Betroffeneninitiative fordert Umbenennung von Bischof-Janssen-Straße
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Nach Missbrauchsgutachten im Bistum Hildesheim

Betroffeneninitiative fordert Umbenennung von Bischof-Janssen-Straße

Ein Aufarbeitungsgutachten im Bistum Hildesheim hat den ehemaligen Bischof Heinrich Maria Janssen schwer belastet. Eine Betroffeneninitiative fordert deshalb jetzt die Umbenennung einer nach ihm benannten Straße.

Duderstadt - 15.10.2021

Die Betroffeneninitiative im Bistum Hildesheim fordert die Umbenennung der Bischof-Janssen-Straße im niedersächsischen Duderstadt. Aus dem Abschlussbericht des Bistums zur Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen gehe eindeutig und unzweifelhaft hervor, dass Bischof Heinrich Maria Janssen "den Machterhalt der Kirche und den Täterschutz über das Wohl der Missbrauchsopfer stellte", heißt es in einem Schreiben der Initiative, über das das "Göttinger Tageblatt" am Donnerstag berichtete. Der Bischof habe die Täter aus den eigenen Reihen nicht nur gedeckt. Es bleibe offen, "ob er nicht auch selbst Missbrauchstäter war", heißt es seitens der Initiative. Viele Indizien und Aussagen sprächen dafür.

Im Mitte September veröffentlichte Missbrauchsgutachten "Wissen teilen – Unabhängige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim während der Amtszeit von Bischof Heinrich Maria Janssen (1957-1982)" heißt es wörtlich, es könne nicht festgestellt werden, "ob Bischof Janssen sexuellen Missbrauch oder sexuelle Grenzüberschreitungen gegenüber Minderjährigen begangen hat". Janssen ist der erste deutsche Bischof, den solche Vorwürfe treffen. Die Gutachter um die ehemalige niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz stellten allerdings "eklatante Missstände" im Umgang mit Missbrauch während Janssens Amtszeit fest. Demnach gab es von kirchlicher Seite Zuwendung und Schutz für die Täter, während die Betroffenen keinerlei Hilfen erhielten und mit ihrem Leid alleingelassen wurden. Die Untersuchung spricht von "massivem Unrecht" gegenüber Kindern.

Debatten über Straßennamen auch in anderen Kommunen

Die Betroffeneninitiative wendet sich mit ihrem Schreiben an die Duderstädter Ratsmitglieder und an Bürgermeister Thorsten Feike (FDP). Spätestens jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, der posthumen Ehrung Janssens durch die Benennung einer Straße nach ihm "vor dem Hintergrund der menschenverachtenden Haltung des Geehrten ein Ende zu setzen – zumal sich in Duderstadt das Kolping-Ferienparadies Pferdeberg dort befindet, das vornehmlich Familien und Kinder als Zielgruppe anspricht". In einer ersten Stellungnahme teilte Feike mit, es habe bereits einen Austausch in den Ausschüssen und im Rat zu der Problematik gegeben und auch der neu gewählte Rat der Stadt werde sich mit der Sachlage beschäftigen.

Ein ähnliches Schreiben der Initiative ging bereits Ende September an die Mitglieder des Stadtrats und den Bürgermeister in Hildesheim. Auch hier gibt es eine Bischof-Janssen-Straße. Auch in anderen Kommunen gab es nach der Veröffentlichung von Missbrauchsvorwürfen und Aufarbeitungen Debatten über die Umbenennung von Straßen und Plätzen. Der Stadtrat im nordrhein-westfälischen Korschenbroich etwa hatte im Juli die Umbenennung der Pfarrer-Johannes-Wolf-Straße beschlossen. Der Kardinal-Meisner-Platz im thüringischen Hundeshagen wurde dagegen vorerst nicht umbenannt, ebenso der Bischof-Stein-Platz in Trier. (cbr)