Schuldig in insgesamt 110 Fällen

Kölner Priester U. muss wegen Missbrauchs für zwölf Jahre in Haft

Aktualisiert am 25.02.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Nach drei Monaten ist der Aufsehen erregende Prozess zu Ende: Priester U. aus dem Erzbistum Köln muss für zwölf Jahre in Haft. Das Landgericht Köln befand den 70-Jährigen für schuldig, in insgesamt 110 Fällen Missbrauch begangen zu haben.

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Wegen 110-fachen sexuellen Missbrauchs hat das Landgericht Köln eine zwölfjährige Haftstrafe gegen den früheren katholischen Pfarrer U. verhängt. Richter Christoph Kaufmann verkündete am Freitag das Urteil gegen den 70-jährigen Priester des Erzbistums Köln, der in Gummersbach, Wuppertal und Zülpich tätig war. U. hat sich demnach zwischen 1993 und Januar 2018 an neun Mädchen vergangen. An drei von ihnen, die einen entsprechenden Antrag gestellt haben, muss er ein Schmerzensgeld in Höhe von insgesamt 50.000 Euro zahlen und ist ihnen zu Schadenersatz verpflichtet.

Konkret wurde U. wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 72 Fällen und wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 23 Fällen verurteilt. Außerdem legte ihm das Gericht sexuellen Missbrauch einer Jugendlichen in 15 Fällen zur Last. In 8 von ursprünglich 118 angeklagten Fällen wurde er freigesprochen. Die Zeuginnen hätten sich nicht mehr sicher an diese Fälle erinnern können, hieß es zur Begründung.

Weitere Taten bekannt

Dem Gericht sind darüber hinaus Sexualstraftaten des Priesters gegen weitere Mädchen bekannt. Ein Teil davon wird wegen Verjährung nicht mehr verfolgt; der Rest ist laut Richter Kaufmann Gegenstand weiterer Ermittlungen. Das Urteil wird rechtskräftig, wenn nicht binnen einer Woche Revision eingelegt wird. Die Verteidigerin des Geistlichen erklärte, ihr Mandant denke über diesen Schritt nach.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße im Gespräch
Bild: ©KNA/Harald Oppitz (Archivbild)

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, ehemaliger Kölner Personalchef, sagte beim Prozess als Zeuge aus.

Nach der rund dreistündigen Urteilsbegründung wandten sich einige der Nebenklägerinnen mit emotionalen Äußerungen an die Öffentlichkeit. Sie machten Menschen in ähnlichen Situationen Mut, ihre Geschichte zu erzählen. "Das Reden darüber hilft, denn kein Täter darf ungestraft davonkommen", sagte eine Betroffene.

Mit der Urteilsverkündung endete der Prozess nach drei Monaten. Als Zeugen sagten auch prominente Kirchenvertreter wie der heutige Hamburger Erzbischof und frühere Personalchef des Erzbistums Köln, Stefan Heße, sowie der ehemalige oberste Kölner Kirchenrichter, Günter Assenmacher, aus. Beide hatten in den Jahren 2010 und 2011 mit U. zu tun, als eine erste Anzeige wegen Missbrauchs gegen den Geistlichen vorlag. Das Erzbistum Köln hatte den Priester zunächst beurlaubt. Nachdem die Anzeige jedoch zurückgezogen worden war, durfte er wieder als Krankenhauspfarrer arbeiten.

Hinweise leichtfertig ignoriert

2018 rollte die mittlerweile gegründete Interventionsstelle der Erzdiözese den Fall erneut auf. Seit 2019 ist U. die Ausübung der priesterlichen Dienste untersagt. Weil seine unmittelbaren Vorgesetzten in den Gemeinden nichts von seiner Vorgeschichte wussten, hatte U. bis kurz vor diesem Verbot in seiner Funktion als Seelsorger Kontakt mit Kindern und Jugendlichen. Kirchliche Verantwortungsträger hätten Hinweise zum Teil leichtfertig ignoriert und sich stattdessen mehr um den guten Ruf der Kirche gesorgt, kommentierte Kaufmann.

Das Erzbistum Köln begrüßte das Urteil. Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte der Leiter der Bistumsverwaltung, Markus Hofmann. Die Ergebnisse des Prozesses seien an den Vatikan gesandt worden, wo nun ein kirchenrechtliches Verfahren gegen U. zum Abschluss gebracht werden solle. Ihm droht die Enthebung aus dem Priesterstand. Hofmann versprach weitere Maßnahmen im Erzbistum: Es müsse alles getan werden, dass solche Verbrechen nicht mehr passieren könnten. (KNA)

25.2., 15:20 Uhr: Meldung aktualisiert.