Angst vor "weiterer Polarisierung" – Aktion konnte dennoch durchgeführt werden

Pfarrer verhindert Impfangebot für Obdachlose in Kirche

Aktualisiert am 08.12.2021  –  Lesedauer: 

Dresden ‐ Soll man in Kirchen impfen? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Auch ein evangelischer Pfarrer wollte das nicht – und sprach sich gegen eine Impfaktion für Obdachlose in seiner Kirche aus. Stattfinden konnte diese am Ende trotzdem.

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Ein evangelischer Pfarrer hat offenbar eine Corona-Impfaktion für Obdachlose in der Dresdner Dreikönigskirche verhindert. Wie das Portal "Tag24" am Mittwoch berichtete, habe er einem mobilen Impfteam der Diakonie verweigert, im Rahmen eines kirchlichen Nachtcafés Impfungen in dem Gotteshaus durchzuführen. "Der Pfarrer vor Ort hat gesagt, dass er das nicht möchte, weil das zu einer weiteren Polarisierung führen könnte", wird der Superintendent des Kirchenbezirks Dresden-Nord, Albrecht Nollau, zitiert.

Stattdessen habe man sich gemeinsam mit der Diakonie darauf verständigt, die für vergangenen Montag geplante Impfaktion an einem anderen Ort durchzuführen. Geimpft wurde schließlich im nicht weit von der Kirche entfernten Behindertenzentrum der Diakonie. Auch der Pfarrer sei an der Suche beteiligt gewesen. Laut Nollau verlief die Impfaktion "reibungslos". Er habe die Durchführung in der Kirche nicht anweisen können, so der Superintendent. Dabei handle es sich nämlich um eine verwaltungsrechtliche und nicht um eine theologische Frage. Der Vorfall solle im Kirchenvorstand allerdings noch einmal diskutiert werden.

In mehreren deutschen Städten standen zuletzt Gotteshäuser für Impfungen gegen Covid-19 offen. Eine Impfaktion in Kirchen und kirchlichen Einrichtungen in Sachsen war am ersten Adventssonntag ein "voller Erfolg", wie es hieß. Im Paderborner Dom kann man sich am 11. Dezember impfen lassen. Seit August gibt es im Wiener Stephansdoms bereits eine Impfaktion, bei der über 17.800 Impfdosen verabreicht wurden. (mal)