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Standpunkt

Eine "Eheberatung" für die Kirche

Wenn die Kirche eine Braut ist, sind Bischöfe ganz besonders mit ihr verheiratet, kommentiert Werner Kleine. Möge die "Ehe" mit den Laien für manche von ihnen eine Last sein: Sie funktioniere nur, wenn man Veränderungen nicht nur vom anderen erwarte.

Von Werner Kleine |  Bonn - 26.04.2021

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Die Kirche als Braut – diese Metapher wird nur allzu gerne verwendet, um die Besonderheiten des Weiheamtes zu beschreiben. Das Bild passt, um sowohl den Zölibat als auch die exklusiv Männern vorbehaltene Weihe zu begründen. Wo käme man denn da hin, wenn Frauen jemanden zur Braut nähmen?

Das Bild ist als theologisches Interpretament an sich ein wenig schief. Ich als männlicher Laie etwa muss dann doch einiges an Energie in meine neuronalen Netze investieren, um mich in einer Brautmetapher wiederzufinden. Außerdem: Ist eine Braut nach der Hochzeit nicht eher eine Gattin? Wie auch immer – es fällt auf, dass die schönen Geschichten immer vor der Ehe spielen und mit der Hochzeit enden. Den Ehealltag will man lieber nicht sehen. Dabei ist die Ehe doch das Sakrament, das sich die Eheleute gegenseitig spenden – eben nicht nur vor dem Altar, sondern ein Leben lang. Das gelingt nur, wenn nicht die jeweils anderen einem den Himmel auf Erden bereiten sollen; vielmehr besteht die Herausforderung darin, dem anderen immer wieder neu zum Sakrament zu werden.

Nun sind Bischöfe, gerade weil sie das dritte und höchste Weiheamt innehaben, sicher ganz besonders mit der Kirche verheiratet – gewiss nicht nur dem Grade, sondern dem Wesen nach. Laien hingegen bewegen sich da in der "Zone Zero". Das hat, wie man bei der Veröffentlichung der unabhängigen Untersuchung der Kanzlei Gercke-Wollenschläger über den sexuellen Missbrauch im Erzbistum Köln erfahren konnte, durchaus handfeste Folgen: Missbrauchende Weihelose wurden eben schnellstens aus dem Dienst entfernt, während um weihevolle Brüder der Nebel scheinheiliger Barmherzigkeit gehüllt wurde, auf dass die Ehre der Braut nicht durch die Untaten vieler ihrer Männer Schaden nehme.

Noch pikanter aber wird es, wenn eine Laiin sich zu einer Polemik erdreistet: Die Theologin Johanna Rahner stellt fest, dass man denjenigen Rassismus vorwerfen könne, die Diskriminierung in der katholischen Kirche ignorierten, nicht als existent bezeichneten oder durch theologische Denkformen überhöhten und legitimierten. Auch wenn man, wie ich selbst, das Wort "Rassismus" hier für deplatziert hält, spricht Profesorin Rahner doch ein fundamentales Problem an, das weit über die Frage der Frauenweihe hinausgeht. Die aber wurde wohl von manchen sofort insinuiert. Der Passauer Bischof Stefan Oster jedenfalls retournierte subtil, die Bischöfe hätten eine Mitverantwortung, wer an den Fakultäten katholische Theologie lehren dürfe. Wo Partner sich drohen, ist eine Ehe am Ende...

Sicher: Für manchen Bischof mögen Laien eine echte Last sein. Aber man hat sie nun einmal geheiratet. Wenn eine Ehe funktionieren soll, wird man aufhören müssen, die Veränderung nur vom anderen zu erwarten. Das funktioniert nie! Zum Sakrament wird eine Ehe erst, wenn man wenigstens wahrnimmt, was geschehen muss, damit der oder die andere den Himmel ahnen kann. Ohne diese Haltung wird allerdings auch diese Ehe, wie jede andere, nur eines werden: die Hölle...

Von Werner Kleine

Der Autor

Dr. Werner Kleine ist Pastoralreferent im Erzbistum Köln und Initiator der Katholischen Citykirche Wuppertal.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.