Auch sollten sie keine "Mamasöhnchen" sein

Bischof Meier an Neupriester: "Habt keine Angst vor Frauen!"

Aktualisiert am 28.06.2021  –  Lesedauer: 

Augsburg ‐ "Habt keine Angst vor Frauen! Das gilt nicht nur für Maria. Ich meine die Frauen, denen Ihr begegnet in der Pfarrei, mit denen Ihr arbeitet", mahnt Bischof Bertram Meier seine Neupriester – und spricht auch über das sogenannte "Muttersohn-Syndrom".

  • Teilen:

Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat Neupriester zur Frauenförderung aufgerufen. "Bringen Sie fähige Frauen ins Spiel! Lassen Sie sich von ihnen beraten! Nehmen Sie ihre Meinung ernst! Es wird Sie weiterbringen", sagte Meier am Sonntag im Augsburger Dom. Dort weihte er vier Männer im Alter zwischen 28 und 37 Jahren zu Priestern. Der Bischof ergänzte: "Habt keine Angst vor Frauen! Das gilt nicht nur für Maria. Ich meine die Frauen, denen Ihr begegnet in der Pfarrei, mit denen Ihr arbeitet in der Jugend oder im Seelsorgeteam." Meier betonte, er wünsche sich eine geschwisterliche Kirche.

Der Bischof forderte die Männer auf: "Macht ernst mit der kooperativen Pastoral!" Die pastoralen Berufsgruppen kennten kein oben und unten, sondern zögen auf Augenhöhe an einem Strang. "Bemüht Euch, die gesunde Balance zu halten zwischen Nähe und Distanz. Seid achtsam, damit Ihr keine Grenze überschreitet. Bindet Frauen ein, nicht nur als Assistentinnen, sondern als Schwestern, partnerschaftlich, ebenbürtig, beratend, korrigierend, inspirierend", verlangte Meier. Das schmälere nicht die priesterliche Autorität, sondern stärke sie. Meier fügte an: "Auch sollten Sie keine 'Mamasöhnchen' sein." Gerade bei Priestern gebe es das sogenannte "Muttersohn-Syndrom".

Mahnung zu Kritikfähigkeit

Darüber hinaus mahnte der Bischof die Neupriester zu Kritikfähigkeit. "Nehmen Sie auch solche Worte an, die den Ohren nicht schmeicheln. Blocken Sie nicht ab! Lassen Sie sich nicht entmutigen!" Aus eigener Erfahrung, so sagte Meier, wisse er: "Gut gemeinte Kritik, ehrlich und konstruktiv, hat mich schon oft weitergebracht. Freilich sollte Kritik nicht bissig, sondern mit Liebe geäußert werden."

In Bayern sind am Wochenende 18 Männer zu Priestern geweiht worden. Neben den vier Weihen am Sonntag in Augsburg gab es schon am Samstag fünf in München, acht in Regensburg und eine in Bamberg. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx mahnte, das Priestertum als "Dienst für alle" zu verstehen. Priester dürften sich nicht absondern. Ein Priester, der "etwas Besonderes sein will", habe nicht verstanden, was Jesus vorgelebt habe. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sagte, Seelsorger seien Seelenführer zu Gott. "Deshalb brauchen wir Berufungen zum priesterlichen Dienst." Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer äußerte sich zum Synodalen Weg. "Es ist viel die Rede von Macht", sagte er. Dies erscheine ihm oft als eine irrationale Debatte, denn es gehe nicht um menschliche Machtworte der Priester, "sondern Worte, die ihr in Vollmacht sprechen dürft".

Anfang Juni hatte es bereits zwei Weihen in Würzburg sowie im April eine in Eichstätt gegeben. Auch in Passau war eine Weihe geplant; sie wurde Corona-bedingt auf 2022 verschoben. Im vergangenen Jahr hatte es in Bayern 16 Priesterweihen gegeben, also fünf weniger als diesmal. Wie 2020 waren auch jetzt drei Ordensleute unter den Geweihten. (tmg/KNA)