Leipziger Maler über Kunst und Religion

Triegel: Benedikt XVI. ist in Glaubensdingen Vorbild für mich

Aktualisiert am 07.06.2021  –  Lesedauer: 

Marktl/Passau ‐ Unbefleckte Empfängnis und leibhaftige Auferstehung: Der Leipziger Maler Michael Triegel konnte lange Zeit Glaubensinhalte nicht mit einem rationalen Weltbild verbinden – letztlich half ihm auch der Kontakt zu Benedikt XVI., Zweifel zu überwinden.

  • Teilen:

Für den in der DDR aufgewachsenen Künstler Michael Triegel war die christliche Kunst ein Gegenentwurf zu der "grauen Welt", die ihn vor 1989 im SED-Regime umgeben habe. Die Gemälde von Raphael und Rubens in Dresden seien ihm ein Versprechen gewesen, "dass es auch eine andere Welt geben kann", sagte Triegel in einem am Freitag auf der Internetseite des Bistums Passau veröffentlichten Interview. Das in der bayerischen Diözese gelegene Geburtshaus von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) zeigt noch bis zum 4. Oktober die Ausstellung "Dein Angesicht will ich suchen" mit Werken des Leipziger Malers, Grafikers und Zeichners.

Zu der zunächst rein ästhetischen Begeisterung für christliche Kunstwerke sei aber auch schnell die Frage hinzugekommen: "Was für Geschichten erzählen die Maler, die du so großartig findest?" Er habe sich mit den Themen der Werke auseinandergesetzt, so Triegel weiter, doch der Glaube selbst habe ihn vor Probleme gestellt. Bei unbefleckter Empfängnis und leibhaftiger Auferstehung habe er sich gefragt: "Wie kann ich das nur in mein rationales Weltbild integrieren?" So hätten ihn einerseits eine Sehnsucht nach dem Glauben und andererseits die eigenen Zweifel daran immer wieder beschäftigt, was er auch in vielen seiner Werke thematisiert habe.

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Er habe gehofft, über die prachtvoll gestalteten Kirchen Roms und Venedigs oder die Musik Johann Sebastian Bachs zu einem eigenen "Damaskuserlebnis" zu gelangen – also einer Bekehrung ähnlich der des Apostels Paulus. "Aber das wäre eben eine Bekehrung über die Form gewesen". Eine Anbetung einer "Kunstreligion" sei für ihn nicht in Frage gekommen. Letztlich "kam das dann ganz still", sagt Triegel. Während jesuitischer Exerzitien habe er sich eingehend mit der Heiligen Schrift befasst, 2014 wurde er durch den damaligen Dresdner Bischof Heiner Koch getauft. Der Kontakt zu Benedikt XVI., insbesondere über dessen Schriften, habe ihm schließlich gezeigt, dass Glaube und Vernunft sich nicht ausschlössen, sondern sich gegenseitig bedingten. Der emeritierte Papst sei ein Vorbild für ihn, was den "intellektuellen Zugriff auf Glaubensdinge" angehe.

Michael Triegel kam 1968 in Erfurt zur Welt. Er studierte an der Leipziger Hochschule für Grafik- und Buchkunst, die als Zentrum der "Neuen Leipziger Schule" gilt. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er als Maler zweier Porträts von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) bekannt, die heute im Institut Papst Benedikt XVI. in Regensburg und in der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom hängen. Charakteristisch für Triegels Werk sind der altmeisterliche Renaissance-Stil sowie seine komplexen künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem antik-mythologischen und christlich-heilsgeschichtlichen Erbe. (cst)