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Wie Teresa von Ávila: Auch heute sind viele Frauen hartnäckig

Auch wegen ihrer Hartnäckigkeit sei Teresa von Ávila ein "herausragendes Beispiel", sagt der Papst. Diesem Beispiel folgen auch heute viele Frauen, kommentiert Agnes Wuckelt. Sie kann sich daher noch mehr Frauen als Kirchenlehrerin vorstellen.

Von Agnes Wuckelt |  Bonn - 16.04.2021

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In diesen Tagen findet in Ávila der mehrtägige Kongress "Eine außergewöhnliche Frau. Zum 50-jährigen Jubiläum der Ernennung der Heiligen Teresa von Ávila zur Kirchenlehrerin" statt. Die spanische Ordensfrau (1515-1582), Reformerin ihres Ordens und ihrer Epoche wurde am 27. September 1970 als erste Frau in der Kirchengeschichte zur "Doctrix Ecclesiae universalis" erhoben. Dies veranlasst Papst Franziskus, Teresa für "ihren Mut, ihre Intelligenz und ihre Hartnäckigkeit" zu danken, womit diese "außergewöhnliche Frau" (so bezeichnete sie Papst Paul VI. 1970) auch heute noch "ein herausragendes Beispiel" sei. Gut gesprochen! Diesem Beispiel folgen viele Frauen doch ohne – oder besser mit ihrem – Widerspruch, der von Mut und Intelligenz zeugt. Und mit ihrer unendlichen Geduld, die sich in Hartnäckigkeit äußert.

Wenn es das ist, was – neben einer tiefen Spiritualität – eine Lehrerin der Weltkirche ausmacht, dann können wir die spärliche Zahl von vier Frauen in der Liste der 36 Doctores/Doctrices Ecclesiae universalis schnell erhöhen: Durch weitere Frauen aus der Geschichte, wie etwa die Sudanesin Josefine Bakhita (1869-1947) oder Edith Stein (1891-1942). Und sicherlich haben auch Zeitgenossinnen eine Option – einfach mal im eigenen Umfeld genauer umschauen. Der Blick auf die Zahl der in den letzten 50 Jahren zu Kirchenlehrer:innen ernannten lässt auch hoffen: Da haben wir ein Geschlechterverhältnis von vier Frauen und zwei Männern!

Teresa von Ávila geht als erste Frau in die spanische Literaturgeschichte ein und gilt bis ins 19. Jahrhundert als bedeutendste schreibende Frau. Sie schreibt an gegen Zweifel, ob weibliche Kreativität auf geistig-geistlichem Bereich zulässig sei. Und selbst Anzeigen bei der Inquisition versanden (und lassen ihre Schrift in deren Archiv bestens erhalten bleiben). Auch hier lässt sich von der Kirchenlehrerin lernen: Das rechte Wort finden, der eigenen Überzeugung folgen – auch und gerade wenn "es sich um Frauen handelt".

Von Agnes Wuckelt

Die Autorin

Agnes Wuckelt ist emeritierte Professorin für Praktische Theologie und stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.