Christoph Kreitmeir über das Sonntagsevangelium

Die heilsame Kraft der Begegnung

Aktualisiert am 14.08.2021  –  Lesedauer: 
Ausgelegt!

Ingolstadt ‐ Ein freundlicher Blick, ein gutes Wort, eine helfende Hand: Es sind oft vermeintliche Kleinigkeiten, die den Unterschied machen, weiß Pater Christoph Kreitmeir. Denn aus gelingenden Begegnungen können echte Heil(ung)serfahrungen werden.

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Impuls von Christoph Kreitmeir

Zwei verwandte Frauen sind auf wunderbare Weise schwanger geworden. Die jüngere, Maria, besucht die ältere, Elisabet, mit eiligem Schritt, um sich mit ihr auszutauschen, sich einander beizustehen und über das Erlebte sich zu freuen. Diese Freude zeigte sogar Elisabets Kind in ihrem Leib, das gleichsam "hüpfte".

Für mich ist dieser Besuch Mariens bei Elisabet eine Blaupause für gelingende, ja heilende Begegnung. Wie sehr uns solche Begegnungen in bisher 18 Monaten Coronapandemie abgegangen sind, zeigt mir die Erfahrung im Krankenhaus, wo ich als Seelsorger arbeite. Viele Wochen lang durften die Angehörigen ihre kranken Verwandten nicht besuchen, dann unter sehr strengen Auflagen und auch nur für kurze Zeit.

Und auch jetzt noch, zwischen dritter und sich anbahnender vierter Coronawelle in Deutschland ist ein Besuch nur mit einem negativen Coronatest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf, begrenzt auf 30 Minuten erlaubt. Jeden Tag kann ich an der langen Menschenschlange vor dem Eingangsbereich zum Klinikum zwischen 14.00 und 17.00 Uhr sehen, was Menschen auf sich nehmen, um ihren Lieben begegnen zu können.

Schon seit langem wissen wir im Grenzbereich zwischen Medizin und Psychologie, dass ein gutes soziales Netz und menschlich wertvolle Beziehungen und Begegnungen Genesungsprozesse positiv unterstützen können. Gerade bei Langzeitkranken, Schwerstkranken, unheilbar Kranken und Sterbenden ist es so wichtig, dass Verwandte, Lebensgefährten und Freunde kommen können …und es ist schon so lange Zeit sehr eingeschränkt.

Der Medizinethiker Giovanni Maio betont als Gegenpol zu einer hochspezialisierten, technisierten und digitalisierten Medizin die Wichtigkeit der Bedeutung des direkten Kontaktes zwischen Arzt, Krankenpfleger und Patienten. Leider findet das unter zunehmendem Arbeitsdruck, Verbürokratisierung und Pflegekräftemangel viel zu wenig statt. Die FFP-2-Maske während der Coronazeit verdeckt dann obendrein noch 2/3 Drittel des Gesichtes, was ganz viel unserer menschlichen Ausdrucksweise verunmöglicht.

Es gibt sie aber trotzdem, die Pflegenden, die Ärztinnen, die Ergotherapeutinnen, Logopädinnen und Physiotherapeutinnen, ja, es gibt sogar die Reinigungskräfte, die unter hohem Arbeitsdruck immer noch ein gutes Wort, einen freundlichen Blick, eine helfende Handreichung schenken. Wir Seelsorgende und Psychologen hören in unseren Begegnungen mit den Kranken Gott sei Dank immer wieder davon. Diese Art des Miteinanders trägt eindeutig zu einem ganzheitlichen Heilungsprozess bei.

Von Christoph Kreitmeir

Evangelium nach Lukas (Lk 1,39–56)

In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.

Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme:

Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Und selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.

Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.

Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.

Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Der Autor

Der Franziskanerpater Christoph Kreitmeir arbeitet in der Klinikseelsorge am Klinikum Ingolstadt, in der Erwachsenenbildung und bei Lebenshilfesendungen im Radio Horeb.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.