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Geburtstagsgeschenk für die Kirche: Das ganze Volk Gottes wird gehört

Der Synodale Weg ist holprig, findet Claudia Nothelle. Doch der Reformdialog sei ein erster Schritt hin zu einem Gespräch auf Augenhöhe in der Kirche. Deshalb freut sich unsere Autorin, dass nun auch die Weltkirche einen ähnlichen Pfad einschlägt.

Von Claudia Nothelle |  Bonn - 25.05.2021

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Welch ein Geburtstagsgeschenk, liebe Kirche. Eine große Synode, bei der das ganze Volk Gottes gehört werden und zu Wort kommen soll. Ganz wie damals beim ersten Pfingstfest: Menschen, die miteinander reden, die große – auch sprachliche – Gräben überwinden, die ihre Überzeugung aussprechen und die den anderen zuhören. Denn Ansagen haben schon damals nicht wirklich funktioniert.

Klar – miteinander reden allein reicht nicht aus und hätte auch die Konflikte der vergangenen Monate und Jahre nicht lösen können. Aber ein echtes Gespräch ist ein ganz entscheidender erster Schritt ist – oder muss es wenigstens werden. Kein gönnerhaftes Wort erteilen, sondern ein Reden und Zuhören. Das "auf Augenhöhe" ist so oft gebraucht, dass es abgenutzt erscheint, aber es kann das unterstreichen, was gemeint ist: ein Austausch, in dem es kein "oben" und kein "unten" gibt.

Ein großes Geschenk, aber nicht unbedingt ein pflegeleichtes, eine solche Synode. Stattdessen herausfordernd für alle Beteiligten. Probleme und Fragen werden offen benannt – und die Antworten sind nicht leicht. Das Volk Gottes in Südostasien hat vielleicht andere Fragen als das in den USA, die Menschen dort andere als die in Polen. Und unsere Fragen in Deutschland werden im Augenblick eher mehr als weniger.

In diesem Sinn hat am Freitag der neue Generalsekretär der römischen Bischofssynode, Kardinal Mario Grech, zu einem weltweiten synodalen Weg eingeladen: Bevor die Bischöfe wieder zu einer Synode in Rom zusammenkommen, sollen sie auf die Menschen vor Ort hören. Hier in Deutschland geschieht das seit bald 18 Monaten im Synodalen Weg, oft holprig, manchmal auch glatt. Aber es sind erste Schritte.

Die Kritikerinnen und Kritiker haben den Deutschen vorgeworfen, die deutsche Kirche als Nationalkirche abspalten zu wollen. Die Einladung aus Rom macht das Gegenteil deutlich: In allen Ortskirchen sollen die Bischöfe zunächst einmal auf die Stimmen des Gottesvolks hören – und sich dafür Zeit nehmen. Im Herbst 2023 dann soll alles in Rom zusammengetragen werden. Und wenn dann dort auch Nicht-Geweihte Rede- und Stimmrecht haben könnten: noch ein Pfingstwunder. Und ein großartiges Pfingstgeschenk!

Von Claudia Nothelle

Die Autorin

Claudia Nothelle lehrt Fernsehjournalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal, ist Aufsichtsratsvorsitzende der katholischen Journalistenschule ifp und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin wider.