Feind habe "keine Moral" und bringe friedliche Bevölkerung um

Kiewer Großerzbischof betet für russische Kriegsgegner

Aktualisiert am 07.03.2022  –  Lesedauer: 

Kiew ‐ Der Kiewer Großerzbischof beschreibt den Krieg mit drastischen Worten: Seine Diözese sei "blutüberströmt". Dennoch ruft er dazu auf, für die russischen Feinde zu beten. Sein orthodoxer Amtsbruder scheint zudem im Visier von Attentätern zu stehen.

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Der Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk hat zum Gebet für den russischen Kriegsgegner aufgerufen. "Beten wir für unsere Feinde, die in unser Land gekommen sind, um zu töten, dass Gott der Herr ihre mörderische Hand aufhält", so das Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche in einer Videobotschaft (Sonntag).

In den orthodoxen Kirchen hat an diesem Montag die Fastenzeit begonnen. Der Sonntag davor wird traditionell als "Sonntag der Vergebung" begangen. Es sei schwer, von Vergebung zu sprechen, wenn man in die Augen eines Feindes blicke, "der keine Moral hat und die friedliche Bevölkerung umbringt", sagte Schewtschuk. Doch: "Vergebung ist das Geheimnis des Sieges."

"Die Kiewer Erzdiözese ist blutüberströmt"

Die Ukraine werde zu einem Schlachtfeld, auf dem ein Krieg vor allem gegen die friedliche Bevölkerung geführt werde, so der Großerzbischof weiter: "Die Kiewer Erzdiözese ist blutüberströmt. Als ihr Bischof kann ich den Tod meiner Kinder nur beklagen."

Schewtschuk berichtete von einem Besuch bei den ukrainischen Streitkräften rund um Kiew und sagte wörtlich: "Ich möchte unseren Soldaten danken, den Mädchen und Jungen, die wirklich mit ihrem Leben die friedliche Bevölkerung schützen." Der Geistliche appellierte erneut an die Welt: "Helfen Sie, die humanitäre Katastrophe zu stoppen, die sich vor unseren Augen abspielt."

Der neugewählte Metropolit Epiphanius feierte am 16. Dezember 2018 zum ersten Mal als Oberhaupt der ukrainischen orthodoxen Kirche eine Messe im Kiewer Michaelsdom.
Bild: ©Sergii Kharchenko/picture alliance/NurPhoto

Der neugewählte Metropolit Epiphanius feierte am 16. Dezember 2018 zum ersten Mal als Oberhaupt der ukrainischen orthodoxen Kirche eine Messe im Kiewer Michaelsdom.

Das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche der Ukraine, Metropolit Epiphanius, sieht sein Leben unterdessen durch den Krieg bedroht. Seit dem Beginn der russischen Invasion am 24. Februar habe es bereits drei Attentatsversuche auf ihn gegeben, sagte Epiphanius dem griechischen Staatssender ERT, wie die Zeitung "Orthodox Times" am Wochenende berichtete. Demnach drangen bereits mehrmals russische Agenten in seinen Amtssitz, das Michaelskloster in Kiew, ein, um ihn "zu finden".

Ausländische Geheimdienste hätten ihn darüber informiert, dass er "Ziel Nummer fünf auf einer Liste der Russen mit zu tötenden Personen" sei, so der Metropolit weiter.

Epiphanius ist das Oberhaupt der seit 2018 autokephalen (eigenständigen) Orthodoxen Kirche der Ukraine, die aus dem 1992 gegründeten Kiewer Patriarchat und der 1921 ins Leben gerufenen Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche entstand. Sie steht im Gegensatz zur ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, die dem Patriarchen Kyrill I. untersteht. Der Moskauer Patriarch sieht die ukrainisch-orthodoxe Kirche durch die konkurrierende Kirche bedroht. Rund 70 Prozent der 45 Millionen Ukrainer bekennen sich zum orthodoxen Christentum und gehören einer der beiden Kirchen an. (rom/KNA)