Ein Titel mit Geschichte

Heinrich VIII. wurde vor 500 Jahren "Verteidiger des Glaubens"

Aktualisiert am 10.10.2021  –  Lesedauer: 
Ein dicker Mann mit Vollbart im königlichen Ornat.
Bild: © Gemeinfrei

Bonn ‐ Verteidiger des Glaubens oder Verteidiger der Religion? Ein 500 Jahre alter Titel für die englischen Monarchen ist immer noch aktuell und kann heftige Diskussionen auslösen – wie Prinz Charles leidvoll erfahren musste.

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Auch wenn man es sich kaum vorstellen kann – der Tag des Ablebens von Elisabeth II. wird kommen. Nach dem Tod der Queen folgt ihr Prinz Charles auf den Thron und übernimmt auch ihre Position als – weltliches – Oberhaupt der anglikanischen Church of England. Er ist dann auch Defender of the Faith, Verteidiger des Glaubens. Um seine Interpretation dieser Aufgabe bricht seit 1994 in unregelmäßigen Abständen das aus, was man als Shitstorm bezeichnen könnte.

Der Titel "Verteidiger des Glaubens" (Defensor fidei) wurde vor 500 Jahren, am 11. Oktober 1521, von Papst Leo X. an den englischen König Heinrich VIII. verliehen. Heinrich hatte mit großem Unwillen den Erfolg eines Wittenberger Mönchs namens Martin Luther zur Kenntnis genommen. Dessen Schriften erzürnten den König so sehr, dass er selbst zur Feder griff und mit einer Schrift ("Assertio septem sacramentorum" - Verteidigung der sieben Sakramente) sowohl den Papst wie auch die Glaubenslehre verteidigte. Zur Belohnung gab es diesen Ehrentitel.

Parlament verleiht Heinrich den Titel

Nachdem Heinrich VIII. mit der katholischen Kirche brach, wurde ihm der Titel von päpstlicher Seite aberkannt. 1543 jedoch erhielt er ihn wieder, dieses Mal vom Parlament mit der Aufgabe, den anglikanischen Glauben zu schützen. Seit 1714 findet sich auf den Münzen im Königreich die Abkürzung DF oder FID DEF.

Queen Elizabeth II. hat bei ihrer Krönung 1953 den Eid abgelegt, den anglikanischen Glauben und die Kirche von England zu beschützen. Da sie eine fromme Frau ist, getragen von ihrem Glauben, hat sie diese Aufgabe immer ernst genommen – bei allem Respekt, den sie anderen Glaubensgemeinschaften entgegenbringt. Das findet seinen Niederschlag in ihren Weihnachtsansprachen und den Botschaften zum Commonwealth Tag.

Bild: ©picture alliance / empics

"Die Aufgabe der Church of England ist nicht, den anglikanischen Glauben zum Nachteil der anderen Religionen zu verteidigen. Nein, stattdessen hat die Church of England die Pflicht, die freie Ausübung aller Religionen im Land zu beschützen", sagte Queen Elisabeth 2012 bei einer Rede anlässlich ihres 60-jährigen Thronjubiläums.

Als wegweisend für das Miteinander der Religionen im Königreich gilt die Rede, die sie 2012 anlässlich ihres 60-jährigen Thronjubiläums bei einem Empfang hielt, den der damalige Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, für acht Religionen im Königreich organisiert hatte: "Die Aufgabe der Church of England ist nicht, den anglikanischen Glauben zum Nachteil der anderen Religionen zu verteidigen. Nein, stattdessen hat die Church of England die Pflicht, die freie Ausübung aller Religionen im Land zu beschützen. Tatsächlich hat die Kirche eine Umgebung geschaffen, in der andere Glaubensgemeinschaften und Menschen ohne Glauben frei leben können."

Damit hat die Queen der Tatsache Rechnung getragen, dass Großbritannien in den Jahren ihrer Regierungszeit zu einem Einwanderungsland mit Angehörigen verschiedenster Religionen geworden ist. Der christliche Glaube, ob protestantisch oder katholisch, ist einer unter anderen. Viele Menschen fühlen sich keiner Religion zugehörig.

Bei künftiger Krönung auch katholische Bischöfe dabei?

Als Prinz Charles 1994 laut darüber nachdachte, dass er die Bezeichnung "Verteidiger des Glaubens" als "Verteidiger aller Religionen im Königreich" verstehe und vielleicht sogar die Krönungszeremonie entsprechend ändern lassen würde, wurde er attackiert. War er vielleicht seiner Zeit voraus?

Charles, der sich selbst als verankert im anglikanischen Glauben sieht, zeigt eine große Offenheit gegenüber anderen Religionen – ob Islam, Judentum oder den orthodoxen Kirchen. Religion und Spiritualität sind wichtige Themen für ihn. In einem Interview der BBC im Februar 2015 ging der Prinz noch einmal auf die Frage ein, wie er seine Rolle als "Verteidiger des Glaubens" sehen würde. Er gab zu, damals hätte er seine Ideen eher unklar vermittelt. Er wolle bei der traditionellen Formulierung bleiben, verstehe sich aber als Beschützer aller Glaubensgemeinschaften – und bezog sich dabei auf besagte Ansprache der Queen.

Ob oder wie genau diese Überlegungen ihren Niederschlag in der Krönung und dem Amtseid finden, wird sich zeigen, wenn es so weit ist. Aber um der veränderten Gesellschaft Ausdruck zu geben, sollen Vertreter nicht-christlicher Religionen eine Rolle spielen, und wahrscheinlich werden auch katholische Bischöfe dabei sein. 1937 und 1953 lehnten sie die Einladung zur Krönung noch ab, da damals ein Thronfolger seine royalen Rechte verlor, wenn er eine Katholikin heiratete. Diese Bestimmung ist seit einigen Jahren aufgehoben.

Von Christiane Laudage (KNA)