Standpunkt

Kein Taumeln mehr in der Corona-Politik!

Aktualisiert am 21.12.2021  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Angesichts der Corona-Lage sind viele Menschen müde – so auch Andrea Hoffmeier. Was ihr fehlt, ist ein gemeinsames und genau benanntes Ziel seitens der Politik. Sie fordert: "Es braucht nun klare mittelfristige Konzepte für ein Leben mit dem Virus."

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In Gesprächen über Corona sagen mir viele Menschen, dass sie eine große Müdigkeit verspüren. So erklärte eine eigentlich sehr politische Freundin, sie rege sich nicht mehr auf, sondern ließe es geschehen. Auch ich spüre eine bleierne Schwere, die hier und da unterbrochen wird von Wut auf politische Entscheidungen oder Nichtentscheidungen. In Beiträgen, auch auf katholisch.de, habe ich von massivem Vertrauensverlust in die Regierung gelesen. Was heißt das für die Demokratie unseres Landes, wenn nun schon die bürgerliche Mitte und eben auch Christinnen und Christen, die sich in Gesellschaft und Politik engagieren, ihr Vertrauen verlieren und Gefahr laufen, in Fatalismus zu versinken? Wichtiges Kapital droht gerade verspielt zu werden.

Was aber ermüdet – zumindest mich – so sehr? Mir fehlt das Ziel! Ich kann das gemeinsame Ziel in den oft sich mit Maßnahmenvorschlägen überbietenden Redebeiträgen nicht hören. Ist das Ziel, vulnerable Personen vor Corona zu schützen und die Krankenhäuser nicht zu überlasten? – Oder doch eher eine Null-Covid-Strategie? Stellt der Staat Rahmenbedingungen her, innerhalb derer wir Bürgerinnen und Bürger uns eigenverantwortlich entscheiden können? – Oder handelt er paternalistisch und schützt alle vor einer Infektion, egal ob sie vulnerabel oder geboostert und gesund sind? 

Ein klar kommuniziertes Ziel schafft es erstens, die Menschen guten Willens, also die Mehrheit, mitzunehmen. Zweitens ist es Grundvoraussetzung für die Entwicklung und Umsetzung adäquater Maßnahmen. Drittens kämen wir vielleicht endlich in eine breite gesellschaftliche Debatte, welchem Bürgerrecht wir Vorrang gegenüber anderen Bürgerrechten für wie lange geben.

Die starke Zunahme psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, der Armut sowie von Radikalisierungen zeigen auch, dass wir uns ein weiteres politisches Taumeln nicht erlauben können, wollen wir die "Volksgesundheit" und Demokratie nicht ganz gefährden. Es braucht nun klare mittelfristige Konzepte für ein Leben mit dem Virus.

Von Andrea Hoffmeier

Die Autorin

Andrea Hoffmeier ist Akademiedirektorin der Thomas-Morus-Akademie Bensberg.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.