebiet um den See Genezareth, in Ägypten oder Ostsyrien aufgehalten.

Seine Annahmen belegt Fried vor allem mit Passagen aus apokryphen Evangelien, also frühchristlichen Schriften, die keinen Eingang in den Kanon der Bibel gefunden haben, und Gedanken des Theologen Markion. Dieser lebte im zweiten Jahrhundert nach Christus und wurde von der Kirche als Häretiker verurteilt. Die Behauptungen Frieds und ähnlicher früherer Theorien lassen sich weder beweisen noch widerlegen, doch sie können sich nur auf eine sehr vage Quellenlage berufen. Der Neutestamentler Thomas Söding bezeichnete Frieds These daher als "Nonsens". 

Herrad von Landsberg, Hortus Deliciarum

Hat Jesus seine Kreuzigung überlebt? Diese Hypothese vertritt der Historiker Johannes Fried.

Die Jünger haben sich die Auferstehung nur ausgedacht

Auf diesen Verschwörungsmythos wird bereits in der Bibel angespielt: Wie das Matthäusevangelium berichtet, sollen die Hohepriester einige Soldaten bestochen haben, damit sie das Gerücht verbreiteten, die Jünger hätten den Leichnam Jesu aus dem Grab genommen, ihn versteckt und sich die Auferstehung ausgedacht. Besonders in der Zeit der Aufklärung hatte diese sogenannte Betrugstheorie zahlreiche Anhänger, denn die damaligen Gelehrten wollten die Geschehnisse rund um die Auferweckung Jesu rational erklären. Auch Johann Wolfgang Goethe schloss sich dieser Theorie an.

Diese Hypothese ist besonders für Menschen nachvollziehbar, die ein übernatürliches Eingreifen Gottes in die Naturgesetze der Welt durch die Auferstehung Jesu kritisch sehen. Aus diesem Blickwinkel erhält der vermeintliche Betrug der Jünger zudem einen Sinn, denn die "Erfindung" der Auferweckung bildet die Grundlage für die Verkündigung des christlichen Glaubens. Das wichtigste Argument gegen diese Hypothese ist jedoch genau dort zu finden: Die Jünger wären für diese Lüge wohl kaum bereit gewesen, ihr Leben zu riskieren und es tatsächlich hinzugeben.

Die Auferstehung war eine kollektive Vision

Im 19. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt der kritischen Bibelforschung von der Frage nach dem leeren Grab auf die in der Bibel beschriebenen Erscheinungen des Auferstandenen. Diese seien der Einbildung der Jünger Jesu entsprungen oder würden auf kollektiv erlebten Visionen beruhen, lautete nun ein bekannter Erklärungsversuch der Auferstehung. Diese subjektiven Erscheinungen hätten den Jüngern bei der psychischen Verarbeitung des Kreuzestodes Jesu und dem damit verbundenen Scheitern ihres persönlichen Glaubens an den Messias gedient. Später seien diese Erfahrungen immer weiter ausgeschmückt worden; auch die Tradition vom leeren Grab habe sich aus diesem "frommen Enthusiasmus" heraus entwickelt.

Die Visionshypothese erklärt zwar, warum die Jünger nach der Erfahrung der Auferstehung trotz großer Gefahr für die Botschaft Jesu eintraten. Doch sie kann keine Antwort auf die Frage geben, weshalb sie sich gerade die Auferweckung eines einzelnen Menschen einbildeten. Dieses Konzept war im Judentum nicht bekannt, leidglich die Auferstehung aller Gläubigen am Jüngsten Tag wurde im Alten Israel von einigen Gruppen, wie den Pharisäern, vertreten. Außerdem bleibt die These eine Begründung schuldig, auf welche Weise sich mehrere Jünger Jesu an unterschiedlichen Orten die gleichen Visionen eingebildet haben können.

Viele Menschen glauben an die Existenz von Außerirdischen. Doch war Jesus einer von ihnen?

Jemand anderes wurde an Jesu Stelle gekreuzigt

Im Christentum wird Jesus als Sohn Gottes verehrt, doch auch im Islam nimmt er eine besondere Stellung ein: Jesus gilt Muslimen als großer Prophet, der von Gott in den Himmel aufgenommen wurde. Auch wenn er nach der Lehre des Koran nicht als Gottessohn angesehen wird, wäre die Kreuzigung als entwürdigende Todesart für einen göttlichen Gesandten im Islam nicht vorstellbar gewesen. Daher wird im heiligen Buch des Islam behauptet, dass ein Mann gekreuzigt wurde, der Jesus sehr ähnlich sah. Es fand also eine Verwechselung statt, die Christus das Leben rettete.

Diese Substitutionstheorie genannte Hypothese wurde jedoch von mehreren Korangelehrten bezweifelt. So sagte der mittelalterliche muslimische Theologe Ibn 'Atiya etwa, dass über die Kreuzigung Jesu nichts Genaues feststehe. Dabei kommt die Vorstellung der Verwechselung Jesu bei seiner Hinrichtung auch im Barnabasevangelium vor, das viele christliche Grundüberzeugungen anders deutet als etwa die Kirche. Deshalb findet sich diese Schrift auch nicht in der christlichen Bibel. Freunden des schwarzen Humors wird die Substitutionstheorie ebenfalls bekannt vorkommen: Im Film "Das Leben des Brian" der britischen Komikertruppe Monty Python wird anstelle des Messias Jesus der einfache Jude Brian Cohen gekreuzigt.

Jesus war in Wirklichkeit ein Alien

Die Wahrheit ist irgendwo dort draußen! Für manche Science-Fiction-Fans und Ufo-Gläubige erklärt dieser Satz auch die Wunder Jesu, seine vom Heiligen Geist gewirkte Empfängnis und die Auferstehung. Nach dieser Verschwörungserzählung war Jesus wie die in anderen Religionen bekannten Götter ein Alien, der auf die Erde gekommen ist, um Frieden zu bringen. So glaubt etwa der Schweizer Pseudo-Wissenschaftler Erich von Däniken, dass viele in Legenden und Mythen berichteten Wunder auf Außerirdische zurückzuführen sind.

Auch die 1955 in den USA gegründete Aetherius Society vertritt diese Theorie. Die Mitglieder verstehen sich als Anhänger einer Religion, die die Offenbarung erhalten habe, dass die großen spirituellen Figuren der Weltgeschichte Außerirdische waren. So seien Buddha, Krischna, Moses und auch Jesus nicht von dieser Welt gewesen. Die mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen nicht zu erklärende Auferstehung Jesu ist für die Anhänger dieser Lehre durch seine Herkunft aus dem All zu verstehen. Für Christen ist es hingegen von wesentlicher Bedeutung, dass Jesus als wahrer Mensch und wahrer Gott sowohl auf der Erde als auch im Himmel zuhause ist.

Von Roland Müller