Papst Franziskus stehe mit "Traditionis custodes" in "guter Tradition"

Bischof Kohlgraf: Feier der "Alten Messe" darf kein Protestakt sein

Aktualisiert am 02.09.2021  –  Lesedauer: 

Mainz ‐ Im Juli hatte Papst Franziskus die Feier der vorkonziliaren Messe stark eingeschränkt. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sieht das Kirchenoberhaupt damit in einer "guten Tradition" – und schlägt den Anhängern der "Alten Messe" eine Alternative vor.

  • Teilen:

Bischof Peter Kohlgraf hat betont, dass die Feier der sogenannten "Alten Messe" kein Protestakt sein darf. Wer die ordentliche Form der Messe grundsätzlich ablehne und daher die tridentinische Messe wähle, befinde sich nicht mehr auf dem Boden der katholischen Lehre, schrieb der Mainzer Bischof in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Bistumszeitung "Glaube und Leben". "Manche, die die Liturgie nach dem Zweiten Vatikanum ablehnen, lehnen auch andere Themen ab", so Kohlgraf. Er nannte als Beispiele die Ergebnisse der Beratungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65), etwa die die Religions- und Gewissensfreiheit, die Bewertung des Judentums sowie die Haltung der Kirche zum Atheismus und zur modernen Welt. Bei diesen Punkten gebe es "keinen Verhandlungsspielraum", so der Bischof.

Hintergrund der Äußerung von Kohlgraf ist das Mitte Juli veröffentlichte Motu proprio "Traditionis custodes", mit dem Papst Franziskus die Feier der vorkonziliaren Liturgie stark einschränkte. Als Begründung führte er an, dass es durch den tridentinischen Ritus zu Spaltungen in der Kirche gekommen sei. Mit seinem Schreiben hob Franziskus viele Bestimmungen des Dokuments "Summorum Pontificum" von Benedikt XVI. aus dem Jahr 2007 auf, mit dem der heute emeritierte Papst die "Alte Messe" allgemein erlaubt hatte.

"Verlässliche Orte und Priester" für Messe auf Latein finden

Kohlgraf verurteilte die teils vehemente Kritik an "Traditionis custodes", die von entsprechenden Kreisen am Papstschreiben geübt worden war. "Wer Papst Franziskus dafür kritisiert, sollte sich vergegenwärtigen, dass Papst Pius V., der diese Liturgie verbindlich gemacht hat, seinerzeit im 16. Jahrhundert eine radikale Beschränkung bisheriger liturgischer Vielfalt angeordnet hatte." Franziskus stehe also in einer "guten Tradition". Manche Kritiker des Papstes würden "ansonsten bedingungslose Treue von anderen zu ihm in anderen Fragen fordern". Mancher sei nur papsttreu, solange der Papst ihn bestärke. Als Bischof stehe er jedoch im Dienst der Einheit, so Kohlgraf. Das Bistum Mainz werde daher gemäß den Vorgaben des Papstes Angebote für die "Alte Messe" machen.

Gleichzeitig zeigte Kohlgraf Verständnis für die Anhänger des tridentinischen Ritus, die diese Form der Liturgie wegen ihres Anbetungscharakters, der Stille, der Hinwendung aller Teilnehmenden Richtung Osten und der lateinischen Sprache als Sprache der römisch-katholischen Weltkirche schätzen würden. Deshalb regte der Bischof an, künftig "verlässliche Orte und Priester" zu finden, die die ordentliche Form des römischen Ritus in Latein feierten. Auch diese Liturgie lade zu Anbetung und Stille ein. "Manchmal wird tatsächlich aktive Beteiligung mit Geschwätzigkeit und Aktionismus verwechselt." Die Gläubigen hätten ein Recht auf eine gute Kultur der Zelebration gemäß den liturgischen Vorgaben, rief Kohlgraf in Erinnerung. (rom)