Pfarrer Andreas Falow mit der Kathedrale von Palma im Hintergrund
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Deutschsprachige Gemeinden im Ausland – Teil 3

Mallorca-Pfarrer: Mit 3.000 Deutschen an Heiligabend in der Kathedrale

Mallorca ist die Ferieninsel der Deutschen schlechthin. Das spürt auch Andreas Falow, der Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde dort. Die Gemeinde ist für ihn vergleichbar mit einer Großraumpfarrei. Im katholisch.de-Interview spricht er auch darüber, warum er "eigentlich immer im Urlaub" ist.

Von Christoph Brüwer |  Palma - 08.08.2021

Seit fünf Jahren ist Andreas Falow als Auslandsseelsorger in der deutschsprachigen Gemeinde auf Mallorca tätig. Davor war der Priester 20 Jahre lang Tourismusseelsorger in den Bergregionen in der Schweiz. Auf Mallorca erlebt Falow "Seelsorge in Wellenlinien". Im Interview erklärt er, was das bedeutet. 

Frage: Herr Pfarrer Falow, wie ist die Corona-Lage aktuell auf Mallorca?

Falow: Wir sind seit ein paar Wochen leider Hochinzidenzgebiet mit all den Konsequenzen, die das für die Touristen hat. Die Intensivstationen sind zu einem Drittel gefüllt. Es ist zwar noch nicht extrem, dennoch werden leider jeden Tag Todesfälle gemeldet. Vor allem die Partyszene am Ballermann gerät jetzt ins Blickfeld des Virus. Die anderen Gebiete wie Strand und Fincas sind aber unproblematisch, da sehen die Hygieniker keine Schwierigkeiten. 

Frage: Wie hat Ihre Gemeinde denn die Corona-Pandemie erlebt?

Falow: In Spanien hat es von Anfang an einen sehr strikten Lockdown gegeben. Die Leute mussten zu Hause bleiben und durften nur zum Einkaufen oder zum Arzt gehen. Da haben in der Seelsorge die Telefonanrufe zugenommen. Die Einsamkeit der Leute war da die pastorale Herausforderung. Aus der Gemeinde sind zwar einige Menschen erkrankt gewesen, aber wir hatten zum Glück niemanden auf der Intensivstation und keine Todesfälle. Mittlerweile konnten sich viele auch schon impfen lassen; und mit entsprechenden Hygienemaßnahmen sind auch Gottesdienste wieder erlaubt. Sonst haben wir bis in den September hinein jedes Jahr bis zu 40 Trauungen. In diesem Jahr finden aber nur ein paar wenige mit einer reduzierten Zahl an Gästen statt.

Frage: Zu Ihrer Gemeinde gehören vermutlich viele Touristinnen und Touristen. Spüren Sie, dass in diesem Jahr weniger Menschen da sind als in den Jahren zuvor?

Falow: Ja, es sind deutlich weniger. Es sind auch nur etwa 80 Prozent der Hotels im Vergleich zu Vor-Pandemie-Zeiten geöffnet. Aber die Anzahl der Flüge nach Mallorca steigt aktuell wieder. Es gibt hunderte von Flügen pro Tag aus Deutschland und der ganzen Welt.

An Weihnachten nutzt die deutschsprachige Gemeinde auf Mallorca die Kathedrale in Palma für ihre Gottesdienste. An Heiligabend tauchen dann manchmal 2.000 bis 3.000 deutsche dort auf, "weil das deutsche Herz ja doch für Weihnachten schlägt", sagt Pfarrer Falow.

Frage: Sie haben kürzlich gesagt, dass rund 30.000 katholische Residenten auf Mallorca leben. Wenn man diese Zahl als potenzielle Gemeindemitglieder annimmt, haben Sie für deutsche Verhältnisse eine relativ große Gemeinde… 

Falow: Ja, das stimmt. Wir sind für die ganze Insel zuständig und darüber hinaus auch für Menorca und Ibiza, die auch zu den Balearen gehören. Wenn es dort beispielsweise einen Todesfall gibt oder eine Hochzeit, Taufe oder Erstkommunion stattfindet, fliegen wir dann auch dorthin.

Frage: Man nennt Mallorca in Deutschland manchmal etwas scherzhaft das 17. Bundesland. Würden Sie aus katholischer Sicht sagen, dass Mallorca das 28. Deutsche Bistum ist?

Falow: Da hätte sicher unser Bischof von Mallorca etwas dagegen, wenn ich hier eine Privatdiözese aufmachen würde (lacht). Es ist eher eine Großraumpfarrei, weil wir alle Dörfer mitbetreuen, egal wo Residenten wohnen oder wie abgelegen die Fincas auch sein mögen.

Frage: Was unterscheidet Ihre Gemeinde auf Mallorca von einer Pfarrei in Deutschland?

Falow: Wir erleben Seelsorge in Wellenlinien: Wenn viele Touristen hier sind, haben wir am meisten zu tun. Viele Touristen kontaktieren uns schon im Vorfeld oder schauen auf unserer Homepage, wann die Gottesdienste sind, ob sie beispielsweise ihre Kinder hier taufen lassen können. Wenn die Touristen dann wieder weg sind, ist es etwas ruhiger. An Weihnachten dürfen wir die Kathedrale hier in Palma für die Gottesdienste nutzen. Dann tauchen durchaus auf einen Schlag 2.000 bis 3.000 deutsche Residenten beim Gottesdienst an Heiligabend auf, weil das deutsche Herz ja doch für Weihnachten schlägt. An Ostern ist es dasselbe. Da zu dieser Zeit oft auch schon wieder ein paar Touristen kommen, müssen wir uns für die Gottesdienste aufteilen. Aber an Weihnachten reicht uns die Kathedrale.

Frage: Welche Angebote machen Sie speziell für die Touristinnen und Touristen?

Falow: Vor der Corona-Pandemie haben wir Gemeindeabende veranstaltet und beworben, wo jemand aus dem Konsulat, interessante Menschen oder auch mal Stars und Sternchen bei uns zu Gast waren. Es gibt auch Gruppen, die sich melden, weil sie eine Führung mit dem katholischen Auslandsseelsorger durch Mallorca wollen, oder die wünschen, dass ich sie bei ihren Ausflügen begleite – auch, damit ich ihnen zum Beispiel weiterhelfe, wenn sie kein Spanisch sprechen. Das geht bis zu Bootsausflügen, wo katholische Gruppen wie etwa der Frauenbund sich freuen, wenn der Pfarrer mit dabei ist, weil sie ihren nicht mitbringen konnten. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Wir versuchen da vieles zu organisieren.

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Frage: Kommt auch der Klischee-Mallorca-Urlauber bei Ihnen in den Gottesdienst?

Falow: Der Klischee-Mallorca-Urlauber kommt auch in die Gottesdienste – aber nicht in der großen Anzahl, wie in den Bierkönig.

Frage: Was hat Sie persönlich dazu motiviert, sich als Auslandsseelsorger auf Mallorca zu bewerben?

Falow: Ich war vorher 20 Jahre in den Bergregionen in der Schweiz tätig. Danach wollte ich im spanischsprachigen Ausland Touristen und Residenten betreuen. Das war für mich eine neue Herausforderung.

Frage: Was macht für sie grundsätzlich den Reiz daran aus, Auslandsseelsorger zu sein und nicht in einer Pfarrei in Deutschland zu arbeiten?

Falow: Hier hat man mehr Zeit für individuelle Seelsorge. Man muss nicht so viel Energie in die Organisation von Abläufen und Strukturen strecken, wie das sonst bei Pfarrern in Deutschland oft der Fall ist. Da gibt es jede Menge Sitzungen – und das oft in fünf oder sogar zehn Kirchengemeinden. Das habe ich hier nicht.

Frage: Andere Auslandsseelsorger nutzen ihren Urlaub oft, um in die Heimat zu fliegen. Sie leben und arbeiten auf der Urlaubsinsel der Deutschen schlechthin. Fliegen Sie für Ihren Urlaub nach Deutschland?

Falow: In den letzten fünf Jahren habe ich es so gehalten, dass ich auch im Urlaub hier geblieben bin, um auch die Gottesdienste zu gewährleisten. Wenn manchmal ein Priester hier seine Ferien macht, teilen wir uns die Gottesdienste. Aber ansonsten bin ich hier eigentlich immer im Urlaub (lacht).

Von Christoph Brüwer