Die dritte Synodalversammlung bei katholisch.de

Synodaler Weg für verheiratete Priester und Frauen in Weiheämtern

Aktualisiert am 04.02.2022  –  Lesedauer: 
+++Newsticker Tag 2+++

Frankfurt am Main ‐ Am Freitag diskutieren die Delegierten des Synodalen Wegs weiter über die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Dabei gab es weitere Entscheidungen. Katholisch.de informiert in einem Newsticker über Aktuelles zur dritten Synodalversammlung.

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20.50 Uhr: Synodalversammlung verabschiedet mehr Mitbestimmungsrechte bei Bischofsbestellung

Künftig soll es mehr Mitbestimmungsrechte bei der Wahl katholischer Bischöfe in Deutschland geben. Die Synodalversammlung des Synodalen Wegs einigte sich darauf verbindlich am Freitagabend in Frankfurt am Main. In Zweiter Lesung votierten 177 Teilnehmer (88 Prozent) mit Ja, 24 mit Nein, 6 enthielten sich. Von den anwesenden Bischöfe stimmten 42 dafür (79 Prozent) und 11 dagegen. Damit erhielt der Text die gemäß Satzung notwendige doppelte Zweidrittelmehrheit.

Laut dem Papier mit dem Titel "Einbeziehung der Gläubigen in die Bestellung des Diözesanbischofs" soll "das Volk Gottes insgesamt als handelndes Subjekt in Erscheinung treten". Erarbeitet werden soll eine "Musterordnung für die freiwillige Selbstbindung der jeweiligen Domkapitel bei der Bestellung von Bischöfen". Vorgesehen ist ein zusätzliches beratendes Gremium, das mit dem Domkapitel gemeinsam eine Liste geeigneter Kandidaten erstellt, die nach Rom gesandt wird. Der Text versteht sich als dringender Appell Appell an die Domkapitel, die Bitte um Mitbestimmung der Gläubigen ernstzunehmen und kann aus Sicht der Verfasser auf Grundlage des geltenden Kirchenrechts auch ohne Zustimmung aus dem Vatikan umgesetzt werden. (cbr/KNA)

19.10 Uhr: Synodaler Weg beschließt weitere Reformpapiere zum Frauenthema

Der Reformdialog zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland hat seinen Bestrebungen um eine Zulassung von Frauen zu Weiheämtern weiter Nachdruck verliehen. Am Freitagabend verabschiedete die in Frankfurt tagende Vollversammlung des Synodalen Wegs in Erster Lesung mit deutlicher Mehrheit zwei Handlungstexte. Diese plädieren für einen Frauendiakonat sowie für die Gründung einer Kommission unter Federführung des künftigen nationalen Synodalrats, die sich mit dem Thema des "sakramentalen Amtes von Menschen jeden Geschlechts" befassen soll. Außerdem sollen die deutschen Bischöfe das Anliegen auch bei der von Papst Franziskus angestoßenen Weltsynode einbringen.

Das Papier "Diakonat der Frau" sieht vor, dass die deutschen Bischöfe beim Papst eine Erlaubnis für die Öffnung des diakonischen Amts für Frauen beantragen. Ein sogenannter Indult, ein Gnadenerweis, soll mit Blick auf jenen Passus des Kirchenrechts erwirkt werden, der festschreibt: "Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann." In der Debatte äußerten mehrere Teilnehmer die Ansicht, dass ihnen der Antrag nicht weit genug gehe. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte indes, er könne sich nicht vorstellen, dass der Vatikan solch einem Indult zustimmen werde. Das Anliegen eines Frauendiakonats unterstütze er aber.

Ausschluss von Frauen vom sakramentalen Amt sei begründungspflichtig

Zuvor hatte das Reformprojekt in einer von Teilnehmern als historisch bezeichneten Abstimmung mit großer Mehrheit (85 Prozent) für einen entsprechende Grundtext votiert. Das Papier befasst sich mit der Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche und betont: "Nicht die Teilhabe von Frauen an allen kirchlichen Diensten und Ämtern ist begründungspflichtig, sondern der Ausschluss von Frauen vom sakramentalen Amt."

Für den Ausschluss von Frauen aus der Verkündigung gebe es "keine klare Traditionslinie". Neben "vermeintlich eindeutigen Aussagen im Mainstream der Tradition zu Ungunsten von Frauen" habe es immer auch gegenläufige Entwicklungen gegeben. Ferner wird eine "grundlegende Befragung und Veränderung der herrschenden Strukturen und Machtverhältnisse" gefordert. Gleichwohl kann das Papier auch nach einer möglichen Verabschiedung in Zweiter Lesung keine praktische Veränderungskraft entfalten, da die entsprechenden Regelungen nur auf Ebene der Weltkirche veränderbar sind. (KNA)

17.00 Uhr Synodaler Weg strebt Zulassung von Frauen zu Weiheämtern an

In einer von Teilnehmern als historisch bezeichneten Abstimmung hat sich der Synodale Weg mit großer Mehrheit für die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern ausgesprochen. Am Freitag beriet der in Frankfurt tagende Reformdialog zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland in Erster Lesung über einen entsprechende Grundtext. Das Papier befasst sich mit der Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche und betont: "Nicht die Teilhabe von Frauen an allen kirchlichen Diensten und Ämtern ist begründungspflichtig, sondern der Ausschluss von Frauen vom sakramentalen Amt."

Für den Ausschluss von Frauen aus der Verkündigung gebe es "keine klare Traditionslinie". Neben "vermeintlich eindeutigen Aussagen im Mainstream der Tradition zu Ungunsten von Frauen" habe es immer auch gegenläufige Entwicklungen gegeben. Ferner wird eine "grundlegende Befragung und Veränderung der herrschenden Strukturen und Machtverhältnisse" gefordert.

Viele Frauen hätten seit Jahrzehnten auf einen solchen Text gewartet

In der Debatte über die Vorlage hoben Befürworterinnen und Befürworter hervor, der Text korrigiere ein überkommenes Geschlechterverständnis in der Kirche sowie eine Diskriminierung und Ausgrenzung von Frauen. Viele Frauen hätten seit Jahrzehnten auf solch einen Text gewartet. Er stelle gute theologische Argumente für Änderungen zusammen. Kritiker monierten, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu stark nivelliert würden, räumten aber ein hohes Reflexionsniveau des Textes ein.

Sichtlich emotional äußerte sich beispielsweise die Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK), Schwester Katharina Kluitmann. "Nicht nur junge Frauen leiden unter dieser Kirche und darunter, dass sie als Frauen in dieser Kirche leben." Sie selbst sei 1964 geboren und blicke auf eine 41-jährige Verletzungsgeschichte in der Kirche zurück. "Alte Frauen haben Fürchterliches in dieser Kirche erlebt, und zwar nicht für irgendwas, sondern nur dafür, dass sie Frauen sind." Frauen in kirchlichen Ämtern böten einen Reichtum. "Und ich finde, wir können nicht mehr darauf verzichten, wenn wir nicht ewig hinter dieser Zeit herhinken wollen."

Das Papier wurde als Arbeitsgrundlage zur weiteren Bearbeitung in das zuständige Forum des Synodalen Wegs überwiesen. (cbr/KNA)

16.30 Uhr: Bischof Voderholzer entschuldigt sich für missverständliche Äußerung

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat für seine missverstandenen Äußerungen bei der dritten Synodalversammlung um Entschuldigung gebeten. "Menschen, vor allem Missbrauchsopfer fühlen sich von mir vor den Kopf gestoßen, verletzt, sind empört. Das macht mich traurig und lässt mich beinahe verzweifeln. Ich bitte um Verzeihung", heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Statement des Bischofs auf der Internetseite des Bistums. "Mein Anliegen ist ja gerade: echter Einsatz für die Opfer, unmissverständlicher Kampf gegen die Täter und stetes Bemühen um Aufarbeitung, Aufklärung und vor allem Prävention."

Bei der Debatte um das Münchner Missbrauchsgutachten sei es ihm darum gegangen, das Gutachten ernst zu nehmen. In der öffentlichen Aussprache des fast 2.000-seitigen Textes habe man sich fast nur auf eine Stellungnahme von Benedikt XVI. fokussiert. "Das wird meiner Ansicht diesem Gutachten nicht gerecht. Ich erwarte mir echte Erkenntnisse von einem solchen Werk, weil ich davon lernen will." Sein Hinweis in der Synodalversammlung sei als "sachlich-kritischer Beitrag" gemeint gewesen.

Voderholzer hatte sich am Donnerstag während der Dritten Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt zum Gutachten der Kanzlei WSW geäußert, in dem die Missbrauchsfälle im Erzbistum München und Freising seit 1945 untersucht worden sind. "Was dabei zu kurz kommt, ist, dass 1973 die Strafrechtsreform Kindesmissbrauch nicht mehr als Verbrechen eingeschätzt hat, und zwar auf der Basis von sexualwissenschaftlichen Urteilen, die davon ausgehen, dass für die betroffenen Kinder und Jugendlichen die Vernehmungen wesentlich schlimmer sind, als die im Grunde harmlosen Missbrauchsfälle", so der Bischof. Er habe "den Eindruck, die Verantwortlichen in der Kirche haben damals eher dem Zeitgeist nachgegeben, als dass sie sich um Recht und Gerechtigkeit bemüht hätten". Der Beitrag des Regensburger Bischofs hatte für Irritationen unter den Synodalen gesorgt. (cbr)

16.20 Uhr: Synodaler Weg für klare Regeln im Umgang mit Missbrauchstätern

Das katholischen Reformvorhaben Synodaler Weg fordert klare Regeln im Umgang mit Missbrauchstätern. Zur Vorbeugung von sexuellem Missbrauch sollen nach einem am Freitag in Frankfurt beratenen Papier zudem bereits die angehenden Priester einen Verhaltenskodex unterschreiben. Eine Disziplinarordnung für Priester soll demnach auch grenzwertiges, aber nicht strafrechtlich bedeutsames Verhalten erfassen.

Wenn eine Täterschaft nachgewiesen sei, müssen nach dem Papier per Dekret formulierte Auflagen zu einer Therapie ausgesprochen werden. Deren Ziel müsse vor allem der Opferschutz sein. Die Gefahr von Wiederholungstaten dürfe nicht unterschätzt werden. Deshalb dürften sie dienstlich nicht wieder in Kontakt mit Kindern, Jugendlichen und Schutzbedürftigen kommen. Jedem Täter müsse eine Art "Fall-Manager" zugewiesen werden. Der Text stieß in erster Lesung auf eine Zustimmung von mehr als 96 Prozent. (KNA)

14.55 Uhr: Synodaler Weg spricht sich für bessere und professionellere Priester aus

Die Vollversammlung des Synodalen Wegs hat sich für mehr Professionalität und eine umfassende Persönlichkeitsbildung bei künftigen Priestern in der katholischen Kirche ausgesprochen. Mit einer Mehrheit von 90,9 Prozent votierten die Synodalen am Freitag in Frankfurt in Erster Lesung für einen Text, der unter anderem Verbesserungen in der Priesterausbildung sowie in der Fortbildung bereits geweihter Priester vorsieht. Auch das gemeinschaftliche Leben von Priestern soll gemäß dem Beschluss gefördert werden, ebenso die Möglichkeit, als "Priester im Zivilberuf" zu arbeiten.

Ferner sollen Methoden der modernen Personal- und Organisationsentwicklung sowie des Qualitätsmanagements beim Einsatz von Priestern zur Anwendung kommen. Mehrere Missbrauchsstudien hatten in den vergangenen Jahren gezeigt, dass unter anderem ein Leben in Einsamkeit sowie eine intransparente und willkürliche Versetzungspraxis bei Klerikern sexuellen Missbrauch begünstigt haben. (KNA)

14.15 Uhr: Bischofskonferenz-Generalsekretärin sieht Zeichen für Erneuerung

Die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, Beate Gilles, sieht grundsätzlich positiv auf die bisherigen Ergebnisse des katholischen Reformprojekts Synodaler Weg. Es gebe noch nicht den Durchbruch zu einer anderen und erneuerten Kirche, aber ein gutes Fundament dafür, sagte Gilles am Freitag vor Journalisten in Frankfurt. Die beiden am Donnerstag verabschiedeten ersten Texte des Synodalen Weges seien Einschnitte in das Leben der Kirche. Gilles räumte ein, die Kirche habe insgesamt Vertrauen verloren. Aber die Kirche sei "mehr als diese Krise". Ein Entwurf für ein überarbeitetes kirchliches Arbeitsrecht werde zeitnah vorgelegt, so Gilles. Weiterhin betonte sie, dass jeder Bischof bei den Abstimmungen seinem eigenen Gewissen verpflichtet sei. "Die Bischöfe wissen sehr deutlich, was dran ist. Das hat man in vielen Statements gemerkt."

Im Hinblick auf die Aktion "#OutInChurch" bezeichnete der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Marc Frings, die Statements der 125 queeren Menschen in der Kirche als "Zeugnisse für uns alle". Er betonte: "Der Mensch gehört in den Mittelpunkt, ihm gebührt die Aufmerksamkeit." Grundsätzlich suche man beim Synodalen Weg nicht nach Differenzen. Es werde nach dem Ende des Synodalen Wegs keine zwei katholischen Kirchen geben. Er wolle nicht für einen Flickenteppich werben, sondern für spürbare Veränderungen.

Der Münsteraner Studierendenpfarrer Michael Berentzen sagte, er fürchte sich nicht vor den kommenden Bischofsvoten auch bei diskursiven Texten. "Das Ringen ist greifbar in all den Spannungen in denen wir stehen." Die jüngste Vertreterin der Synodalversammlung, die 18-jährige Johanna Müller, hob auf den Druck und die Verantwortung der Synodalen ab. "Der Druck wird immer größer und ich muss zugeben: Die Motivation war schon größer." Jeder in der Synodalversammlung habe eine Verantwortung für den Beschluss der Texte. "Allen, die hier sind, ist es nicht egal, was gerade los ist." (cbr/KNA)

12.40 Uhr: Synodaler Weg will Vertrauen und Transparenz fördern

Das katholische Reformprojekt Synodaler Weg will Vertrauen und Transparenz fördern. Eingeführt werden müssten "regelmäßige Verfahren der Rechenschaftslegung". Eine entsprechende Rahmenordnung sollten die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) erarbeiten.

Wenn es eine Rechenschaftspflicht des Pfarrers gegenüber dem Bischof und des Bischofs gegenüber dem Papst gebe, dann sei es konsequent, dass es eine solche Bestimmung auch für das Verhältnis zwischen Pfarrer und Gemeinde vor Ort gebe. Stimmen die jeweiligen Räte mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gegen Pfarrer oder Bischof, dann sollten diese den Rücktritt anbieten. Der Handlungstext wurde in Erster Lesung mit rund fünf Sechstel Zustimmung verabschiedet und zur Weiterarbeit an das Macht-Forum des Synodalen Wegs übergeben. 

Bei der zweiten Synodalversammlung im vergangenen Herbst war die Textvorlage bereits diskutiert worden. Im Verlauf der Abstimmung war auf einen Antrag von Bischof Georg Bätzing hin die Beschlussunfähigkeit der Synodalversammlung festgestellt worden. Damit war die zweite Synodalversammlung zu Ende gegangen. (cbr/KNA)

12.35 Uhr: Synodaler Weg: Papst soll verheiratete Priester zulassen

Mit großer Mehrheit hat der Synodale Weg zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland eine Initiative zur Lockerung der Zölibatsvorschrift für Priester beschlossen. Ein Papier, das die Spitzen der Kirche in Deutschland auffordert, entsprechende Vorschläge beim Papst einzubringen, verabschiedete die Synodalversammlung in Frankfurt am Freitag in Erster Lesung mit knapp 86 Prozent der Stimmen. Eine Zweite Lesung des Textes mit verbindlicher Abstimmung wird auf der vierten Synodalversammlung im Herbst erwartet.

Der mit den Worten "Zölibat der Priester – Stärkung und Öffnung" überschriebene Text betont den Wert der Ehelosigkeit als Lebensform der Priester. Er fordert aber zugleich die Zulassung verheirateter Priester in der römisch-katholischen Kirche durch den Papst oder durch ein Konzil. Außerdem wird gefordert, der Papst solle es katholischen Priestern gestatten, zu heiraten und im Amt zu bleiben.

Mehrere Redner kritisierten die in dem Text enthaltene positive Würdigung der ehelosen Lebensform und forderten, dass die Risiken und Nebenwirkungen des Zölibats kritischer benannt werden müssten. (KNA)

12.30 Uhr: Synodaler Weg berät über Stand der Aufklärung bei Missbrauch

Mit einer Debatte über die Missbrauchsaufarbeitung in der katholischen Kirche hat die in Frankfurt tagende  Vollversammlung des Reformprojekts Synodaler Weg ihre Arbeit am Freitag fortgesetzt. Dabei gab es heftige Kritik an der Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz, die Katholische Pfadfinderschaft Europas (KPE) anzuerkennen.

Kirchenrechtlich erhielt die Organisation den Status eines "privaten kanonischen Vereins". Die Geschichte der Vereinigung ist konfliktbehaftet. Sie entstand 1976 als konservative Abspaltung der DPSG. Schwierig erscheint bis heute Vielen der Umgang mit Geschlechtergerechtigkeit, Rollenbildern und Vorbeugung sexualisierter Gewalt zu sein. Es gibt auch Missbrauchsvorwürfe, die sich auf die KPE und ihr Umfeld beziehen.

Auf ihrer Homepage hält die KPE fest: "Die Prävention von Missbrauch ist integraler Bestandteil der kirchlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen. Ziel unserer Arbeit in der Katholischen Kirche ist es, allen Kindern und Jugendlichen sowie schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen im Geiste des Evangeliums und auf der Basis des christlichen Menschenbildes einen sicheren Lern- und Lebensraum zu bieten."

Der frühere Caritas-Präsident Peter Neher nannte die Anerkennung der KPE "unerträglich". Ähnlich äußerten sich andere Mitwirkende beim Synodalen Weges. Johannes Norpoth vom Betroffenenbeirat bei der Bischofskonferenz äußerte "Unverständnis" und "blankes Entsetzen". Norpoth forderte den Vorsitzenden der Konferenz, Bischof Georg Bätzing, und die Generalsekretärin der Bischofskonferenz, Beate Gilles, auf, ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen. Jetzt könne es nur noch um Schadensbegrenzung gehen.

"Vielfach beschworene Augenhöhe" fehle

Viel Raum nahm in der Diskussion die Idee eines öffentlichen Schuldeingeständnisses der katholischen Kirche zum Thema Missbrauch ein. Dabei äußerten sich alle Mitwirkenden grundsätzlich positiv. Als Beauftragter der Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich erinnerte der Trierer Bischof Stephan Ackermann daran, dass seit 1. Januar eine neue Personalaktenordnung gilt, sodass "Missbrauchsbeschuldigungen künftig in allen Diözesen verbindlich, einheitlich und transparent dokumentiert werden".

Unterschiedliche Auffassung zwischen Ackermann und Norpoth wurden bei der Frage der Entschädigung für Missbrauch deutlich. Aktuell wird laut Ackermann über eine einmalige Widerspruchsmöglichkeit gegen Bescheide der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) nachgedacht. Im Vorjahr entschied das Gremium demnach 685 Anträge, 1.598 wurden eingereicht. Norpoth sagte, angesichts "der kirchlichen Großwetterlage" seien gemeinsame erarbeitete Regelungen über die Entschädigungen sinnvoll. Die von den Bischöfen "vielfach beschworene Augenhöhe" sähe er bei der Frage nicht.

Mit Blick auf die aktuellen Debatten über die Frage, ob die Kirche allein die Missbrauchsproblematik aufarbeiten könne, sagte Ackermann, die Kirche habe von Anfang an gesagt, dass das nicht gehe. Die staatliche Beteiligung sei aber schon lange gesichert. Als Beispiel nannte er, dass auf Bistumsebene Landesregierungen je zwei Personen für die Aufarbeitungskommissionen benennen könnten. (KNA)

11.00 Uhr: Bätzing: Bin offen für Einrichtung einer Wahrheitskommission

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, hat sich erneut offen für die Einrichtung einer Wahrheitskommission zur Aufarbeitung von Missbrauch gezeigt. "Wenn es eine Wahrheitskommission geben soll, das heißt, wenn die Politik Verantwortung übernimmt für den vielfachen Missbrauch in unserer Gesellschaft, dann sind wir gerne dabei. Das sage ich ganz klar zu", sagte Bätzing am Freitag dem rbb-Inforadio in Berlin.

Bätzing äußerte sich aus Anlass der derzeit in Frankfurt am Main tagende Synodalversammlung. Sie ist das oberste Gremium des 2019 gestarteten Synodalen Wegs. Die rund 200 Synodalen debattieren dort über die Themen kirchliche Sexualmoral, Rolle der Frauen in der Kirche, priesterliches Leben und Macht.

Auf Bundesebene gibt es seit 2016 eine unabhängige Aufarbeitungskommission, die der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, initiiert hatte. Bislang ist Grundlage der Einberufung ein Beschluss des Bundestags. Die Mitglieder der Kommission, zu denen auch der Sprecher des Eckigen Tisches, Matthias Katsch, gehört, können Betroffene anhören, Rückschlüsse aus ihren Berichten ziehen – ein Recht etwa auf Akteneinsicht haben sie jedoch nicht. Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich, der Vorsitz der Kommission ist derzeit vakant. Rörig sowie der religionspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Lars Castellucci, sprechen sich für eine Aufwertung und eine gesetzliche Verankerung des Gremiums aus. (KNA)