Worum es in den Synodalforen geht – Forum "Macht und Gewaltenteilung"

KLJB-Seelsorgerin: Fühle mich im Macht-Forum manchmal wie in Vorlesung

Aktualisiert am 01.02.2022  –  Lesedauer: 

Bad Honnef ‐ Bei der dritten Synodalversammlung könnten am Donnerstag zwei Texte des Macht-Forums beschlossen werden. Die KLJB-Seelsorgerin Carola Lutz hat an den Texten mitgewirkt. Im katholisch.de-Interview erklärt sie, warum sie es schade findet, dass sich nicht alle Forenmitglieder an der Arbeit beteiligen.

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Bei der am Donnerstag beginnenden Synodalversammlung stehen zwei Texte des Forums I "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag" in zweiter Lesung an. Der Grund- und der Handlungstext sind die einzigen Foren-Dokumente, die bereits zum zweiten Mal der Synodalversammlung präsentiert werden – und damit bereits beschlossen werden könnten. Die Bundesseelorgerin der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB), Carola Lutz, hat im Forum mitgearbeitet. Im Interview erklärt sie, was sich seit der letzten Synodalversammlung an den Texten geändert hat und warum sie sich bei der Forenarbeit manchmal wie in einer Vorlesung gefühlt hat.

Frage: Frau Lutz, bei der kommenden Synodalversammlung präsentiert Ihr Forum einen Grund- und einen Handlungstext zur zweiten Lesung. Was ist das Neue am Grundtext?

Lutz: Auf der zweiten Synodalversammlung wurden vor allem die Länge und die schwer verständliche Sprache kritisiert. Inhaltlich gab es nur wenige Anmerkungen. Die Forderung nach Kürzung haben wir uns im Forum sehr zu Herzen genommen und einen viel prägnanteren Text vorgelegt: Der erste Entwurf hatte 42 Seiten, jetzt sind es nur noch 24. Dazu haben wir auch Dopplungen gestrichen und manche Themen in andere Foren übergeben, da sich viele Themenbereiche auch überschnitten haben. Inhaltlich haben wir an der Präzisierung des Machtbegriffs gearbeitet und den ganzen Text auf einen roten Faden hin geprüft: Haben wir die systemischen Faktoren des Machtmissbrauchs erkannt und wie können sie abgestellt werden?

Frage: Und was ist das Neue beim Handlungstext zur Einbeziehung der Gläubigen in die Besetzung von Bischofsämtern?

Lutz: Die Änderungen sind vor allem struktureller Natur, um die Logik des Textes zu verbessern. Die weitreichendsten Änderungen gab es im Abschnitt mit der konkreten Umsetzung des Verfahrens, also wie die Einbeziehung der Gläubigen in den Diözesen konkret passieren soll. Da ging es von einer am Anfang vorgesehenen verbindlichen Regelung zu einer Selbstverpflichtung der Bischöfe. Das heißt, dass jede Diözese die Gestaltung des Wahlgremiums für den Bischof selbst vornehmen kann. Dazu haben wir Mindestkriterien ausgearbeitet, die im Handlungstext nun ganz am Schluss zusammengefasst sind, und für die Erstellung der Musterordnung in den Diözese Beachtung finden müssen.

Frage: Welche Kriterien sind das denn beispielsweise?

Lutz: Dort ist beispielsweise aufgeführt, dass so ein Wahlgremium geschlechter- und generationengerecht ausgestaltet sein sollte oder dass die Geheimhaltungsvorschriften für die neu hinzugewählten Mitglieder die gleichen sind wie für das Domkapitel. Außerdem soll die Musterregelung auch Regelungen für den Konfliktfall enthalten.

Frage: Vor der zweiten Synodalversammlung gab es von vier Mitgliedern aus Ihrem Forum ja auch einen Alternativtext mit dem Titel "Vollmacht und Verantwortung". War das nochmal Thema bei der Arbeit in Ihrem Forum?

Lutz: Nein, innerhalb des Forums war das kein Thema.

KLJB-Bundesseelsorgerin Carola Lutz
Bild: ©KLJB Deutschland

Die ausgebildete Gemeindereferentin Carola Lutz ist Bundesseelsorgerin der Katholischen Landjugendbewegung Deutschland (KLJB) und arbeitet im Forum I "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag" des Synodalen Wegs mit.

Frage: Wie haben Sie die Arbeitsatmosphäre zwischen den beiden Synodalversammlungen denn grundsätzlich empfunden?

Lutz: Ich empfinde die Diskussionskultur in unserem Forum als sehr konstruktiv. Es ist total schön, in der Gruppe zu arbeiten und gemeinsam über Dinge zu diskutieren. Die Sitzungskultur ist mir persönlich manchmal etwas fremd, weil ich aus einem Jugendverband komme, das ist aber eher eine strukturelle Sache. Den Umgang mit den Ansichten und den verschiedenen Positionen empfinde ich als sehr wertschätzend. Wir mussten im Forum aber leider auch die Beobachtung machen, dass die angesprochenen Personen, die den Alternativtext vorgelegt haben, immer häufiger von den Sitzungen fernbleiben und sich nicht an der Erstellung der Texte oder dem Diskurs beteiligen.

Frage: Nicht gerade förderlich …

Lutz: Ich persönlich finde das sehr schade, weil so die Erstellung der Texte komplett ohne sie stattfindet und dadurch auch eine Perspektive fehlt. Ich würde diese Positionen gerne auch andiskutieren und ich glaube, dass es bei der Erstellung der Texte auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit von allen ankommt. Ich denke, sie haben gemerkt, dass sie nicht die Mehrheit der Forenmitglieder für sich gewinnen können und haben dann resigniert. Das ist extrem schade.

Frage: Die von Ihnen vorgelegten Texte können jetzt bei der kommenden Synodalversammlung in zweiter Lesung bereits beschlossen oder abgelehnt werden. Was erhoffen Sie sich von der kommenden Synodalversammlung?

Lutz: Ich erhoffe mir vor allem, dass der Grundtext diskutiert und beschlossen werden kann. Er bildet die Basis für die ganze Arbeit unseres Forums und bietet eine theologisch fundierte Grundlage, auf die wir in den Handlungstexten aufbauen. Wenn der Grundtext abgelehnt oder vertagt würde, könnten wir die weitere Arbeit an den Handlungstexten auf Eis legen, denn er ist die theologische Grundlage dafür, was wir glauben, wo wir stehen und wo wir hinwollen. In den Handlungstexten kommt dann noch einmal das "Wie" hinzu.

„Wir haben so viele Christinnen und Christen, die sich engagieren und Leitung übernehmen wollen, das jedoch aufgrund verschiedener Gründe nicht dürfen. Da gibt es so viel verschenktes Potenzial für eine zukunftsfähige Kirche.“

—  Zitat: Carola Lutz

Frage: Sie haben die fundierte theologische Basis angesprochen, die aber auch dafür sorgt, dass die Texte nicht für alle verständlich sind. Haben Sie denn das Gefühl, dass Sie inhaltlich überall mitkommen?

Lutz: Ich habe schon wahrgenommen, dass ich aus manchen Diskussionen aussteige, gerade als Nicht-Theologin – ich bin Religionspädagogin, habe aber kein Vollzeit-Theologiestudium absolviert –, manchmal fühle ich mich auch wie in einer Vorlesung. Doch ich habe alle als sehr offen wahrgenommen, andere mitzunehmen und beim Verständnis der Texte zu helfen. Man kann ja nicht für alles die Fachfrau oder der Fachmann sein, so geht es ja auch den Theologieprofessorinnen und -professoren. Ich hake dann einfach nochmal nach oder frage Personen, die in einem Themenfeld vielleicht mehr Ahnung haben als ich. Wobei es natürlich schon eine ganze Fülle an Texten und auch Verfahren gibt, wie man sich bei der Redaktion der jeweiligen Texte einbringen kann. Das macht es für Menschen, die sich nicht tagtäglich mit dieser Thematik beschäftigen, schon durchaus schwierig, den Überblick zu behalten.

Frage: Ist es denn aus Ihrer Sicht dann wichtig, dass Leute im Forum dabei sind, die sich nicht tagtäglich damit beschäftigen, sondern "von der Basis kommen"?

Lutz: Ich empfinde es sogar als sehr gewinnbringend, wenn unterschiedliche Personen aus verschiedenen Lebenssituationen mitdiskutieren. Das ist eigentlich das Schöne und das, was wir uns auch von der Kirche wünschen würden, Vielfalt der Gläubigen in allen Leitungsebenen.

Frage: Wie schauen Sie denn als ausgebildete Gemeindereferentin selbst auf das Thema Macht? Was muss sich da aus Ihrer Sicht ändern?

Lutz: Persönlich tue ich mich schwer mit dem Begriff "Macht", weil der in der katholischen Kirche durch den Machtmissbrauch sehr negativ behaftet ist. Dabei kann Macht auch etwas Gutes sein und es braucht Macht, sonst würde die Kirche nicht funktionieren. Ich spreche dabei aber lieber von Verantwortung oder Leitung, weil ich damit ausdrücken möchte, was mir eigentlich wichtig ist: Dass wir in der Kirche Strukturen schaffen, die Macht begrenzen und damit auch deren Missbrauch stoppen. Dazu zählen möglichst heterogene Leitungsteams, bei denen die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt und durch eine Rechenschaftslegung kontrolliert wird, dies ist in Verbänden schon erprobte Praxis. Wichtig ist mir auch, dass es um Führungsqualitäten und Talente geht und nicht darum, ob die Person männlich und geweiht ist. Wir haben so viele Christinnen und Christen, die sich engagieren und Leitung übernehmen wollen, das jedoch aufgrund verschiedener Gründe nicht dürfen. Da gibt es so viel verschenktes Potenzial für eine zukunftsfähige Kirche. 

Von Christoph Brüwer