Hoffnung auf Öffnung durch Synodalen Weg

ZdK-Präsidentin: Jahrzehntelange Kommunikationsverweigerung im Vatikan

Aktualisiert am 03.01.2022  –  Lesedauer: 
Bild: © KNA/Dieter Mayr

Ulm ‐ Schon bei der Würzburger Synode vor gut 50 Jahren sind Reformvorhaben aus Deutschland auf taube Ohren gestoßen, klagt ZdK-Präsidentin Stetter-Karp. Doch die Hoffnung auf Öffnung will sie nicht aufgeben – es gebe ermutigende Zeichen.

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Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, beklagt eine seit gut 50 Jahren bestehende "Kommunikationsverweigerung" durch den Vatikan. Schon bei der Würzburger Synode (1971–1975) seien Forderungen nach "Teilhabe auf Augenhöhe" formuliert worden, betonte die ZdK-Präsidentin im Interview mit der Tageszeitung "Südwestpresse" (Sonntag). Rom habe nie darauf reagiert. Der so entstandene Reformstau sei auch ein Grund für die großen Erwartungen, die mit dem Synodalen Weg verbunden werden. "Deshalb ist jetzt der Graben der Erwartungen so tief. Das macht es vermutlich unmöglich zu einem für viele zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen", so Stetter-Karp. Trotzdem gelte es, darum zu ringen, "die richtigen Signale der Öffnung zu setzen". Sie habe zwar Hoffnung auf Schritte der Öffnung, nachdem sich bei der Zweiten Synodalversammlung große Mehrheiten für Reformvorschläge gefunden hätten: "Doch ich glaube nicht, dass morgen die katholische Welt neu erfunden wird."

In der Kirche werde eine mangelnde Konfliktkultur gepflegt, "die dem offenen Streiten und Ringen aus dem Weg" gehe. Wer als Bischof anders vorgegangen sei und sich klar geäußert hätte, sei sanktioniert worden. Heute gebe es dagegen ermutigende Zeichen in der Kirche. Dass rund 2.000 Seelsorger im vergangenen Jahr öffentlich homosexuelle Paare gesegnet hatten, wäre noch vor fünf Jahren nicht möglich gewesen. "Das zeigt mir, die Bereitschaft, einen liebenden Gott zu verkünden, ist größer als die Angst vor einem innerkirchlichen Konflikt."

Zur Frage, wie der Vatikan auf die deutschen Reformprojekte reagieren werde, könne die ZdK-Präsidentin noch keine Vorhersage abgeben. "Die Sorge ist berechtigt, dass in Rom die Ampel auf Rot bleibt", räumte Stetter-Karp ein. Im Vatikan gebe es verschiedene Fraktionen und man wisse nicht, ob bestimmte Positionen vom Papst selbst oder von seinem Umfeld stammten. Aus anderen Ländern erhalte das ZdK aber viel Zustimmung zum Synodalen Weg und die Versicherung, dass er für die Weltkirche gebraucht werde. "Der Synodale Weg ist eben kein deutscher Sonderweg", betonte die ZdK-Präsidentin.

Irme Stetter-Karp wurde im November zur Präsidentin des ZdK gewählt. Die 1956 geborene promovierte Sozialwissenschaftlerin war bis zu ihrem Ruhestand in leitenden Funktionen im Bistum Rottenburg-Stuttgart tätig, zuletzt als Ordinariatsrätin und Leiterin der Hauptabteilung Caritas im Bischöflichen Ordinariat. Sie ist Präsidentin des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge sowie Vizepräsidentin des Deutschen Caritasverbands. (fxn)