Hilfswerk Misereor von Ergebnissen enttäuscht

Papst ruft Politiker nach Klimagipfel zum sofortigen Handeln auf

Aktualisiert am 14.11.2021  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt/Glasgow ‐ Die Ergebnisse der UN-Klimakonferenz haben unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen: Einige sehen einen "zerbrechlichen Sieg" für den Umweltschutz, anderen kritisieren die Fortschritte als viel zu gering. Papst Franziskus fordert rasches Handeln.

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Papst Franziskus hat nach Abschluss des UN-Klimagipfels COP26 in Glasgow zum sofortigen Handeln aufgerufen. Er bestärke alle politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen darin, mutig die Beschlüsse umzusetzen, sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz. Zugleich forderte er jeden Einzelnen auf, sich um den Klimaschutz und das "gemeinsame Haus" zu kümmern - insbesondere mit Blick auf die Armen und Bedürftigsten.

Der Hauptgeschäftsführer des kirchlichen Hilfswerks Misereor, Pirmin Spiegel, zeigte sich enttäuscht von den Ergebnissen des Klimagipfels. Die Vereinbarungen genügten nicht, um das Ziel zur Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Grad Celsius noch einzuhalten, und gäben keine Aussicht auf ausreichende Unterstützung bei der Bewältigung der Folgen für ärmere Länder. Spiegel appellierte an die kommende Bundesregierung, "einen fairen Beitrag" zu Einhaltung der Temperaturgrenze zu leisten.

Ergebnisse "absolut unzureichend"

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) bezeichnete die Ergebnisse des Gipfels als "absolut unzureichend". "Wir brauchen mehr Tempo. Viele Entwicklungsländer haben keine Zeit mehr zu verlieren, bei ihnen ist der Klimawandel längst bittere Realität", sagte Müller den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Glasgow habe zwar viele Initiativen eingeleitet, die allerdings zu wenig verbindlich seien, zum Schutz ärmerer Länder vor den Klimafolgen jedoch keine befriedigende Antwort gegeben.

Mehr als 20.000 Delegierte - vor Ort und digital - hatten vom 31. Oktober bis 13. November in Glasgow über die weitere Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 diskutiert. Die Ergebnisse des bereits verlängerten Klimagipfels blieben dann aus Sicht von Nichtregierungsorganisationen enttäuschend. So wurde aus dem geplanten Ausstieg aus der Kohle aller Staaten kurz vor Schluss - ohne weitere Aussprache - nur ein Reduzieren der Kohlekraft. COP26-Präsident Alok Sharma bezeichnete den Kompromiss allerdings als "zerbrechlichen Sieg". Der Erfolg werde nicht daran gemessen, ob alle 200 Staaten das Abschlussdokument unterschrieben hätten, sondern ob sie die "Verpflichtungen erfüllen und liefern".

Papst Franziskus hatte sich mehrfach in die Debatte rund um den Klimagipfel eingebracht und vor einer "unbewohnbaren Welt" sowie der davonlaufenden Zeit gewarnt. Darüber hinaus war eine vatikanische Delegation nach Glasgow gereist. Auch hatte Franziskus mit rund 40 Religionsführern Sharma einen Klimaappell überreicht. Darin forderten die Unterzeichner, die bereits vereinbarte Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius schnellstmöglich umzusetzen. (rom/KNA)