Alttestamentler: Vatikan-Nein zu Segnungen exegetisch "inakzeptabel"
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Homosexualität in heutiger Form sei biblischen Autoren unbekannt

Alttestamentler: Vatikan-Nein zu Segnungen exegetisch "inakzeptabel"

Bei der Ablehnung von Segnungsfeiern für homosexuelle Paare hat der Vatikan auf das Alte Testament verwiesen – zu Unrecht, kritisiert der Bonner Alttestamentler Ulrich Berges und verweist auf einen anderen Text aus dem Vatikan.

Münster - 13.04.2021

Der Bonner Alttestamentler Ulrich Berges hält die Ablehnung von Segnungsfeiern für homosexuelle Paare durch den Vatikan aufgrund alttestamentlicher Bibelstellen für "inakzeptabel". Das Alte Testament und die altorientalische Welt hätten keine homosexuellen Beziehungen im Sinne gleichberechtigter und rechtlich anerkannter Lebenspartnerschaften gekannt, schreibt er in einem Kommentar für das Internetportal "Kirche + Leben". "Weil dies so ist, kann das AT solche Lebensentwürfe auch weder verbieten noch gutheißen."

Wenn es im Buch Levitikus heiße, ein Mann dürfe nicht mit einem Mann wie mit einer Frau schlafen (Lev 18,22), so sei dies im Kontext der altorientalischen Welt als "eine gewalttätige Handlung" zu verstehen. "Dass ein Mann beim Geschlechtsverkehr die Rolle der Frau einnimmt und dann penetriert wird, ist für das AT als Akt freier Entscheidung undenkbar." Es gehe hier, wie in anderen Bibelstellen auch, um eine Vergewaltigung.

Kein Gegenpol zu geschlechtlicher Differenz

Die Päpstliche Bibelkommission habe vor zwei Jahren bereits festgehalten, dass "in den Erzähltraditionen der Bibel keine Hinweise auf homosexuelle Praktiken zu finden sind, weder als zu tadelnde Verhaltensweisen noch als tolerierte oder befürwortete Einstellungen", so Berges. Auch auf "die Idee, sexuelle Handlungen gleichgeschlechtlicher Partner würden die gottgewollte Differenz zwischen Mann und Frau widerlegen oder bedrohen", seien die Autoren der Bibel nicht gekommen.

Mitte März hatte die vatikanische Glaubenskongregation mitgeteilt, dass die Kirche keine Vollmacht zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare habe. Diese Beziehungen entsprächen nicht dem göttlichen Willen. In Deutschland und anderen Ländern gibt es Kritik an dieser Stellungnahme, aus den Reihen der deutschen Bischöfe gab es sowohl zustimmende wie auch skeptische Äußerungen zu dem Dokument. (cph)